Kreative Unternehmer

Kunstvolles aus Kronkorken und Co.

Nachhaltigkeit ist für zwei junge Unternehmer in Halberstadt kein Schlagwort. Sie verarbeiten Altes zu Neuem mit besonderem Charme.

Von Sabine Scholz

Halberstadt l Es sprudelt nur so aus ihm heraus. Andreas Brüggemann ist ein kreativer, quirliger Typ. Er läuft durch die Werkstatt, in der deckenhohe Regale alte Stuhlgerippe, Lampen, Kommoden, Türen, Metall, Musikinstrumente, Hocker, Schubladen, Rahmen und vieles mehr beherbergen. Alles Ausgangsmaterial für das, was Andreas Brüggemann gemeinsam mit Madeleine Barth hier in dieser Halle am Stadtrand Halberstadts an Neuem erschafft.

Dass sie ihr kleines Unternehmen in der alten Heimat angesiedelt haben, hat etwas mit den Hallenmieten zu tun und dem kollegialen Umgang. Brüggemann, 1983 in Halberstadt geboren und aufgewachsen in der Region, ist keiner, der aufsteckt. Zweimal beenden Insolvenzen des jeweiligen Arbeitgebers seine begonnene Lehre. Er lernt das Schmieden und Metallbauhandwerk, wird CDA-Konstrukteur und Konstruktionstechniker, erwirbt Designkenntnisse in Hildesheim. Er geht in die Schweiz, tut sich im Ruhrgebiet um. Er macht sich selbstständig, hält sich mit Montageaufträgen über Wasser, lebt in Großstädten und kommt 2014 wieder in den Vorharz.

Clevere Beleuchtungsideen

Er ist ständig in Bewegung, beruflich und räumlich, sieht sich in ganz Deutschland nach ausrangierten Möbelstücken um. Er mischt die Materialien Holz, Glas, Kunststoff, Metall. Clevere Beleuchtungsideen, besondere, nachts nachschimmernde Farben, kleine, versteckte Besonderheiten finden sich in allem, was er gemeinsam mit der aus Halle stammenden Maßschneiderin Madeleine Barth anfertigt. Da gibt es einen Lichtenstein-Druck, hundertfach gesehen. Unter ihren Händen wird der Druck zu einem Leuchtelement. Ein Stoffstück samt Reißverschluss verbirgt die Elektrik und gibt dem Bild einen besonderen Pfiff. "Uns ist es wichtig, nachhaltig zu arbeiten, deshalb verwenden wir möglichst nur massives Ausgangsmaterial, gestalten alles so, dass man es reparieren oder zum Beispiel Leuchtmittel unkompliziert austauschen kann", sagt Andreas Brüggemann.

Upcycling betreiben sie, machen aus Altem Neues, Besonderes, veredeln es. Da zeigt sich beim Öffnen eines großen Schrankes, dass diesen eine alte Haustür verschließt. Löcher an den Seiten lassen die Luft zirkulieren. "Ein Schuhschrank", erklärt Brüggemann, der nicht verstehen kann, wieso die industriell gefertigten Schränke ohne solche Belüftung für die "müffelnden Botten" auskommen.

Unikate zu bezahlbaren Preisen

In der Werkstatt entstehen Unikate, kunstvoll, zur Benutzung gedacht. Preise sind Verhandlungssache. "Wir merken, dass wir mit unseren Produkten nur hundert Kilometer weiter westlich mehr verdienen als hier in der Region", sagt Brüggemann, deshalb sei der Kontakt zum Beispiel zu einem Händler in Hamburg wichtig für das kleine Unternehmen. Schließlich geht es nicht nur um den Spaß am eigenen Tun, um die Umsetzung ungewöhnlicher Ideen, sondern auch darum, damit seinen Lebensunterhalt verdienen zu können.