Halberstadt l Es braucht keinen Sturm, dass die Ziegel des Hauses in der Röderhofer Straße 10 in Halberstadt herunterfallen. Schon mäßiger Wind wie am 30. April reicht dafür aus, hat Versicherungsvertreter Thomas Schwarz beobachtet. Das Grundstück seiner Agentur grenzt an das leer stehende Mehrfamilienhaus an. „Man kann nur von großem Glück reden, dass noch niemand zu Schaden gekommen ist“, sagt der Halberstädter. „Viele Kinder nutzen den Gehweg zum Radfahren. Nicht auszudenken, was passieren könnte. Einige Ziegel sind auch schon auf die Straße gekracht.“

Mit Fotos und der schriftlichen Bitte, die „extrem hohe Gefahr für die Gesundheit“ zu beseitigen, hat sich Schwarz an die Stadt gewandt. Er finde es schade, dass „ein Gebäude in so einem Zustand in unmittelbarer Nachbarschaft steht“. Das Unkraut wuchert nicht nur im Garten – mittlerweile wächst es sogar aus einer Dachrinne, der Putz bröckelt von der Fassade. Doch lange steht das Gebäude noch nicht leer. Davon zeugen mehrere Satelitenschüsseln und Gardinen an mehreren Fenstern.

Brand im Februar 2017

Erst seit einem Brand im Februar 2017, der laut Polizei fahrlässig ausgelöst wurde, ist das Haus nicht mehr bewohnbar. Das Feuer brach im Dachgeschoss aus. „Die Feuerwehr musste Ziegel entfernen, um Löschen zu können“, berichtet Thomas Schwarz, der den Einsatz beobachtet hat. Schon zu dieser Zeit sei ein Insolvenz-verwalter für das Gebäude, in dem Sozialwohnungen untergebracht waren, zuständig gewesen. „Dieser hat das Dach flicken lassen. Aber bei dem Sturm zu Beginn des Jahres sind Ziegel heruntergefallen und nun wieder“, so Schwarz.

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Doch der Insolvenzverwalter, zu dem Schwarz Kontakt aufgenommen hat, kann diesmal nicht weiterhelfen, da zwischenzeitlich der Besitzer gewechselt hat. Das um 1900 erbaute Fachwerkhaus wurde am 20. März versteigert. Laut Halberstädter Amtsgericht war ein Verkehrswert in Höhe von 6000 Euro angegeben.

Neuer Besitzer wohnt in Bulgarien

Neuer Besitzer des 931 Quadratmeter großen Grundstücks ist Konstantin Jantschew. „Aber nur für kurze Zeit“, informiert er auf Volksstimme-Nachfrage. Er habe das Haus für einen Geschäftsfreund aus Bulgarien gekauft. „Ihm gehört auch das Haus im Düsterngraben 3, dass vor einiger Zeit versteigert wurde.“

Jantschew ist gebürtiger Bulgare und in Halberstadt aufgewachsen. Obwohl er nach einem Studium in Magdeburg nun in Sofia, der Haupststadt Bulgariens, lebt, hat er häufig geschäftlich in der Region zu tun. Im vergangenen Jahr kaufte der 37-jährige Bauunternehmer das denkmalgeschützte Palmenhaus in Wernigerode, das er zu einem Restaurant umbauen will. 2014 war er am Kauf des Spiegelsbergen-Guts in Halberstadt für Pferdezüchter aus Bulgarien beteiligt.

Zehn Wohnungen geplant

Das Haus in der Röderhofer Straße wolle er zeitnah an seinen Geschäftsfreund überschreiben lassen, so Jantschew. „Er will es sanieren und zehn Wohnungen darin vermieten“, erläutert der Unternehmer. „Dafür muss der Schnitt der Wohnungen verändert werden. Momentan befinden sich zum Beispiel die Duschkabinen in der Küche.“ Zudem sei die Heizungsanlage völlig veraltet. Trotz des Brandes und der Tatsache, dass das Haus längere Zeit nicht saniert wurde, sei es insgesamt in einem „erstaunlich gutem Zustand“.

Jantschew habe nun Kontakt zu Dachdeckern aufgenommen, um das Dach sichern zu lassen. Darüber ist die Stadt informiert, bestätigt Rathaussprecherin Ute Huch. „Derzeit besteht kein Grund, abzusperren. Von dem Haus geht keine akute Gefahr aus.“ Bis Ende des Monats habe der Eigentümer Zeit, die Mängel zu beseitigen, worauf die Verwaltung ein Auge habe. Sollte nichts passieren, wird der Fall an das Bauordnungsamt des Kreises weitergegeben, so Huch.