Jugendklub Deersheim feiert 40-jähriges Bestehen zusammen mit den Begründern

Mit der "Kofferheule" zum Geburtstag

Von Mario Heinicke

Der Jugendklub in Deersheim hat am Sonnabend seinen 40. Geburtstag gefeiert. Zu den Gästen zählten auch Jugendliche der ersten Stunde.

Deersheim l Einen geheimnisvollen Stoffbeutel hatte Lothar Kuß in der Hand. Darin versteckt das alte Transistorradio, mit dem vor über vier Jahrzehnten auch er auf der Milchbank mitten im Dorf saß. So wie die meisten Deersheimer Jugendlichen, bevor es einen Klubraum gab. Dieser wurde zum Republikgeburtstag am 7. Oktober 1973 eingeweiht, und Lothar Kuß war dessen erster Leiter.

Mehrere Jugendliche der ersten Stunde waren am Sonnabend zur Feier gekommen - und schwelgten in Erinnerungen. "Das war eine tolle Zeit", blickte Lothar Kuß zurück. Es waren die Jugendlichen selbst, die an Bürgermeister Alfred Unter herangetreten waren, um von der Milchbank, wo sie mit ihren "Kofferheulen" manch Nachbarn nervten, wegzukommen und einen Jugendraum zu erhalten. Jürgen Walther, Jürgen Seubert und Fritz Mimietz gehörten noch zu den Aktiven jener Zeit, die sich vor den Ausbau eines Raums am jetzigen Standort spannten. Die Maurerkelle schwangen die Jugendlichen selbst, bekamen aber auch viel Unterstützung von den Älteren. "Wir haben viele Tanzveranstaltungen im Dorf organisiert", sagte Jürgen Seubert, der seit fast 20 Jahren Bürgermeister in Berßel ist. Dass später in Berßel unter seiner Regie einer der modernsten Jugendklubs im Osterwiecker Stadtgebiet entstand, hat die tieferen Wurzeln auch in seinen Deersheimer Jugendjahren.

Im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ging man seinerzeit in den Klub. "Dann kamen Armee, Heirat - und danach war man weg", sagte Seubert. Die nächsten Generationen folgten. 1983 entstand an derselben Stelle mit Hilfe des Geflügelzuchtbetriebes ein modernes Jugend- und Sportlerheim. Heute nennt sich das Gebäude Dorfgemeinschaftshaus. Der Jugendklub ist immer noch Bestandteil.

Marina Markwart hatte den Geburstagstermin übrigens "ausgegraben" und an Sozialarbeiter Henrik Bollmann, der die Osterwiecker Jugendklubs koordiniert, übermittelt. Auch die Deersheimer Einrichtung wird heute über das Aus- und Weiterbildungszentrum Halberstadt betreut. Jutta Müller ist die Jugendbetreuerin vor Ort. Um die 15 bis 20 jungen Leute zwischen acht und 22 Jahren nutzen den Raum.

Der erst 14-jährige Robert Heine ist Verantwortlicher und hat mit Laura Wende und Lea Wächter zwei Engagierte an seiner Seite. "Das läuft gut", sagte Henrik Bollmann. Im Frühjahr haben die Jugendlichen sogar ihren Raum renoviert und jetzt vor der Feier noch außen gestrichen.

Deersheims Ortsbürgermeister Wolfgang Englert (CDU) freut sich über die jüngere Entwicklung im Klub. Vor wenigen Jahren noch sah er die Einrichtung in einem Tal, sie stand sogar vor der Schließung. "Wir hatten Probleme. Aber die Generation ist ausgestiegen. Jetzt ist ein Riesenschritt gegangen worden."

Dazu trägt bei, dass die Jugendarbeit der Stadt seit Jahresbeginn durch einen Sozialarbeiter koordiniert werden kann. "Mit Herrn Bollmann lässt sich das Konzept gut umsetzen", sagte Hauptamtsleiter Manfred Riecher. "Wir sehen die Jugendarbeit als eine Pflichtaufgabe an." Deshalb sei die Stadt auch weiterhin bereit, ihren Beitrag zur Finanzierung des Sozialarbeiters zu leisten. Das Gros kommt indes aus anderer Quelle. "Wir hoffen, dass der Landkreis die Stelle weiter fördert."