Halberstadt l „Leben Sie wohl“, sagt eine Rentnerin, als sie an diesem windigen Juli-Nachmittag nach dem Seniorenkreis aus dem Kloster tritt. Ihre Worte richten sich an die Hausherren. Ein Abschied für immer. Die drei Männer, Mitglieder des Franziskaner-Ordens, sitzen sinnbildlich auf gepackten Koffern. In wenigen Tagen verlassen sie Halberstadt. Mit ihrem Auszug endet eine Ära. Noch zu Lebzeiten ihres Namensgebers, Franz von Assisi, kamen die ersten Brüder in die Domstadt.

„In drei Jahren hätten wir das 800-jährige Bestehen unseres Klosters feiern können. Es wurde von einem Grafen von Regenstein gestiftet“, berichtet Pater Ubald Hausdorf. Tut es ihm leid, dass diese lange Geschichte nun ein Ende findet? „Es ist immer schade, wenn ein Kloster schließt. Aber davon geht die Welt nicht unter“, sagt der 85-Jährige. Es sei der Lauf der Zeit: Wenn der Nachwuchs fehlt, müssen Konsequenzen gezogen werden.

Die Kontakte, die er im Laufe der Jahre geknüpft hat, werden ihm fehlen. „Ich habe viele nette Menschen kennengelernt, einige Begegnungen haben mich tief bewegt.“ So sei ihm eine Frau im Gedächtnis geblieben, die im Sterben lag und sich von ihren Enkeln verabschiedete.

Ordensbruder seit 2002 in Halberstadt

Seit 2002 lebt der Ordensbruder – Franziskaner werden nicht als Mönche bezeichnet, wie Ubald betont – in Halberstadt. Er stammt aus Hagen (Nordrhein-Westfalen), wo ihm das Mönchwerden in die Wiege gelegt wurde, wie er lachend berichtet. Er sei längst nicht der Erste in der Familie, der sich für ein Leben in einem Orden entschieden hat. Den Wunsch, Arzt zu werden, habe er schnell verworfen: Heimlich habe er bei einer Untersuchung geluchst – einem Patienten wurde Flüssigkeit aus der Lunge abgesaugt – woraufhin sein Magen rebellierte.