Unternehmertreffen im Halberstädter Rathaus

Lippenbekenntnisse, aber keine Lösungen

Von Thomas Junk

Das Unternehmertreffen der Halberstädter Wirtschaftsvereinigung Roland-Initiative und der Stadt Halberstadt stand am Donnerstagabend unter dem Motto "Kultur braucht Wirtschaft braucht Kultur". Im Rahmen einer Diskussion sollten Lösungswege aufgezeigt werden.

Halberstadt l Das Interesse an der Veranstaltung war groß, die Ernüchterung am Ende des Abends auch. Mehr als 100 interessierte Halberstädterinnen und Halberstädter waren in den Saal gekommen, in dem der Stadtrat für gewöhnlich wichtige Entscheidungen zu treffen hat. Entscheidungen, wie es zum Beispiel mit der Förderung der sogenannten freiwilligen Aufgaben wie der Kultur weitergeht.

Auf dem Podium im Ratssitzungssaal hatten sich um die Moderatorin, Volksstimme-Redakteurin Sabine Scholz, ausschließlich Männer gruppiert. Als Vertreter der Roland-Initiative und damit der Wirtschaft waren Harald Hausmann und Jens Kownatzki vertreten, für die Kultur sprachen der Intendant des Nordharzer Städtebundtheaters, Johannes Rieger, und der Chefdirigent und Geschäftsführer des Philharmonischen Kammerorchesters Wernigerode, Christian Fitzner. Zu ihnen gesellte sich als Vertreter der Landesregierung der CDU-Landtagsabgeordnete Bernhard Daldrup.

Dieser zog das Gespräch bereits frühzeitig an sich. Er betonte zunächst, dass die Kultur durchaus nicht nur in Theatern und Museen stattfinden würde, sondern vorrangig auch auf den Dörfern und in den Vereinen. Seiner Meinung nach habe die Stadt Halberstadt gerade durch die Auslagerung städtischer Unternehmen die Prioritäten so gesetzt, dass die Kultur auf der Stelle trete. Als ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt ergriff Harald Hausmann dagegen Partei. "Diese Auslagerung hat zum Reichtum der Stadt beigetragen", sagte er energisch. Eine Rettung kultureller Einrichtungen wie das Theater sei hingegen nur möglich, wenn das Umdenken zentral, sprich auf Bundesebene, erfolgen würde.

Forderungen an das Theater ließen den sonst zurückhaltenden Intendanten Johannes Rieger dann zeitweise erzürnen Sein Theater spare durch den Haustarifvertrag jährlich bereits 900 000 Euro ein, zudem sei man bemüht Möglichkeiten zur Kooperation zu suchen. Gespräche mit dem Theater Eisleben würden derweil laufen. "Wir wollen keine Ferkelchen durchs Dorf treiben. Die Verhandlungen brauchen eben Zeit", so der Intendant. Man werde zu gegebener Zeit Ergebnisse präsentieren. Auf den Vorschlag, die Theater Sachsen-Anhalts zu einer Landesbühne zu fusionieren, konterte Rieger: "Man sollte nicht mit dem fünften Schritt beginnen." Zunächst sollte man kleinere Kooperationen favorisieren

Ähnlich sah das auch Christian Fitzner. "Sparen durch Zusammenwürfeln? So einfach geht das nicht", konstatierte er. Eine Fusion der beiden Orchester, die immer wieder gefordert würde, wäre keine Lösung. "Wir haben ganz andere Aufgaben, Strukturen und Schwerpunkte." Er berichtete aus der Erfahrung seines Ensembles, das seit 1994 eine gemeinnützige GmbH ist. "Es geht nicht um Sein oder Nichtsein, sondern darum, das Machbare zu suchen", sagte Fitzner.

Lange Zeit still geblieben war zunächst der Rechtsanwalt und Roland-Initiative-Mitglied Jens Kownatzki, der dann ganz im Stile seines Berufes ein Plädoyer gegen die massiven Kürzungen hielt. "Die Zuschüsse für das Theater zu halbieren ist meiner Meinung nach verfassungswidrig", so der Anwalt. Dabei verwies er auf die Tatsache, dass in der Landesverfassung Kultur als Staatsziel verankert wäre. "Das ist ein konkreter Auftrag und nicht einfach nur eine freiwillige Aufgabe", so Kownatzki weiter. Dass die Diskussion ihn bisher langweile, betonte er bewusst provokant. Ihm fehlen die konkreten Vorschläge. Von bloßen Lippenbekenntnissen halte er nichts. Man müsse überlegen, wo Kooperationen, zum Beispiel in Form einer Landesbühne. sinnvoll wären.

In der offenen Diskussion mit dem Publikum hatte schließlich Bernhard Daldrup einiges an Schelte auszustehen. Als Vertreter der Regierung wurde er mitverantwortlich für die klamme Finanzlage der Kommunen gemacht. Wie entstehen die großen Abschreibungssummen beim Landesrechnungshof? Wieso wird bei der Kultur gespart, wo sie doch nur einen verschwindend geringen Teil des Landeshaushaltes ausmacht?

Am Ende stellte der Präsident der Roland-Initiative, Marko Eggert, fest: "Es war wichtig für die Roland-Initiative zu zeigen: Die Wirtschaft interessiert sich nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für das Drumherum." In Hinblick auf die Podiumsdiskussion gab er aber zu: "Ein Fazit zu ziehen, fällt mir sehr schwer. Befriedigend ist das Ergebnis nicht."

Mit diesem Gefühl gingen wohl auch die meisten der Zuschauer aus dem Rathaus.