Halberstadt l Trotz Coronapandemie ist am Sonnabend während einer kleinen Feierstunde die komplett sanierte Kindertagesstätte „Rappelkiste“ des Cecilienstifts Halberstadt übergeben worden. Ein Wermutstropfen gab es – die Mädchen und Jungen, die in der Einrichtung betreut werden, waren nicht dabei. „Wir haben lange überlegt ob und wie wir die Fertigstellung begehen, wir stellten ein Hygienekonzept auf und begrenzten die Zahl der Gäste“, unterstrich Holger Thiele, Verwaltungs­direktor des Cecilienstifts Halberstadt.

Aus der anfangs geplanten Teilsanierung des 63 Jahre alten Gebäudes sei schließlich eine komplette geworden. Das spiegelt sich auch in der Investitionssumme wider. Stolze 1,293 Millionen Euro flossen in die umfangreichen Arbeiten. Holger Thiele bedankte sich bei den Fördermittelgebern für die finanzielle Unterstützung des Bauvorhabens. Aus dem Stark III-Programm des Landes Sachsen-Anhalt und dem Efre-Programm der Europäischen Union standen 370 000 Euro zur Verfügung, 53 000 Euro allgemeine Fördermittel, ein Förderkredit der Investitionsbank Sachsen-Anhalt über 181 000 Euro sowie 23 200 Euro der Aktion Mensch, der Rest seien Eigenmittel des Cecilienstifts.

Schwerpunkt energetische Sanierung

Der Schwerpunkt des Bauvorhabens lag auf der energetischen Sanierung. Das aus den 1950er Jahren stammende Gebäude, das erst als Kindergarten für die Deutsche Reichsbahn diente und 1994 vom ­Cecilienstift übernommen wurde, soll und muss künftig weniger Energie verbrauchen. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll immerhin etwa 60 Prozent weniger Energie verbraucht werden. Letztmalig erfolgte 1999 eine ­Sanierung, jedoch keine unter dem Aspekt der Energieeinsparung.

Mit der Invest-Summe habe man viel bewegen können. Schwerpunkt sei unter anderem die Erneuerung des Daches, der Fenster, der Außentüren, die Montage eines neuen Wärmedämmverbundsystems für die Fassade, die Modernisierung der Haustechnik und der Heizung gewesen. „Einige Umbauten im Inneren zur Nutzungsanpassung gehörten ebenso dazu wie die malermäßige Renovierung aller Räume und die Modernisierung der Sanitäreinrichtungen mit Behinderten-WC“, informierte Holger Thiele.

Das Ergebnis könne sich sehen lassen. Teilbereiche des insgesamt 5600 Quadratmeter umfassenden Kita-Geländes erhielten direkt am Haus eine neue Pflasterung. Damit ist der barrierefreie Zugang zur ­Kindertagesstätte, der sich künftig auf der Gartenseite befindet, gesichert. Mit der weitgehend barrierefreien Erschließung des Hauses soll die weitere Profilierung für die Betreuung und Förderung von Kindern mit Behinderungen erfolgen.

„Mit der umfassenden Sanierung konnten der langfristige Erhalt und die Nutzung dieses Hauses als Kneipp-Kindertagesstätte unter dem Dach der kirchlichen Stiftung Cecilienstift gesichert werden“, betonte der Verwaltungsdirektor. Zu den Höhepunkten des sanierten Gebäudes gehört die Installation eines Wassertretbeckens. Die Rappelkiste ist seit einigen Jahren anerkannte Kneipp-Kita. Bislang gab es so ein Becken nur im Außenbereich der Kita. Das Kneipp-Konzept sei ein Alleinstellungsmerkmal in der Kita-Landschaft der Region.

Zur guten Lebensqualität in der Stadt gehöre ein dichtes und vielfältiges Netz an Betreuungseinrichtungen für Kinder, aus dem die Eltern auswählen können. Das Kneipp-Konzept und die Inklusion seien das Besondere in der Kita „Rappelkiste“, betonte Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke).

Kinder und Erzieherinnen zogen aus

Insgesamt vier Jahren gingen von der Planung bis zur Fertigstellung des Kita-Gebäudes ins Land. 2016 seien die Anträge für die Fördermittelprogramme gestellt worden, so Holger Thiele. 2017 folgte der Zuwendungsbescheid. Im Februar 2019 wurde es dann ernst, die 50 Mädchen und Jungen sowie 14 Erzieherinnen zogen für die Zeit der Sanierung aus.