Halberstadt l Eine Menschentraube steht zu Füßen des alten Wasserturms an der Wehrstedter Brücke. Das imposante Bauwerk gehört zu den Wahrzeichen Halberstadts. Direkt an der B 81 stehend, begrüßt oder verabschiedet er alle die, die in die Stadt hineinfahren oder sie verlassen. Das Interesse der Halberstädter an dem Denkmal ist groß. Besitzer Jörg Lindemann lud zum Talk am Wasserturm ein, um Lösungen für die Nutzung des verwaisten Riesen zu finden. Sein Ziel: Die Halberstädter ­sollen ein gewichtiges Wort dabei mitreden. 50 folgten der Einladung zur Mittagszeit, obwohl es ein Werktag war.

Die interessierten Bürger ließen sich nicht lange bitten und beteiligten sich rege an einem vor Monaten angestoßenen Ideenwettbewerb, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Vorschläge liegen bereits einige auf dem Tisch. Während der zweistündigen Veranstaltung gab es weitere. Außergewöhnlich war der, im Wasserturm eine Indoor-Skydiving-Station zu errichten. Was das ist? Ein Art Windtunnel, in dem mit einem starken Luftstrom der Freifall eines Fallschirmsprungs simuliert wird. In anderen Städten bereits ein beliebtes Freizeitvergnügen. Klettern im und am Turm war eine weitere Idee. Oder die Errichtung eines Spielplatzes.

Perfekte Idee gesucht

„Viele Ansätze sind nicht schlecht. Die perfekte Idee ist bislang noch nicht dabei“, sagt Jörg Lindemann. Er sieht Grenzen bei der Umsetzung von einigen Vorschlägen. So unter anderem bei einem der meist geäußerten, eine Aussichtsplattform am Turm zu schaffen. Bei 34 Metern Höhe sei das ein verständlicher Wunsch. Die Plattform wäre an hohe ­Sicherheitsauflagen gebunden. Von außen müsste ein Gang errichtet werden. „Das ist alles viel zu teuer.“ Investitionen müssten sich schließlich rechnen. Skeptisch ist Lindemann auch bei der Gaststätten-Nutzung oder Ausstellungen im Turm zu präsentieren. Die interessanteste kam von Waltraud Mehnert. Ihrer Meinung nach sollte man auf dem Platz vor dem Turm einen alten Reisewagen der Bahn und eine ausrangierte Lokomotive stellen und im Waggon ein nettes kleines Restaurant eröffnen. „Dort gäbe es dann einen Schlüssel zur Besichtigung des Turmes. In diesem würde ich ein kleines Museum mit der Geschichte solcher Wassertürme, mit Dingen aus der Geschichte der Bahn und vielleicht auch eine kleine Modelleisenbahn, die mit Wasser betankt wird, betreiben.“

Tolle Ideen. Dafür müsste es jedoch Betreiber geben. Die sieht Jörg Lindemann derzeit noch nicht.

Finale am 7. September

In den zurückliegenden Monaten habe es viele Aktivitäten zur weiteren Sanierung des Denkmals gegeben. „Das erste und zweite Obergeschoss erhalten neue Fenster. Die Denkmalpflege stimmte bereits zu“, so der Immobilienfachmann. Außerdem sei das Taubenproblem behoben worden. Alle Öffnungen erhielten Gitter. Im Fokus steht derzeit die Kugel. Der 11 Meter im Durchmesser große und etwa 600.000 Liter fassende Behälter benötigt einen neuen Anstrich. Aus allen Wolken ist Lindemann jedoch gefallen, als er das Angebot für das erforderliche Baugerüst erhielt. „72.000 Euro. Da ist mir die Luft weggeblieben.“ Der Turmbesitzer will nun nach einer anderen Lösung suchen, um die braune Pest an der Kugel mit einem neuen und farbenfrohen Anstrich zu stoppen.

Der Ideenwettbewerb läuft bis zum 7. September. An diesem Tag findet ein Wasserturmfest statt, zu dem der Eigentümer alle Interessierten einlädt. Die besten Vorschläge zur Zukunft des Denkmals werden prämiert.