Hasselfelde l Freude, eine gewisse Spannung mit Blick auf die noch ungewisse Resonanz – in jedem Fall aber viel Stolz, bei der Kampagne für mehr Feuerwehrnachwuchs selbst Gesicht zu zeigen. So lässt sich die Stimmung bei Nils Wittke und Ina Härter sowie Stefanie Rieche, Mark Trebbow und Steven Pilz wohl am besten beschreiben. Das junge Quintett ist bei der freiwilligen Feuerwehr in der Oberharz-Stadt Hasselfelde aktiv und rückt landesweit in Sachsen-Anhalt in den Fokus. Für die Plakataktion, mit der Innenminister Holger Stahlknecht offensiv um Nachwuchs für die Feuerwehren im Land trommeln will, sind die 24 bis 35 Jahre alten Wehrleute als Models ins Rampenlicht gerückt.

Ein Anruf und das Shooting ist perfekt

Eine, wie Ina Härter augenzwinkernd verrät, gleichsam kurzfristige wie spaßige Aktion. Wird die Suche nach dem Topmodel andernorts schon mal zum wochenlangen medial begleiteten Marathonlauf, bedurfte es hier nur eines Anrufs: Weil eine Mitarbeiterin der vom Land beauftragten Agentur in Hasselfelde lebt, klingelte sie kurzerhand bei ihren Freunden von der Wehr an – und das Fotoshooting war perfekt.

Das Resultat schmückt nun die Großplakate, die ab sofort landesweit die Städte und Dörfer zieren sollen. Dass dabei just Ina Härter und Nils Wittke im XXL-Fomat Gesicht zeigen ist ebenso Zufall wie die Auswahl von Hasselfelde.

Zwei Kinder bereits auf Feuerwehr-Kurs

Wobei sich der Kreis schließt. Die beiden engagierten Wehrleute – die 35-Jährige hält der Feuerwehr seit mittlerweile zwei Jahrzehnten die Treue – sind auch privat ein Paar. Soll heißen: Das Thema Feuerwehr spielt auch schon mal daheim eine Rolle. Eine gewichtige, denn mitunter gilt es die fachliche Wissbegier von Ina Härters Kindern Darius (11) und Ian (7) zu beantworten. Schließlich verkörpern die beiden genau das, wofür Ina, Nils, Stefanie sowie Mark und der beim Volksstimme-Termin erkrankte Steven jetzt gemodelt haben: Darius und Ian sind bei der Kinder- und Jugendfeuerwehr aktiv und damit die angehenden Feuerwehrleute von morgen.

Was kein Wunder ist. Ina Härter steht geradezu exemplarisch für die Themen Feuerwehr und Nachwuchs. Ursprünglich aus Wienrode stammend, arbeitete sie lange bei der Feuerwehr Benneckenstein und hob dort die Kinderfeuerwehr aus der Taufe. Was keineswegs überrascht. Vor einigen Jahren startete sie eine zweite Ausbildung zur Erzieherin. Seit zwei Jahren arbeitet sie in der Kindertagesstätte Regenbogenland – und ist ihrem Team dankbar, dass es ihr Ehrenamt in jeder Hinsicht unterstützt.

Familiäre Vorbelastung vererbt bekommen

Und auch ihr Engagement bei der Feuerwehr ist alles andere als Zufall. „Mein Vater war Wehrleiter, und mein Opa war auch schon bei der Feuerwehr“, erinnert sie an die familiäre Vorbelastung. Auch der Model-Job, der quasi über Nacht auf sie und die vier Kameraden zugekommen sei, ist für die Hasselfelderin kein Neuland: „Vor Jahren bin ich schon mal für den Feuerwehr-Kalender abgelichtet worden.“

Nach verlorener Wette bei Wehr gelandet

Apropos ablichten: Ebenso souverän wie die Fünf das Fotoshooting absolviert haben, plaudern sie nun über ihr Leben und das Engagement bei der Wehr. Nils Wittke ist 2008 nach einer Wette dort gelandet. „Ich habe damals wegen irgendwas verloren und musste deshalb an einem Dienstabend teilnehmen – und bin geblieben“, plaudert der gelernte Zerspaner aus dem Nähkästchen. Heute hat der 27-Jährige wie die übrigen Models alle nötigen Scheine, ist Atemschutzgeräteträger, Truppführer und steht seinen Mann.

