Halberstadt l Ob im Dom oder in der Kirche - Orgelmusik in der Vorweihnachtszeit gehört seit LKangem zur guten Tradition. „In dieser Zeit haben wir besonders viel zu tun und arbeiten bis zum 23. Dezember“, sagt Orgelbaumeister sowie Restaurator Reinhard Hüfken. Seine Firma befindet sich in Halberstadt in der Magdeburger Straße. Zu den Aufgaben seines zehnköpfigen Teams gehören Neubauten, Restaurierungen sowie Stimm- und Pflegearbeiten an diesen Instrumenten.

„Mein Cousin war auch Orgelbauer. Als ich ihm bei der Arbeit helfen sollte, inspirierte mich das und mein Interesse war geweckt“, sagt Reinhard Hüfken. Er mag an seiner Tätigkeit zum Beispiel „die Abwechslung der technischen Anlagen“. Weiter meint der Geschäftsleiter, dass man wie ein Detektiv auf Spurensuche gehen müsse, um bei Restaurierungen so dicht wie möglich am Original zu sein. Bei den Neubauten sei es der Reiz, seine eigene Kreativität zu verwirklichen. „Außerdem wird etwas geschaffen, was von langer Dauer ist. Die Garantie beträgt mindestens zehn Jahre“, ergänzt sein Sohn Johannes Hüfken. Er arbeitet ebenfalls in der Halberstädter Orgelbau-Firma.

Vater Reinhard absolvierte 1970 eine dreijährige Ausbildung zum Orgelbauer bei der Potsdamer Firma Alexander Schuke. Ende der 70er-Jahre gründete er dann in der Magdeburger Straße 16 seine eigene Werkstatt. „Hier befand sich früher ein Pferdestall. Der wurde Schritt für Schritt umgebaut“, erinnert sich der Orgelbaumeister voller Stolz. Ebenso erwähnt er, dass es zu DDR-Zeiten schwierig war, Material für die Arbeiten zu bekommen. Zur Wende hat Reinhard Hüfken das Gebäude gekauft. Dies sei vor allem aus wirtschaftlichen Gründen nötig gewesen. Im Jahr 1999 erhielt er den Titel „Anerkannter Restaurator im Orgel- und Harmoniumbauerhandwerk“.

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Sohn Johannes ist seit 2012 ebenfalls Orgelbaumeister. Als bedeutsam für seine berufliche Entwicklung hält er ein achtmonatiges Praktikum bei der englischen Firma Harrison & Harrison zurück. „Hier konnte ich reichlich Erfahrungen mitnehmen. Die Firma betreut bedeutende Kirchen im Raum London, vor allem Westminster Abbey“, so der 35-Jährige. Er soll Mitte 2016 die Halberstädter Firma übernehmen. Grund: Vater Reinhard erreicht im März das Rentenalter. Er werde jedoch mit Rat und Tat zur Seite stehen sowie sein Wissen weitergeben. Über die Zukunft sagt der Junior: „Es wird keine großen Veränderungen geben. Wir wollen weiter auf hohem Niveau bleiben und wieder einen Lehrling einstellen.“ Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre. Auch der Vater habe kontinuierlich junge Leute ausgebildet.

Einer von ihnen ist Daniel Gatzsche aus Heudeber. Er arbeitet hier seit 1995 und hat es mittlerweile auch zum Orgelbauer geschafft. Gatzsche ist im Unternehmen für den Bereich Klang und Ton der Orgelpfeifen zuständig. „Ich kann bei meiner Arbeit künstlerisch kreativ sein.“ Doch in den Räumen ist selten typischer Werkstattlärm zu hören. „Zur Barockzeit zogen die damaligen Orgelbaumeister in den jeweiligen Ort. Wir sind gewissermaßen außerhalb auf Montage“, erklärt Reinhard Hüfken. Die Firmenmitarbeiter sind nicht nur regional und bundesweit, sondern auch im Ausland im Einsatz. Werden Bauteile oder ganze Orgeln mitgebracht, stehen in Halberstadt natürlich die entsprechenden Werkzeuge und Räume für spezielle Arbeiten zur Verfügung.

Eine große Herausforderung ist derzeit eine abgebrannte Orgel aus einer Kirche in Alsleben bei Halle. Um dieser Orgel von Ernst Röver (1857 - 1923) wieder musikalisches Leben einzuhauchen, werden etwa vier Jahre benötigt.

Natürlich kommt bei den Aufträgen auch der Halberstädter Dom nicht zu kurz. „Hier sind wir nah dran und stets auf Abruf“, so der Senior-Chef. In diesem altehrwürdigen Gemäuer kam übrigens ein so genanntes Claviorganum von Johannes Hüfken zum Einsatz. Dieses Instrument ist eine Mischung aus Cembalo und Orgel. „Bundesweit gibt es davon nur sehr wenige. Eine genaue Zahl ist jedoch nicht bekannt.“