Gleimhaus Halberstadt

Kupferstiche zum Leben erweckt

Die Sonderausstellung über den Kupferstecher Ludwig Buchhorn im Gleimhaus Halberstadt ist mit einer Finissage zu Ende gegangen. Zum Abschluss gab es ein besonderes Angebot für die Besucher.

Von Renate Petrahn
Sven Großkreutz bereitet während der Finissage zur Buchhorn-Ausstellung im Gleimhaus Halberstadt eine Druckplatte vor.
Sven Großkreutz bereitet während der Finissage zur Buchhorn-Ausstellung im Gleimhaus Halberstadt eine Druckplatte vor. Foto: Renate Petrahn

Halberstadt - Die Idee, die Ausstellung über den „rühmlich bekannten Kupferstecher“ Ludwig Buchhorn mit einem Workshop zu beenden, war besonders und ihre Umsetzung voller Überraschungen.

Nach einem kurzen Rundgang durch die Ausstellung unter der Leitung von Gleimhausdirektorin Dr. Ute Pott lud Sven Großkreutz die Besucher zu einem Workshop zur Technik des Kupferstichs ein.

Zu diesem Zweck hatte der Maler und Grafiker, der in Halle (Burg Giebichenstein) studiert und an der Hochschule für Grafik und Buchkunst die Meisterschülerklasse belegt hat, eine kleine Druckerwerkstatt eingerichtet.

Von kleinformatigen Kupferplatten, über unterschiedliche Grabstichel, Farbe, Papier bis zur Handpresse war alles notwendige für einen „DIY“-Kupferstich vorhanden.

Kunstausübende wie Kunstinteressierte aus Halberstadt, Badersleben, Quedlinburg und Thale waren der Einladung in das Gleimhaus gefolgt, um sich näher mit der ältesten und ausgesprochen schwierigen Tiefdrucktechnik zu beschäftigen.

Detaillierte Erläuterungen

Ihre erste Aufgabe: ein von ihnen erdachtes Bild seitenverkehrt mit einem Grabstichel in die Kupferplatte zu graben. In der praktischen Arbeitsteilung zwischen Meister und „Schüler für einen Tag“ übernahm Sven Großkreutz alle weiteren Arbeitsschritte bis zum Druck mit der Walzenpresse.

Gemeinsam mit dem Fachmann betätigten die Bildschöpfer die Druckerpresse, durch die der Kupferstich auf das angefeuchtete Papier gedrückt wird.

Durch den Druck wird die Farbe aus den Vertiefungen der Platte auf das Papier übertragen und so der Kupferstich „zum Leben“ erweckt, will heißen der Schöpfer hält seinen Kupferstich in schwarz/weiß in den Händen.

Begleitet wurde der gesamte Prozess von Anfragen an den Künstler, der detailliert und zugewandt die Etappen zur Herstellung eines Kupferstichs erklärte und Tipps für eine gelingende Arbeit gab.

Sven Großkreutz: „Ich bin total überrascht von diesem Interesse für den Kupferstich. Damit hatte ich so nicht gerechnet“.

Die Arbeit mit Lernenden ist der Künstler, der sich der Leipziger Schule verbunden fühlt und den Fokus auf Landschaftsmalerei legt, gewöhnt. Als zweites Standbein ist er in den Werkstätten für Kunst und Wissenschaft tätig.

Die „Kreativwerkstatt“ der Stadt Aschersleben wurde 2010 im Jahr der Landesgartenschau gegründet und hält ein umfangreiches Bildungsangebot für die Schulen sowie die Kindereinrichtungen der Stadt bereit. Den Tag im Gleimhaus beschloss Sven Großkreutz mit einem Besuch des John-Cage-Orgelprojekts.

Zur Finissage der Buchhorn-Ausstellung war auch ein weiterer Gast angereist: der Kupferstecher Stefan Holtz aus Berlin. Er hatte die Ausstellung um das vielfältige Handwerkzeug eines Kupferstechers bereichert. Seit Mitte der 1990er Jahre hat sich der gelernte Lehrer für Kunsterziehung und Geschichte dem Kupferstich, inspiriert unter anderem von Johannes Wüsten, zugewandt. Einzelausstellungen und die Teilnahme an Gruppenausstellungen belegen seine Kreativität. Trotz der zeitaufwendigen und komplizierten Technik erlebt Holtz nach seinen Worten seine Arbeit als beglückend, weil er voll und ganz in seiner Arbeit versinken und die Außenwelt vergessen kann.

Manche nennen das Flow.