Halberstadt l „Egal, wie das Konzept letztlich aussieht. Aber diesmal müssen wir es zu Ende bringen, das sind wir uns alle schuldig“, sagte Daniel Szarata. Und Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) stimmte dem Chef der CDU-Fraktion zu. „Wenn ein zweiter Papiertiger zum Breiten Weg kommt, werden wir alle unglaubwürdig“, sagte Henke.

Gemeinsam in die Offensive

Er hatte gemeinsam mit den Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen zu einem Pressetermin eingeladen. Thema: Aufwertung des Breiten Wegs. Der Stadtrat hatte am vergangenen Donnerstag einstimmig einen Grundsatzbeschluss dazu verabschiedet, und diese Einmütigkeit wolle man nutzen, um in den kommenden Jahren gemeinsam mit den Einwohnern Halberstadts ein Konzept zu erarbeiten, wie der Breite Weg künftig genutzt werden soll, und wie er aussehen soll. Mit ein paar neuen Gehwegplatten sei es nicht getan.

„Wir könnten goldene Platten verlegen, deshalb würde der Weg doch nicht stärker besucht werden“, sagte Hans-Joachim Nehrkorn. Der Chef der Linksfraktion erinnerte daran, dass es seit 1990 bereits mehrfach intensive Diskussionen über die Gestaltung des Breiten Weges gegeben habe, sogar ein teurer Wettbewerb fand statt. Umgesetzt wurden die Planungen nie.

Infrastruktur muss erneuert werden

Die grundsätzliche Frage sei, wie es gelingt, dass die Halberstädter und ihre Gäste den Breiten Weg wieder annehmen, sich gerne hier aufhalten. „Das wird ein spannendes Unterfangen. Auch in der Hinsicht, dass ja unterirdisch einiges getan werden muss“, sagte Nehrkorn.

Das bestätigte Tiefbauamtsleiter Manfred Wegener. Ähnlich umfangreiche Bauarbeiten wie zurzeit in der Magdeburger Straße seien erforderlich, um Abwasser-, Strom-, Gas-, Fernwärme- und Wasserleitungen zu erneuern.

Keine Denkverbote in der Debatte

Doch das sei nur eine Seite der Medaille, wie mehrfach in dem Gespräch betont wurde. Nehrkorn wünschte sich, dass es keine Denkverbote in der Diskussion geben darf. „Ich bin gespannt, wie die Diskussion organisiert werden wird, in welchen Gremien das ablaufen wird.“

Eine Frage, die Thomas Rimpler als zuständiger Fachbereichsleiter beantwortete. Um alle Ideen zu sammeln, zu wichten und zu einer Entscheidungsgrundlage zu verarbeiten, soll ein externes Planungsbüro beauftragt werden. „Die sollen keinen Entwurf zur Umgestaltung vorlegen, sondern darstellen, wie sie das Gespräch mit den Eigentümern und Anwohnern, den Ladenbesitzern und Ladenmietern, der Stadtverwaltung und dem Stadtrat sowie mit allen Bürgern organisieren wollen“, sagte Rimpler. Voraussichtlich am 17. Januar soll die Entscheidung fallen, welches Büro mit dieser Moderation beauftragt wird.

Anderthalb Jahre Zeit für Lösung

Anderthalb Jahre will man sich Zeit nehmen, um mit den Bürgern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Ein „Ansatz, der genau richtig ist“, wie SPD-Fraktionschef Peter Köpke betonte, denn allein mit Einzelhandel werde man keine Belebung erreichen, da sich der Handel in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess befinde.

Alle Ideen gesammelt

Auch Daniel Szarata befand die frühzeitige, intensive Bürgerbeteiligung als „absolut richtig und wichtig“. Der Breite Weg könne das Zugpferd sein, das die Halberstädter wieder enger zusammenrücken lasse. „Wir müssen etwas schaffen, das so attraktiv ist, sich so abhebt von anderen Stadtzentren in der Region, dass die Leute auch deshalb zu uns kommen.“

Ralf Barthel, Chef der Bürger-/FDP-Fraktion, regte an, sich mehr an die einheimischen Händler zu wenden, denn die großen Filialen seien austauschbar. Zudem betonte er noch einmal, dass es wichtig sei, den Breiten Weg in seiner gesamten Länge zu betrachten und nicht nur einen Abschnitt.

Zwei Millionen Euro reserviert

Die Stadtverwaltung hat in ihrer mittelfristigen Finanzplanung für den Breiten Weg rund zwei Millionen Euro eingestellt, „als Platzhalter“, wie Thomas Rimpler sagte. Wenn es ein überzeugendes Konzept gibt, sei es möglich, Fördergeldtöpfe zu erschließen, sagte Stadtplanerin Siegrun Ruprecht. Sie erklärte auch, dass die Verwaltung alle Vorschläge, die per Zeitung, über soziale Netzwerke oder auch handschriftlich im Bürgerbüro abgegeben wurden, gesammelt und später mit ausgewertet werden. „Auch wer schon eine Idee geäußert hat, wird gebeten, sich weiter in den Diskussionsprozess um den Breiten Weg mit einzubringen“, so Ruprecht.