Osterwieck l Viel weiß Lucas Kesterke nicht über seinen Stammzellenempfänger: ein männlicher Franzose, älter als 30 Jahre. Und viel mehr wird er auch nicht erfahren. Denn Frankreich hat strenge Bestimmungen zur Wahrung der Anonymität. Auch nach Jahren ist keine direkte Kontaktaufnahme von Spender und Empfänger möglich.

Vor etwa sechs Jahren hatte sich der Osterwiecker grundsätzlich als Stammzellenspender bereiterklärt. Lucas Kesterke war damals noch Student. Eine Art Vorbild war ihm ein Kommilitone und guter Freund, der selbst gespendet hatte. Kesterke ließ sich von der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) ein Testset zuschicken, nahm per Wattestäbchen einen Abstrich von seiner Wangenschleimhaut und schickte alles per Post zurück.

Mit Medikamenten auf Spende vorbereitet

Anfang Juli nun erhielt er die Information, einem Leukämiekranken helfen zu können – als genetischer Zwilling. Vor zwei Wochen war er dazu nach Dresden gefahren in eine spezialisierte Klinik, wo dem Osterwiecker die Stammzellen entnommen wurden.

So ganz ohne ist solch eine Transplantation nicht unbedingt. Als er sich seinerzeit als Spender gemeldet hatte, war er noch davon ausgegangen, dass per Operation Knochenmark aus dem Beckenkamm entnommen werden würde. Für den Empfänger in Frankreich kam aber eine andere Form, die periphere Stammzellenspende infrage. „Der Eingriff ist unkompliziert“, beschrieb Kesterke die Prozedur in Dresden.

Dazu musste sich der 30-Jährige vorab über fünf Tage medikamentös vorbereiten, zweimal täglich spritzen, um die Produktion der Stammzellen anzukurbeln, die in den Blutkreislauf wandern. In der Dresdner Klinik wurden die Zellen in einer Zentrifuge aus dem Blut herausgefiltert. Letztendlich 265 Milliliter. Dazu war binnen zweieinhalb Stunden sein Körperblut quasi zweimal durch die Apparatur gelaufen.

Stammzellenspende mit viel Aufwand

Lucas Kesterke, der beruflich in der Unternehmenskommunikation arbeitet und sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagiert, hat die Stammzellenspende gut überstanden. Letztendlich erlebte er sie weit weniger anstrengend als erwartet. Freilich war sie mit einigem Aufwand verbunden.

Neben den medikamentösen Vorbereitungen gab es noch weitere Untersuchungen. Einmal war er auch im Vorfeld nach Dresden gefahren. „Das Schöne ist, man wird von der DKMS sehr gut beraten, hat einen persönlichen Ansprechpartner, der mit Rat und Tat zur Seite steht.“ Und es werde keinerlei Druck ausgeübt.

„Ich möchte auch andere motivieren, sich bei der DKMS registrieren zu lassen und womöglich somit einmal Leben zu retten“, sagte Lucas Kesterke. „Angst vor der Spende braucht man definitiv nicht zu haben.“

Kontakt zum Empfänger nur anonym möglich

„Man kann auch selbst einmal in diese Situation kommen“, gibt Lucas Kesterke zu bedenken. So wie Mika, ein an Leukämie leidender junger Fußballer aus Halberstadt. „Für den Empfänger ist die Spende meist die letzte Chance zu überleben. Ich war oft in Gedanken bei meinem Patienten.“

Natürlich bedauert der Osterwiecker, dass er nie erfahren wird, wem genau er seine Stammzellen gespendet hat. „Der Kontakt ist leider nicht möglich.“ Anonym sei aber über die DKMS ein Gruß übermittelbar, und er könne auch erfragen, wie der Gesundheitszustand ist. Nicht ausgeschlossen ist, dass Lucas Kesterke in den nächsten Monaten noch einmal um eine Spende für seinen genetischen Zwilling gebeten wird.