Halberstadt l Laute Zwischenrufe, während das Orchester spielt: Was sonst als unhöflich empfunden wird, gehört bei dieser Veranstaltung ausdrücklich dazu. Könnte daran liegen, dass die „Störenfriede“ besonders schön anzusehen und exotisch sind, handelt es sich bei ihnen doch um die Bewohner des Halberstädter Tierparks. Einmal im Jahr kommt das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters in ihr Zuhause, um ein Konzert zu geben. Am Donnerstag war es wieder so weit.

Der schwierigen Aufgabe, Musikstücke herauszusuchen, die sowohl bei den menschlichen, als auch bei den tierischen Zuhörern gut ankommen, stellte sich Johannes Rieger nun schon im achten Jahr. „Die Auswahl wird von Mal zu Mal eine größere Herausforderung. Ich will mich nicht wiederholen und dem Publikum jedes Jahr etwas anderes bieten“, berichtet der Intendant des Städtebundtheaters. Also wälzte er viele Musikbücher und Notenblätter.

Papagei stiehlt dem Intendanten die Show

Was er in diesem Jahr bei seiner Recherche gefunden hat, macht ihn besonders stolz: die Kakadu-Quadrille von Josef Strauss (1827 – 1870). „Der Gelbhaubenkakadu Apollo ist der heimliche Star der Veranstaltung“, räumt der Intendant lachend ein. „Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob er es würdigen konnte.“

Das kann Michael Bussenius besser einschätzen. Schließlich trainiert der Zooinspektor schon seit vielen Jahren mit dem Kakadu für die Papageien-Show, die weit über die Tiergarten-Grenzen bekannt ist. „Dass das Lied ihm gewidmet war, versteht er natürlich nicht. Aber es hat ihm offensichtlich gut gefallen“, betont Bussenius. „Apollo turnte ausgelassen auf seiner Stange zur Musik.“ Kakadus sind sehr bewegungsfreudig und musikalisch, informiert der Tiergarten-Vizechef.

Auch die anderen Bewohner – es sind rund 250 Tiere aus 75 Arten – finden Gefallen am Orchester-Besuch. „Sie schauen neugierig aus ihren Gehegen, was da vor sich geht. Es ist eine schöne Abwechslung im Alltag der Tiere“, sagt Bussenius.

2019 wird doppeltes Jubiläum gefeiert

In diesem Jahr war es bis zur letzten Minute eine Zitterpartie, ob die 35 Musiker überhaupt auftreten können. Die Wetterprognosen sagten Regen und Gewitter voraus. „Zum Glück hat es nur zu Beginn, als die ersten Gäste kamen, ein paar Tropfen geregnet. Danach war es ein herrlicher Abend“, schwärmt Michael Bussenius. Rund 400 Gäste lauschten den von tierischen Kompositionen, wie Edward Elgars „Motten und Schmetterlingen“ und Wolfgang Amadeus Mozarts „Der Kanarienvogel“.

Auch Intendant Rieger zieht ein positives Fazit für den Abend. Er freue sich bereits auf die nächsten Auflagen, zumal bald ein doppeltes Jubiläum gefeiert werden kann. „2019 wird das Orchester 100 Jahre alt und dann spielen wir schon zum zehnten Mal im Tiergarten“, kündigt er an. Diese Konzerte seien mittlerweile zur liebgewonnenen Tradition geworden – für die Zuhörer wie für die Orchestermitglieder.

Dabei kann sich Rieger erinnern, dass der eine oder andere dem ersten Tiergarten-Konzert skeptisch gegenüberstand. Mittlerweile seien aber auch die größten Zweifler von der Idee überzeugt. „Es ist eine ausgesprochen schöne Veranstaltung. Der Tiergarten bietet eine tolle Atmosphäre mit all den Tiergeräuschen im Hintergrund.“ Störend seien diese nicht für die Musiker. „Es sind sehr taktvolle Tiere“, sagt Johannes Rieger mit einem Augenzwinkern.