Halberstadt l Kettensägen singen, hochgewachsene Kiefern krachen zu Boden und rauschen einen steilen Hang herunter, ein mit Stahlketten bespanntes Fahrzeug kämpft sich durch das Unterholz. Mitarbeiter eines Forstunternehmens legen derzeit im Süden Halberstadts einen ganz besonderen Schatz frei – den Klusfelsen und den Teufelsstuhl. Die in Norddeutschland einmaligen Sandsteinforma­tionen erinnern an das Elbsandsteingebirge, der Fünffingerfelsen sogar an Formationen im Monument Valley in den USA. Der Regionalverband Harz hat erfolgreich ein Projekt zur Freilegung der ­Felsen aufgelegt. Seit Montag dieser Woche wird es umgesetzt.

Regionalverband erhält Fördergeld

20.000 Euro hat der Regionalverband Harz zur Finanzierung des Umwelt-Projekts aus dem Umweltsofortprogramm des Landes Sachsen-Anhalt erhalten, das im März dieses Jahres aufgelegt wurde. Auf einer etwa einen Hektar umfassenden Fläche fällen ­Forstarbeiter unter anderem Kiefern, Pappeln und entfernen Buschwerk. Den grünen Mantel hat die Natur in den zurückliegenden Jahrzehnten über die Felsen gelegt und sie damit fast aus dem Bewusstsein der Halberstädter verdrängt. Man sah sie nicht mehr.

Vorbild für die Arbeiten ist die Freilegung des Fünffingerfelsens vor einigen Jahren, der ebenfalls von hohen Bäumen und dichtem Buschwerk zugewuchert war. Jetzt folgen der Teufelsstuhl und der Klusfelsen, die vom Wanderweg aus überhaupt nicht mehr zu sehen waren. „Der Aufwuchs von Bäumen und Sträuchern gefährdet mehr und mehr die Geotope Klusfelsen und Teufelsstuhl im Naturpark Harz/Sachsen-Anhalt. Um den Prozess der natürlichen Verwitterung zu verlangsamen, hat der Regionalverband Harz umfangreiche Pflegearbeiten veranlasst“, informiert Verbands-Sprecherin Isabel Reuter.

Landschaft hat sich verändert

Die Landschaft hat sich in den zurückliegenden Tagen bereits völlig verändert. Obwohl es ein massiver Eingriff in die Natur ist, wird im Grunde genommen nur die ursprüngliche Landschaft wieder hergestellt. Kaum jemand kann sich noch daran erinnern, dass die Klusberge einst eine baumlose Landschaft waren. Ähnlich wie die benachbarten Theken- und Kattfußberge. Letztere hat Ernst Ludwig Christoph Freiherr Spiegel zum Diesenberg im 18. Jahrhundert als Landschaftspark gestaltet, die heutigen Spiegelsberge. Ein Gemälde von Ernst Helbig aus dem Jahr 1832 erinnert an das ursprüngliche Landschaftsbild der Klusberge. Einen Kahlschlag wird es bei der vor vier Tagen gestarteten Renaturierungsaktion nicht geben. Der dichte Wald muss nur auf den Felsen weichen, weil er den weichen Sandstein zunehmend ­schädigt beziehungsweise zerstört.

Die Arbeiten sind mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harz abgestimmt, berichtet Isabel Reuter. „Das Forstunternehmen fällt die auf den Felsen gewachsenen Bäume und entfernt das Buschwerk. Eichen und andere wertvolle Laubbäume am Fuß der Felsen bleiben hingegen unbehelligt.“ Insbesondere am Nordhang des Klusfelsens und auf dem Felsplateau drohen die Baumwurzeln die Sand­steinformationen zu sprengen, so Isabel Reuter. Dort ist bereits Felsabbruch zu beo­bachten. Damit sei die Gefahr für die Wanderer gewachsen, dass sie von herabstürzenden Felsen verletzt werden. Ein Fakt, den die Mitarbeiter des Forstunternehmens bei der Arbeit im schwierigen Gelände bestätigen. „Die Baumwurzeln haben bereits zahlreiche Felsstücke herausgesprengt. Wir müssen bei den Arbeiten gewaltig aufpassen“, bestätigt Sven ­Ladewig, Mitarbeiter der Firma Forsttechnik Thiele aus dem Südharz. Er empfiehlt, dass nach Beendigung der Rodungsarbeiten das Gelände, auf dem jetzt lose Felsstücke liegen, gesichert werden müsse.

Schutz geologischen Erbes

„Der Regionalverband Harz als Träger des Naturparks und einer der Träger des UNESCO-Geoparks setzt sich für den Schutz des geologischen Erbes, nachhaltigen Tourismus und Umweltbildung ein“, betont Isabel Reuter. Am Klusfelsen wird die Erdgeschichte und die Entwicklung der Landschaft lebendig. Er ist Geopunkt 3 im Gebiet der Landmarke 14 – Kloster Huysburg. Nach Ende der Arbeiten wird am Fuß der Felsen eine Informationstafel aufgestellt, die die Geschichte der Klusberge erzählt.

Wichtig sei, dass nach Ende der Arbeiten in drei bis vier Wochen die Landschaftspflege am Klusfelsen und Teufelsstuhl ­gewährleistet ist, sagt Isabel Reuter. Geschieht das nicht, würde es nicht lange dauern, bis Bäume und Büsche das Areal aufs Neue zurückerobern. Dass das nicht geschieht, dafür sei die Stadt Halberstadt zuständig.