Langenstein l Die Solidarität mit dem Merino-Verein ­Langenstein und den Tieren sei überwältigend gewesen, sagt Vereinsvorsitzende Frauke ­Meenken. Tonnenweise Fallobst haben Menschen aus nah und fern für die Schafe abgegeben – vor allem Äpfel und Birnen. „Dass unser Futterspenden-Aufruf auf ein so immens großes Echo stößt, hätte ich nicht vermutet. Das ist ganz toll, und ich bedanke mich im Namen aller Vereinsmitglieder bei den vielen fleißigen Spendern“, sagt Frauke ­Meenken.

Vor allem Senioren sammeln fleißig

Nach dem Aufruf in der Volksstimme habe sie viele Anrufe mit Tipps erhalten, wo besonders viel Obst zu finden sei. Denn davon hat es trotz des trockenen Sommers viel gegeben. „Das war nett gemeint, aber wir haben einfach zu wenig Leute, um es selbst einzusammeln.“ Daher war der Verein auf die aktive Hilfe der Menschen angewiesen. Und das geschah. Viele Senioren hätten fleißig gesammelt und das Obst auf eigene Kosten mit dem Pkw selbst angeliefert. „Super, und wir haben dabei viele freundliche Menschen kennengelernt“, berichtet Frauke Meenken begeistert. Die Spenden haben wesentlich zur Entspannung der Futterlage beigetragen.

Kooperation mit Tierpark

Drei Anlaufstellen bot der Verein den Spendern an. Ein Anhänger stand auf dem ­Schäferhof in Langenstein, weitere auf dem Milchhof Meenken und im Tiergarten Halberstadt. „Dort gaben die Leute besonders viele Spenden ab. Davon profitierte auch der Tiergarten“, so Frauke Meenken. Dort könne man allerdings nur fünf Kisten mit Obst am Tag verfüttern. Den großen Rest erhielten die Schafe aus Langenstein. Die Obstsaison geht zwar langsam dem Ende entgegen, dennoch können weiterhin Spenden abgegeben werden. „Nach wie vor nehmen wir Obst gern an“, betont Frauke Meenken. Sie freut sich, dass auch eine Mosterei aus Wienrode Hilfe anbietet. „Von dort erhalten wir den Trester, die Rückstände vom Saftpressen.“

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Für die Mutterschafe sei das gehaltvolle Futter wichtig. Derzeit sind die Böcke in den Herden zu Gast, um für den benötigten Nachwuchs zu sorgen. Dafür müssen die weiblichen Schafe gut genährt sein. Ist das nicht der Fall, werden die Schafe nicht trächtig und der Nachwuchs bleibt aus. „Wir hoffen, dass das gut klappt. Genau wissen wir es aber erst zur Lammzeit, die im ­Januar nächsten Jahres beginnt“, sagt die Langensteinerin.

Wenig Grün auf den Weiden

Die Futterlage habe sich nach der monatelangen Trocken­heit noch nicht entspannt. „Ich habe keine Probleme damit, dass es in diesem Jahr so lange sommerlich warm ist. Dass der Regen fehlt, ist eine Katastrophe.“ In den zurückliegenden sechs Monaten habe es in der Region fast nicht geregnet. Die Weiden sind verdorrt. Nur der Morgentau habe mittlerweile bedingt durch die schon recht kalten Nächte dafür gesorgt, dass die Wiesen wieder ein wenig Grün zeigen. „Das reicht bei Weitem noch nicht aus, um die Schafe satt zu bekommen“, stellt die Vereinsvorsitzende fest.

Täglich 3000 Liter Wasser nötig

Die Trockenheit bereitet jedoch nicht nur Futtersorgen. Der Brunnen auf dem Schäferhof in Langenstein ist versiegt. „Dass der austrocknet, habe ich noch nie erlebt“, stellt Frauke ­Meenken fest. Die Wasserversorgung der Schafe, die im Vorharz und der Harz­region auf Weiden stehen, bereite dem Verein zusätzliche Arbeit. Täglich müssen derzeit wegen der Trockenheit zur Versorgung der Herden über 3000 Liter Wasser auf die Weiden gefahren werden. Das sei eine logistische Herausforderung.

Verein betreibt mit Schafen Umweltschutz

53 Mitglieder zählt der Verein Merino Herdbuchzucht Heimburg 1861 – Landschaftspflege Harz, der 1995 aus der Taufe gehoben wurde. Ihm ist es zu danken, dass die Merino-Herdbuchzucht, die älteste in Deutschland, noch existiert. Der Stammbaum der Tiere ist bis 1861 lückenlos dokumentiert. Von den drei Herden ist nur eine reinrassig. Die anderen sind Schwarzkopf- und Suffork-Schafe.

240 Hektar Naturvertragsflächen werden mit den 900 Tieren bewirtschaftet und gepflegt. Der Verein betreibt mit den Schafen Umweltschutz und fördert die Erhaltung von heute seltenen Trockenrasen-Flächen, Streuobstwiesen und Hängen, die maschinell nicht bewirtschaftet werden können. Die Herden stehen während der Weidezeit, die bis Dezember dauert, bei Badeborn/Ditfurt/Hedersleben, im Raum Langenstein/Börnecke/Blankenburg und in Tälern rund um Wernigerode.