Halberstadt l Kurz nach Sonnen­aufgang sind Holger und Torsten im Auftrag des Ordnungsamtes der Stadt Halberstadt auf Fuß-Streife in der Kreisstadt. Lange vor Beginn der offiziellen Dienstzeit in der Stadtverwaltung zeigen die Ordnungshüter Präsenz. 450-Euro-Jobs ermöglichen ihren unkonventionellen Einsatz. Eine ­Premiere in Halberstadt. „Warum nicht, wenn mit relativ geringem Einsatz viel bewegt wird“, sagt Ordnungsamtschef Ralf Fleischhauer.

Aus Sicherheitsgründen wollen die beiden Mitfünfziger nur ihre Vornamen nennen und nicht in die Kamera lächeln. „Die Leute sind gelegentlich sehr aggressiv, wenn wir sie ansprechen“, begründen Torsten und Holger. Nicht dass sie Angst hätten. Beide denken, sie können, wenn sie anonym bleiben, ihren Job einfach besser erledigen.

Beschimpfungen und Lob

Ein großes Problem steht bei ihren Streifen besonders im ­Visier – Hundekot beziehungsweise Hundehalter, die die Haufen ihrer vierbeinigen Lieblinge auf Straßen und ­Wegen achtlos liegen lassen. Aus diesem Grund gehören Torsten und Holger zu den Frühauf­stehern. Morgens zwischen 6 und 7 Uhr sind viele Gassigänger mit ihren Hunden unterwegs.

„Leider erwischen wir selten Leute auf frischer Tat, die den Kot ihrer Tiere auf Wegen liegen lassen. Aber es hat sich herumgesprochen, dass es uns gibt, und das zeigt Wirkung“, berichtet Holger. Bei ihren Runden treffen sie immer öfter auf Hundehalter, die entweder einen vollen Plastik­beutel tragen oder einen für das bevorstehende Geschäft ihres Hundes parat halten.

Kontrolle

Bei dieser Gelegenheit kon­trollieren die Ordnungshüter, ob die Leinenpflicht eingehalten wird, Hunde angemeldet sind, eine Steuermarke besitzen und eine Hunde­halterhaftpflichtversicherung abgeschlossen wurde. „Etwa 60 Prozent der Angesprochenen können keine Steuermarke vorweisen und haben dafür 1000 Ausreden zur Hand“, berichtet Torsten. „Neulich sagte ein Hundehalter, dass sein Tier eine Leinen-Allergie habe. Ich könne ja beim Tierarzt anrufen.“ Andere beschimpfen die beiden Männer dafür, dass sie Ordnung und Sauberkeit durchsetzen wollen.

„Es gibt aber auch Lob für unsere Arbeit“, sagt Holger. Die Uneinsichtigen und Steuer­sünder bitten die Männer um ihre Personalien. Um sie kümmern sich die Mitarbeiter des Innendienstes. Die Geldbußen liegen bei 20 Euro für einen nicht angeleinten Hund, Hundekot einfach 35 Euro und auf dem Spielplatz bei 100 Euro. Für eine fehlende Steuer­marke sind 10 Euro fällig, für einen unangemeldeten Hund 90 Euro und für eine nicht vorhandene Hundehalterhaftpflicht­versicherung 100 Euro, klärt Ralf Fleischhauer auf. Offi­ziell angemeldet seien derzeit in Halberstadt und den sieben Ortsteilen 2657 Hunde.

Schwarze-Man-Effekt

Es gibt Leute, die schalten auf stur und weigern sich, ihre persönliche Daten herauszugeben. „In diesen Fällen dürfen die beiden keinen Zwang ausüben. Sie müssten die ­Polizei dazurufen“, sagt der Chef des Ordnungsamtes. Holger und Torsten wissen sich aber selbst zu helfen, wie sie verraten. „Wir verfolgen die Leute einfach bis zu ihren Wohnungen. Der Schwarze-Mann-Effekt zeigt meist Wirkung“, so Torsten. Bedeutet, wenn zwei dunkel Uniformierte jemanden verfolgen, ist das für viele Betroffene sehr unangenehm und zeigt Wirkung.

Außerdem kümmern sich die beiden Ordnungshüter um illegal entsorgten Müll. „Immer wieder kommt es vor, dass Hausmüll in Papierkörben entsorgt wird.“ Immer öfter stoßen sie auf Pkw, die nicht angemeldet an Straßen stehen. Ein Schwerpunkt sei derzeit der Bereich Beckerstraße und Eike-von-Repgow-Straße.

Verlängerung

Aufgrund des Sparkurses der Verwaltung ist die Zahl der Mitarbeiter im städtischen Ordnungsamt in den zurückliegenden Jahren gesunken. Die Durchsetzung von Ordnung und Sauberkeit verlange jedoch, dass das Ordnungsamt Präsenz zeigt. „Anfang 2018 entschieden wir uns, 450-Euro-Mitarbeiter einzustellen. Das hat sich bewährt“, betont Ralf Fleischhauer. Seit August vergangenen Jahres sind Torsten und Holger in Halberstadt im Einsatz. Die 7,5 Stunden, die sie damit pro Woche nur arbeiten dürfen, sei es im Grunde genommen nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, so der Ordnungsamtschef. Doch diese Arbeit zeige bereits Wirkung. Und darauf käme es an.

„Aus diesem Grund wollen wir das Projekt, wenn es im August nach einem Jahr ausläuft, um ein weiteres Jahr verlängern“, informiert Ralf Fleischhauer. Der nächste Schritt wäre, aus den Mini-Jobs richtige Vollzeit-Jobs zu machen. „Die Absicht haben wir. Ich hoffe, es klappt.“ Diese Hoffnung teilen Torsten und Holger.