Bei den Feuerwehren ist jeder willkommen

Wegens seines Jobs und der praktischen Kenntnisse – er führt heute eine drei Mann zählende Metallbaufirma – ist Nils Wittke bei der Feuerwehr besonders begehrt. „Solche Berufe sind natürlich besonders gut, längst aber keine Voraussetzung, um bei unseren Wehren aktiv zu werden“, bringt es Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse auf den Punkt. „Jeder, der bei uns mitmachen will, findet sein Plätzchen und kann sich ganz nach seinen persönlichen Wünschen und Fähigkeiten einbringen. Männer wie Frauen, Jung und Alt gleichermaßen.“

Dass dem so ist, beweisen auch Stefanie Rieche, Steven Pilz und Mark Trebbow. Sie alle haben ihren Platz in der Wehr gefunden. Bei Steven war ein Besuch als Grundschüler die Initialzündung – „danach waren fast alle Jungs bei der Feuerwehr“. Effektiv geblieben seien bis heute vier. Die aber bringen sich richtig ein. Er selbst – ein gelernter Metaller – war sechs Jahre Jugendwart. „Insgesamt 21 Jugendliche“, berichtet der 26-Jährige mit einigem Stolz von der „Ausbeute“ für die Wehr. Aktuell absolviert er mit Nils Wittke die Meisterschule in Thale.

Nachwuchsarbeit auch ganz privat

Dass oft vom Miteinander im Dorf eine Magnetwirkung ausgeht, beweist Stefanie Rieche. „Irgendwann hat mich Steven angesprochen, und ich war dabei.“ Zudem sei auch sie familiär vorbelastet – Vater Dirk ist Stadtwehrleiter der Oberharz-Stadt. Auch ihr Freund sei bei der Wehr – in Thüringen. Wo auch immer – „ich will dabei bleiben“, versichert die 24-Jährige, die in der Finanzbuchhaltung einer Harzer Klinik arbeitet und in der Freizeit gern sportlich unterwegs ist.

Wobei sportlich das Stichwort ist: Die Hasselfelder brauchen sich nicht zu verstecken. Beim Feuerwehrsport – dem Löschangriff nass – sind sie aktuell Kreismeister und rangieren zudem auf Rang drei im landesweiten Vergleich, berichten sie stolz. Analoge Ergebnisse können auch die Frauen mit dem Team Oberharz vorweisen.

Daran hat auch Mark Trebbow – Model Nummer fünf – eine Aktie. Der gelernte Tischler ist 2009 zur Wehr gekommen und aktuell auch ganz privat in Sachen Nachwuchsarbeit unterwegs. Im November ist Sohnemann Elyas auf die Welt gekommen. Ob er irgendwann mal in Vaters Fußstapfen tritt? „Abwarten“, meint dieser. Aber: „Beim Spielzeug dominiert schon mal das Rot der Feuerwehrfahrzeuge“, verrät der 31-Jährige mit verschmitzem Augenzwinkern. Soll heißen: Die Nachwuchsarbeit kann nicht breit genug aufgestellt sein und nicht früh genug beginnen.

Die Werbekampagne ist aber auch nicht unumstritten.  Sprüche wie „Hab ich einen Brand. Dann komm‘ doch löschen!“ und „Dein Date ist nicht spritzig genug? Spritzig ist unser zweiter Vorname!“ hatten für Unmut gesorgt.

Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) stellt am Donnerstagmorgen mit Feuerwehr-Vertretern die Plakatwerbung der Kampagne vor. In wenigen Tagen sollen zudem die ersten Radiospots geschaltet werden. Im Vorfeld der Aktionen gab es heftige Diskussionen über ein Paket mit Werbematerialien, das die Wehren bekamen. Einige Mitglieder monierten, dass etwa Bierdeckel mit der Aufschrift "Feierwehr" ein falsches Bild von den ehrenamtlichen Retter verbreiteten.

Die Links-Fraktion setzte eine Debatte zur neuen Kampagne auf die Tagesordnung des Landtags. Die Werbebox habe am Feuerwehrimage gekratzt und einen Flurschaden hinterlassen, so die Abgeordnete Katja Bahlmann. Die Kampagne müsse neu konzipiert werden, forderte sie. (mit dpa)