Bühne/Wülperode l Die Bodenplatte ist gegossen, die schweren Metallstützen der künftigen Kühlhalle sind angeliefert. 2200 Quadratmeter Fläche wird die Halle auf dem einstigen LPG-Areal einnehmen, also so groß wie ein halbes Fußballfeld. Aber das ist nur ein Teil dessen, was in Bühne zuletzt gebaut wurde. Drei riesige Unterstände auf dem Gelände wurden ihrer Asbestdächer entledigt, erhielten neue Dächer und vorgesetzte Wände.

An anderer Stelle im Dorf wurden zwei ebenfalls riesige Scheunen modernisiert – sie werden künftig als Sortier- und Lagerhalle genutzt. Für Bio- und Qualitätsgetreide, Kartoffeln, Möhren, Hülsenfrüchte, Rote Beete, Zwiebeln und mehr. Auf insgesamt vier Millionen Euro beziffern die Gesellschafter Johanna Reckleben und Ferdinand von Erffa die Investitionen ihrer Biogemüse Ilsetal GmbH.

Beim Gemüseanbau geht es um Details

Die Familien der beiden Gesellschafter arbeiten schon seit 22 Jahren in der Landwirtschaft zusammen. Damals zog Ferdinand von Erffa aus Mahndorf nach Wülperode, betrieb fortan zusammen mit Eberhard Reckleben als GbR das Gut Wülperode als ökologischen Landwirtschaftsbetrieb. Johanna Reckleben war damals noch ein Kind – und setzt nun die Familientradition fort.

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Die Ackerflächen des Betriebs befanden sich von Anfang an im Raum Wülperode und Bühne. Begonnen wurde seinerzeit mit dem Anbau von Hülsenfrüchten sowie Biogetreide, auch für Hühnerfutter zum Beispiel.

Speziell der Anbau von Gemüse ist für Ferdinand von Erffa auch eine Art Hobby. „Ich habe mich ein Leben lang mit Gemüse beschäftigt“, sagt er. „Der Anbau ist sehr anspruchsvoll, da spielt das Detail eine Rolle. Und jedes Jahr ist anders.“ Er nennt Parameter wie Bodenfeuchtigkeit, Bodenstruktur und Ablegetiefe der Samen. Herausforderungen, die nicht immer gut ausgehen. Wetterbedingten Totalausfall von Zwiebeln und Möhren musste er auch schon erleben.

Die gegenwärtige Investition in Bühne fällt in eine schwierige Phase. Öko-Landbau muss ohne Chemie auskommen und benötigt daher einen größeren Personaleinsatz als konventionelle Landwirtschaft. Um zum Beispiel während des Wachstums der Feldfrüchte das Unkraut zu bearbeiten.

Daher arbeiten im Gut Wülperode jede Saison um die 30 bis 40 Erntehelfer vor allem aus Polen. Die derzeit aber wegen der Corona-Pandemie nicht einreisen dürfen.

„Die Erntehelfer sind sehr gut integriert in die Dörfer, wir haben für sie Wohnungen, bei Festen sind sie immer mit dabei“, sagt Ferdinand von Erffa. Im Mai sollten sie eigentlich wiederkommen, Arbeit hätten sie dann hier wieder bis in den Dezember hinein. Sollte das nicht möglich sein, deutet sich eine erfreuliche Alternative an. „Leute aus Bühne, vor allem Ältere, wollen uns helfen“, berichtet von Erffa. „Das ist ein tolles Signal.“ Gleichwohl wird dieses Jahr eine Herausforderung.

Arbeitsplätze werden auch in Bühne für die Aufbereitung der Produkte entstehen. „Wir brauchen Lageristen und Sortierer“, sagt Johanna Reckleben und weiß, dass die Suche nicht einfach wird. Bühne wird nicht nur Aufbereitungsort für die eigenen Feldfrüchte sein, sondern auch für Ökobetriebe aus dem Umland. Bis zur Börde gibt es bereits Interesse.

2017 haben die Gesellschafter die Landwirtschaftsgrundstücke in Bühne erworben. „Wir beschäftigen uns mit der Planung seit fünf Jahren. Eigentlich wollten wir hier schon die letzte Ernte einlagern“, sagt Johanna Reckleben. „Wenn jetzt alles super läuft, gibt es nur ein Jahr Verzögerung.“

Dass die Investition später als geplant dran ist, liegt an den Genehmigungen. So musste wider Erwarten noch ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Dieser ist jetzt so gefasst, dass er für die Zukunft viele Optionen offen lässt. Auch für eine Verkaufsstelle, die aber vorerst kein Thema ist.

Produkte gehen zu großen Einzelhandelsketten

Die Bioprodukte aus dem Raum Wülperode und Bühne gehen letztendlich in den Lebensmittel-Einzelhandel, vor allem zu den großen Ketten Aldi, Lidl und Rewe. „Wir möchten auch in der Region vermarkten. Soweit sind wir aber noch nicht“, sagt von Erffa.

Dass Bio-Lebensmittel „in“ sind, sieht der Ökolandwirt übrigens nicht nur rosarot, sondern auch mit gemischten Gefühlen. Die Kehrseite könnte sein, dass durch zu viele Produkte auf dem Markt die Preise fallen. Ökologischer Landbau benötige aber eine gewisse Marge, weil eben mehr Aufwand ist und die Ackerfläche nicht bis in die allerletzte Ecke ausgenutzt wird. Von Erffa: „Bei uns sehen wir Vögel, wir haben auch Unkraut. Das ist das, was Ökologie ausmacht.“