Halberstadt l Von nervend über beängstigend bis hin zu existenzbedrohend bewerten Gewerbetreibende rund um den Fischmarkt die aktuelle Situation. Einige Händler ziehen nach eigener Aussage deshalb aus der Rathauspassage aus, andere kämpfen mit Umsatzeinbußen, fast alle bestätigen: Es kommen weniger Kunden.

Viele ihrer Kunden empfänden das Umfeld als abschreckend, berichten einige Ladenbetreiber, vor allem am Spätnachmittag und am Abend schrecken manche Besucher vor einem Bummel zurück. Der Grund: herumlungernde Gruppen. Schwarzafrikaner und Menschen aus dem arabischen Raum, aber auch Einheimische unterschiedlichster Generationen sitzen mitten im Stadtzentrum. An sich nichts Ungewöhnliches, aber viele trinken Bier, manche hören lautstark Musik. Mit steigendem Alkoholpegel wächst die Gefahr tätlicher Auseinandersetzungen. Dazu kommt der Unrat, der hinterlassen wird und der Fakt, dass so mancher seine Notdurft an Kirchenmauern verrichtet. Anwohner und Besucher fühlen sich zunehmend unwohl, gar bedroht.

Mehr Polizisten vor Ort

Silvio Bolze und Mario Kramer bekommen das an diesem späten Freitagnachmittag oft zu hören. Die beiden Polizisten sind sonst rund um das beschauliche Harzgerode im Einsatz, heute sind sie in Halberstadt unterwegs. Thomas Springer, Leitender Einsatzbeamter des Polizeireviers Harz, hat die beiden Regionalbereichsbeamten (RBB) sowie Kollegen der Landesbereitschaftspolizei vor Beginn der Streife in die Lage ein- und auf Besonderheiten hingewiesen. Während die Bereitschaftspolizei vor allem Kontrollaufgaben übernehmen wird, sollen die beiden RBBs sich rund um den Fischmarkt umhören.

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Seit gut zwei Wochen, damals war die Situation in gewalttätige Auseinandersetzungen untereinander eskaliert, ist die Polizei präsenter im Stadtbild. Als gefährlicher Ort eingestuft, haben die Beamten mehr Befugnisse, können im Zentrum stärker kontrollieren und Personen zum Beispiel auch ohne dringenden Tatverdacht durchsuchen. „Wichtig ist“, sagt Thomas Springer in der Einsatzbesprechung, „dass wir zeigen: Wir tolerieren dieses Verhalten nicht.“

Das offensive Auftreten der Beamten zeigt Wirkung, wie die Händler berichten. Es ist ruhiger geworden auf dem Platz. Auch das persönliche Sicherheitsempfinden ist besser, wie zum Beispiel Ninette Menzel sagt. „Meist wird es gegen 17, 17.30 Uhr voller rund um den Platz. Dann wird auch mehr getrunken, oft ist dann alles vermüllt. Man hat abends schon ein beklemmendes Gefühl. Wenn ihr da seid, ist es besser, da hat man nicht so viel Angst“, sagt die Verkäuferin. Auch wenn sie selbst noch nicht erlebt hat, dass jemand bedrängt oder belästigt wurde, wohl fühle man sich nicht mehr.

Alkoholkonsum in Öffentlichkeit verbieten

Sie bringt, wie einige andere auch, die Frage ins Spiel, ob man nicht den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit verbieten könnte. „Da müssen Sie sich an ihren Oberbügermeister und den Stadtrat wenden“, sagt Silvio Bolze. Ohne gesonderte Festlegungen ist öffentlicher Alkoholkonsum in Deutschland nicht strafbar. Wird Müll nicht weggeräumt, ist das eine Ordnungswidrigkeit, gegen die man vorgehen könne. Auch Pöbeleien und ähnliches sind strafbewehrt.

Dass das Radfahren in der Fußgängerzone verboten ist, sei vielen Halberstädtern offenbar nicht bewusst, berichten Mitarbeiterinnen eines anderen Geschäftes am Platz. Oft würden die Radler auch direkt an den Bereitschaftspolizisten vorbeiradeln, ohne dass es für die Radler Konsequenzen habe. Den Hinweis nehmen die beiden Beamten ebenfalls mit in die Auswertungsrunde, ebenso wie den Wunsch, dass die Polizei weiter präsent bleiben sollte.

Freies W-Lan begrenzen

Die Idee, den freien Internetzugang abzuschalten oder nur zu bestimmten Zeiten zuzulassen, die ihnen beim Rundgang ebenfalls mitgegeben wird, gehört hingegen auf den Tisch der Stadtverwaltung.