Graffiti-Ferienprojekt unter dem Motto "Wir gestalten Haldensleben"/25 Jugendliche werden an Garagenkomplex kreativ

Jugendliche geben beim Sprayen Gas

Von Claudia Labude

Es war nicht nur der Wetterbericht mit dem angekündigten Starkregen, weshalb die Teilnehmer des Graffiti-Projektes im Rolandviertel zwei Tage eher fertig waren, als gedacht. Die Jugendlichen hatten einfach soviel Spaß am Sprayen, dass sie ganz schön auf die Tube beziehungsweise Dose drückten.

Haldensleben. Was an den Wänden der Garagen am Bolzplatz des Rolandviertels steht, ist nicht immer auf den ersten Blick lesbar. Obwohl die Buchstaben groß und bunt sind. "Das ist eben die Lebenswelt unserer Jugendlichen", weiß Enrico Viohl. "Auch wenn Erwachsene das nicht immer nachvollziehen können", erklärt der Koordinator der Regionalen Netzwerkstelle im Landkreis Börde.

Er hat nach dem im Vorjahr auch das diesjährige Graffitiprojekt organisiert, bei dem es darum ging, die Garagen am Bolzplatz im Rolandviertel zu gestalten. 25 Jugendliche wollten eigentlich von Montag bis morgen zur Farbdose greifen, waren aber Dienstagnachmittag schon fertig.

Johannes Jacobs ist einer der talentierten Laien-Sprayer. Seinen Abschnitt der Garagenrückwände hat er mit dem Wort "Joke", also "Witz" besprüht. Und das in Übergröße. Dazu hat der 16-Jährige noch ein grünes Männchen mit glitzerndem Auge an die Wand gebracht. "Es ist toll, sonst darf man das ja nicht", antwortet er auf die Frage, wie ihm das Ferienprojekt gefällt. "Man kann damit auch zeigen, wie kreativ man ist und dass man vielleicht gut zeichnen kann", schwärmt der Gymnasiast. In den kommenden Wochen will er sein fertiges Werk auch Freunden und der Familie zeigen. Und ein Bild davon auf seinem Profil im Internetnetzwerk "Facebook" hochladen - so stolz ist Johannes auf das, was er in zwei Tagen geschaffen hat und was ihm so manchen Krampf im Finger bescherte, mit dem er die verschiedenen Dosen drückte.

Nach zwei Tagen schon Krämpfe im Finger

Der elfjährige Marc Hahndorf bekam schon am Dienstag vor Ort Besuch von seiner Oma und Schwester Jenni. Die Achtjährige wollte unbedingt auch einmal ausprobieren, wie schwer das Graffiti-Sprayen ist, wobei ihr der große Bruder gern assistierte. Er hat sich für den Schriftzug "HDL" entschieden und diesen auf die graue Wand gesprüht. "Erstens, weil das leicht ging und dann auch, weil ich in Haldensleben zur Schule gehe", erklärt der Wedringer. "Ich finde es gut, dass die Jugendlichen hier unter Kontrolle und Anleitung sprühen und nicht illegal an die Hauswand", lobt auch die Oma des Geschwisterpaares.

Und genau das war eines der Anliegen des Projektes. "Wir haben in einem Workshop im Juni die Teilnehmer über die strafrechtlichen Konsequenzen des illegalen Sprayens aufgeklärt", erinnert sich Enrico Viohl. An den Garagen in der Rottmeisterstraße konnten sich die Jugendlichen dagegen legal austoben. "Die Mädchen und Jungen sind ganz verrückt danach gewesen, sich auszuprobieren, und waren kaum zu halten", berichtet der Koordinator.

Das Ferienprojekt bringe allen Beteiligten etwas. "Die Jugendlichen identifizieren sich mit ihrer Heimat. Und die Stadt, die als Kooperationspartner mit im Boot sitzt, hat ebenfalls eingesehen, dass es etwas bringt, Flächen für Graffitis zur Verfügung zu stellen."

An den Projekttagen hätten immer wieder Anwohner vorbei geschaut, um sich vom Fortgang der künstlerischen Arbeit zu überzeugen. "Ein Herr fragte uns sogar, ob wir nicht an dem Garagenkomplex in der Bülstringer Straße weitermachen könnten", freut sich Enrico Viohl über solch positive Resonanz.