Halberstadt/Wernigerode l AHA-Regeln – Abstand, Hygiene, Alltagsmasken – sollen für möglichst viel Schutz bei möglichst viel Normalität trotz Corona-Pandemie sorgen. Überlebenswichtig sind die Regeln in den Krankenhäusern, in denen jeder Patient zur Risikogruppe gehört, weil er durch Krankheit geschwächt ist. Die Mitarbeiter üben systemrelevante Berufe aus, sind also unverzichtbar, um das Gesundheitssystem aufrechtzuerhalten. Wie werden Patienten und Krankenhausmitarbeiter in den beiden großen Kliniken im Landkreis Harz – Harzklinikum und Ameos Klinikum Halberstadt – geschützt? Halten sich Besucher an die Regeln?

„Die im März aufgrund der Corona-Pandemie eingeführten Besucherregelungen wurden und werden von den Patienten und Besuchern im Ameos Klinikum Halberstadt akzeptiert. Zentraler Punkt dieser Regelung war und ist der Schutz der Patienten und Mitarbeitenden“, betont ­Katharina Fleischer, Sprecherin von Ameos Ost, zu dem das Klinikum Halberstadt gehört. Im Laufe der vergangenen Monate habe es immer wieder Anpassungen der Regelungen gegeben. So zum Beispiel die Lockerung der strikten Besuchsverbote ab Mitte Mai, sodass im Ameos Klinikum Halberstadt wieder eingeschränkte Patientenbesuche möglich wurden, und die Verlängerung der Besuchsdauer Mitte Juli. Was bedeutet das konkret?

Mehrfache Besuche pro Tag nicht gestattet

„Aufgrund behördlicher Empfehlungen galt zunächst die sogenannte ‚1111‘-Regel: Ein Patient darf pro Wochentag eine externe Person für eine Stunde als Besuch empfangen. Diese Regelung wurde Mitte Juli erneut angepasst“, informiert Katharina Fleischer. Seither gilt die „1112-Regel“: ein Patient darf pro Wochentag eine externe Person für maximal zwei Stunden als Besuch empfangen. Eine Einschränkung gebe es nach wie vor: Mehrfache Patientenbesuche an einem Tag seien weiter nicht gestattet. Die Besuchszeiten blieben unverändert von 10 bis 18 Uhr. Der Einlass endet um 17 Uhr.

„Im Klinikum besteht für alle Besucher aktuell ein klar definiertes Hygienekonzept“, so Katharina Fleischer. Darunter fallen nicht nur das Tragen vom Mund-Nasen-Schutz, sondern auch das Ausfüllen von Fragebögen zum aktuellen Gesundheitszustand der Besucher, das Einhalten von Mindestabständen von 1,5 Metern zu den Patienten sowie das Desinfizieren der Hände nach dem Betreten und vor dem Verlassen des Hauses.

Probleme bei der Durchsetzung der AHA-Regeln würde es im Ameos Klinikum nicht geben. Viele Patienten und Besucher hätten sich daran gewöhnt, zeigten Verständnis dafür und könnten diese vor dem Hintergrund des Infektionsschutzes nachvollziehen, so die Ameos-Sprecherin. Aber auch im Halberstädter Klinikum würden sich hin und wieder Besucher negativ über die Regeln äußern, aber letztlich doch Verständnis zeigen.

Zeitfenster von sechs Stunden

„Klare Regeln gelten auch im Harzklinikum Dorothea Christiane Erxleben mit den Kliniken in Blankenburg, Quedlinburg und Wernigerode“, betont Krankenhaussprecher Tom Koch. Die Corona-Pandemie fordere Kontakt-Einschränkungen, auch für Patienten und ihre Angehörigen. So dürfen derzeit pro Tag die Patienten für eine Stunde Besuch empfangen. Dafür stünde täglich ein Zeitfenster von 13 bis 19 Uhr zur Verfügung.

Landesweit würden an den Kliniken nahezu vergleichbare Vorschriften gelten, die Häuser folgen damit fachlichen Empfehlungen, beispielsweise vom Robert Koch-Institut und dem Sozialministerium, so Tom Koch. Zu den Regeln zählt, dass Besucher auf dem Gelände und in den Gebäuden des Harzklinikums einen persönlichen Mund-Nasen-Schutz tragen, dass sie mindestens 16 Jahre alt sein müssen. Besonders wichtig ist: sie müssen sich beim Betreten des Krankenhauses in ein Kontaktformular eintragen. Dort sind nicht nur persönliche Daten anzugeben, sondern ist auch zu erklären, keine Corona-Symptome zu haben.

In den Häusern des Klinikums sei allerdings zu beobachten, dass einzelne Besucher versuchen, diese Regeln zu umgehen. Von ersten Fällen berichtet Pflegedirektorin Gundula Kopp. Unter anderem sei festgestellt worden, dass plötzlich eine ganze Familie am Krankenbett eines Patienten saß. „Wir erinnern dringend daran, dass es Corona-Besucherregelungen gibt. Nicht etwa, um unsere Patienten und Angehörige zu verärgern, sondern zum bestmöglichen Schutz für uns alle ermöglichen zu können“, unterstreicht Kopp.

Pflegepersonal stößt an Grenzen

Im Stationsalltag würde das Pflegepersonal aber auch an Grenzen stoßen. „Es ist unmöglich, ständig aufmerksam zu beobachten, welche fremden Personen die Stationen betreten und wieder verlassen“, sagt Gundula Kopp. Dennoch wurde in den vergangenen Tagen festgestellt, dass die Besuchszeit von einer Stunde nicht eingehalten wurde, dass Angehörige außerhalb des Zeitraumes von 13 bis 19 Uhr Patienten besuchen wollten. „Angesichts der aktuell bundesweit wieder steigenden Infektionszahlen, der Tatsache, dass es Ferien und somit Urlaubs-Rückkehrer gibt, ist es wichtig, dass sich alle an die Corona-Regeln halten“, fordert die Pflegedirektorin. Das diene nicht nur den Patienten und ihren Besuchern, sondern ebenso dem Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Harzklinikum.