Optimale Bedingungen für Glücksbringer

Hunderte Schwalben im Pferdestall in Dedeleben

Im Pferdestall auf dem Hof von Landwirt Axel Heine leben hunderte Glücksbringer und sorgen für angenehmeres Raumklima

Von Ramona Adelsberger
Immer hungrig - sobald sich auch nur ein Schatten regt, reißen die jungen Schwalben ihre Schnäbel weit auf.
Immer hungrig - sobald sich auch nur ein Schatten regt, reißen die jungen Schwalben ihre Schnäbel weit auf. Fotos (2): Ramona Adelsberger

Dedeleben - Schwalben gelten im Volksmund als Glücksbringer, sie sollen die Häuser, in denen sie leben, vor Unwetter schützen. Allerdings schlagen Naturschützer Alarm, weil der Bestand an Schwalben seit Jahren immer weiter zurück geht. Als Gründe dafür werden in erster Linie immer mehr versiegelte Flächen und die vielerorts moderne Bauweise mit Flachdächern und Glattputz genannt. Daher gibt es sogar Naturschutzprogramme, um mehr Schwalben anzusiedeln.

Das ist in Dedeleben überhaupt nicht nötig, denn im Pferdestall des Reitsportvereins Großes Bruch wimmelt es von Schwalben. Der Stall befindet sich auf dem Hof des Vereinsvorsitzenden Axel Heine und dort herrscht ausgesprochen reger Luftverkehr.

Hunderte Schwalben schwirren durch den Stall

„Wir haben in jedem Sommer eine Unmenge an Schwalben bei uns im Stall“, erklärt Landwirt Heine. Sein Mitstreiter Thomas Howard hat mal gezählt und ist auf über 50 Nester gekommen. Aktuell ist kürzlich die zweite Brut des Jahre geschlüpft. Geht man davon aus, dass in jedem der Nester gerade mindestens drei Junge sitzen, die noch nicht flügge sind, und auf den Balken und Vorsprüngen im Stall noch einmal genau so viele junge Schwalben aus der ersten Brut, die das Nest verlassen musste, weil die jüngeren „Geschwister“ nun in der Kinderstube sitzen, die Großen aber immer noch durch die Eltern versorgt werden, kommt man schnell auf mehrer hundert Tiere.

„Bis zu dreimal können Schwalben im Jahr brüten“, erklärt Sabine Meyer, die Lebensgefährtin von Axel Heine. Und ganz offenbar sind die Bedingungen im Stall von Dedeleben für Schwalben optimal, denn in den Vorjahren wurde stets auch noch eine dritte Brut beobachtet. Die Eltern leisten Schwerstarbeit, weil sie die Jungen im Nest und den Nachwuchs aus der vorherigen Brut versorgen müssen.

Schwalben sind Insektenvertilger und ernähren sich bevorzugt von Fluginsekten. „Ich denke, dass das Klima und insbesondere die Fliegen im Stall eine wichtige Rolle bei der Ortswahl der Schwalben spielen“, so Axel Heine. Und Fliegen, und somit Futter, gibt es reichlich in einem Pferdestall. Er bezeichnet die Gegenwart der Schwalben als eine „Win-Win“-Situation mit Vorteilen für alle Beteiligten. „Die Schwalben fangen die Fliegen, die normalerweise die Pferde ärgern.“

Wie der Mensch auf die Vögel achtet

Gerade bei großer Hitze achte er immer darauf, dass genügend Pfützen stehen, in denen die Schwalben Flüssigkeit aufnehmen können. „Wir verwenden beim Abspritzen der Pferde keine Reinigungsmittel, sondern nur klares Wasser.“

Sabine Meyer erklärt, dass sie die Nester täglich genau beobachte, ob alles noch fest sitzt. Denn es komme schon vor, dass sich ein solches Nest, das die Schwalbe beim Bau mittels Speichelsekret am Holz oder der Mauer befestigt, keinen Halt mehr hat und abfällt, oft auch dann, wenn sich noch Junge darin befinden. „In solchen Fällen haben sich leichte Kunststoffboxen bewährt, in die wir die Reste des Nestes und die Jungen setzen. So finden die Eltern ihren Nachwuchs wieder und füttern weiter.“ Im September treten alle Schwalben den Flug nach Süden an, um im Warmen zu überwintern. Dann macht sich Axel Heine daran, die Nester genau zu untersuchen und die zu entfernen, die nicht mehr richtig haften und drohen, bald abzufallen. Wenn die Schwalben im Frühjahr zurück kommen, bessern sie die alten Nester aus oder bauen neue. Das nötige Material finden sie direkt vor der Tür - Lehm und Stroh. Die kleinen Bauherren flechten auch gern Pferdehaare mit ein, dann erhält das Nest zusätzlich inneren Halt.

Pfeilschnell fliegen die Altschwalben durch Stall, so dass man sich sogar ducken muss. Ab und zu sei er sogar schon mit einer Schwalbe kollidiert, berichtet Thomas Howard. Das große Tor sei Ein- und Ausflugschneise. „Schön wäre es, wenn wir die Stallfenster so umbauen könnten, damit wir sie im Sommer aushängen könnten. Für die Schwalben wäre das ein guter Weg, um ein- und auszufliegen.“ Vor allem die jungen Schwalben würden nicht selten bei ihren ersten Flugversuchen gegen die Scheiben fliegen und dann hilflos zu Boden fallen. „Es wäre gut, wenn wir solche Kollisionen künftig vermeiden könnten, denn nicht selten sitzt eine unserer Hofkatzen genau darunter und wartet nur auf einen solchen Bruchpiloten“, so Howard.