Halberstadt l Die ambitionierte Ausstellung „Scherz – Die heitere Seite der Aufklärung“ ging am Sonntag mit einem veritablen Schlusspunkt zu Ende. Dabei griff das Ausstellungs-Team zwei zentrale Aspekte der Exposition auf: Humor und Koketterie, in den Exponaten oftmals in einer Einheit zu finden.

Humor lernen

Und das Gleimhaus wäre nicht das Museum der Aufklärung, wenn es nicht noch bei der Finissage so manches Neue lernen ließe: zum Beispiel Humor. Udo Berenbrinker ist davon überzeugt: „Humor hat man nicht. Humor kann man lernen“ sagt der Gründer und pädagogische Direktor des Tamala-Center für Clown, Humor und Kommunikation in Konstanz am Bodensee.

Und das in einem Land, in dem humorvoll zu sein, nicht für jedermann zum Selbstverständnis dazugehört.

Gesetze der Komik

Mit einer kleinen Gruppe von Interessierten aus Halberstadt und aus der näheren Umgebung beschäftigte er sich von Sonnabend bis Sonntagmittag in einem Workshop mit den Grundlagen von Humor, den Humorressourcen, der Wirkung eines Perspektivwechsels, den Regeln und Gesetzen der Komik, dem Sprachwitz und der Schlagfertigkeit. Durch vielfältige Übungen erfuhren die Teilnehmer, wie sie das Vermittelte in ihrem eigenem Umfeld anwenden können. Und dass das funktionierte, war schon allein am lauten Lachen der Übungsteilnehmer zu erkennen, das aus dem Seminarraum schall.

Humor als Strategie

Auf den Punkt gebracht, ist Humor für Berenbrinker eine facettenreiche Strategie, um Konflikte, egal auf welcher Ebene, sei es beruflich, sei es privat, zu lösen und sich letztendlich das Leben zu erleichtern. Hierbei vertraut er auf einen Perspektivwechsel. Natürlich weiß auch er, der Workshops zum Humor macht, dass „das Leben ist nicht immer lustig ist“. „Aber über einen Perspektivwechsel“, so der Coach, „lässt sich von außen auf das Problem blicken und es mit Humor nehmen“.

Generell empfahl Berenbrinker den Seminarteilnehmern, die Fähigkeit zu erlernen, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen und über sich selbst lachen zu können. Und was hielten die Seminarteilnehmer von der Veranstaltung? Eine der Teilnehmerinnen fasste es so zusammen: „Der Alltag ist sehr ernst und sehr rational. Ungestört vom Tagesgeschäft tat es gut zu erfahren, wie man mit Humor mehr Leichtigkeit ins Leben bringen kann“.

Auszutesten, wie man den Humor als eine Haltung zum Leben und als Kraftquelle nutzen kann, mehr Lebensenergie freizusetzen, „das ist was“, ergänzte ein anderer Teilnehmer.

Authentische Materialien

Der Sonntagnachmittag gehörte Ilka Sieler. Die Leipziger Kostümschneiderin hat sich auf das Anfertigen historischer Kleidung, vor allem des 18. Jahrhunderts, spezialisiert.

Charakteristisch für ihre Arbeit ist der große Wert, den Sieler auf authentische Materialien, Schnitte und Verarbeitungstechniken legt. Als Orientierung für ihre Kostüme nutzt sie Zeichnungen und Kupferstiche.

In einem durchaus spannenden und amüsanten Procedere legte sie ein Alltagskleid ab und verwandelte sich in eine kapriziöse „Lady in Red“. Beim Ab- wie Anlegen der Kleidungsstücke machte Ilka Sieler nicht nur ein Stück Modegeschichte deutlich, sondern zeigte auch, dass die Modemacher im 18. Jahrhundert durchaus praktisch und auch nachhaltig dachten. Mithilfe von Bändern konnten beispielsweise die Röcke weiter oder enger gestaltet werden, je nach Bedarf. Auch alle weiteren Kleidungsstücke, die eine Frau im 18. Jahrhundert trug, wurden von Ilka Sieler beim Ablegen erklärt.

Schürze nicht nur als Zierde

Eine Schürze war zum Beispiel nicht nur Zierde, sondern auch dafür da, um Heißes aus dem Ofen zu holen oder sich die Nase zu schnäuzen. Auch die Haube hatte nicht nur dekorativen Charakter, sondern eine Schutzfunktion. Das Halstuch schützte vor der Sonne und verbarg den Ausschnitt.

Am wichtigsten bei der Damenkleidung des 18. und 19. Jahrhunderts sei der Unterbau gewesen. „Ohne eine Schnürbrust beziehungsweise ein Korsett geht es nicht. „Mit einem BH von heute könnte man solche Kleider nicht tragen“, erklärte die Kostümschneiderin.

Damit die Silhouette der Frau den Ansprüchen der Zeit Genüge tat, war außerdem ein Pokissen oder sogenannte Paschen erforderlich. Das sind Aufbauten, die eine breite Hüfte, gleichzeitig aber eine schlankere Taille, oder einen größeren Po simulieren. Sie werden von Unterrock und Rock verdeckt.

Vervollständigt wurde das Habit von langen Strümpfen (in rot) und Schnallenschuhen. Letztere seien damals Einleistenschuhe gewesen, sagte Ilka Sieler. Es gab also keinen rechten oder linken. Sie mussten eingelaufen werden, damit sich der Schuh dem jeweiligen Fuß anpasste.

Mit der Erfüllung des letzten Programmpunktes war definitiv der Ausstellungsschluss gekommen. Der rechte Zeitpunkt also, um mit Gästen und dem Organisationsteam des Halberstädter =Gleimhauses auf eine sehr erfolgreiche Ausstellung anzustoßen.

Mit einem Glas Hochheimer Riesling, nach dem Geschmack der Zeit, wurde der 300. Geburtstag von Gleim stilgerecht gewürdigt.