Halberstadt l Die Zeit des Provisoriums am Städtischen Museum Halberstadt ist vorbei. Zugegeben, das Banner mit dem Schriftzug „Wir Originalbuchstaben sind zur Kur“ sorgte für Belustigung. Nach 18 Monaten ist der Effekt allerdings verpufft. Die Restaurierung des 100 Jahre alten Schriftzuges „Städtisches Museum“, zu der die Buchstaben am 17. April 2017 demontiert wurden, entpuppte sich als Odyssee. Die allerdings endete am gestrigen Freitagvormittag. Um 11.30 Uhr begann die Montage des neuen-alten Schriftzuges über dem Portal des geschichtsträchtigen, über 236 Jahre alten, Hauses am Domplatz. Pünktlich zur bevorstehenden Beendigung der aufwendigen Fassadensanierung am ehemaligen Spiegelschen Palais, in dem seit 1905 das Städtische Museum beheimatet ist. Fast 300.000 Euro sind dafür investiert worden.

„Ich gewinne heute eine Wette. Denn die Buchstaben sind noch vor der Fertigstellung der Fassade wieder am Haus“, erklärte Armin Schulze stolz. Der Museums­direktor präsentierte die vergoldeten Buchstaben. Die haben allerdings überhaupt nichts mehr mit den Originalen zu tun, informierte er. Absicht sei eigentlich gewesen, die alten Kupferbuchstaben zu restaurieren und neu zu vergolden. Der erste Versuch sei jedoch in die Hose gegangen. Die damit beauftragte Firma hat versagt, so der Direktor. Ein zweiter Versuch wäre zu teuer geworden. Darum hat man sich entschieden, die Buchstaben zu erneuern. Allerdings nach den originalen Vorbildern. „Neue Firmen für das Vorhaben zu finden, war angesichts voller Auftragsbücher bei den Handwerkern sehr schwer. Darum nahm das Vorhaben so viel Zeit in Anspruch“, verriet Armin Schulze.

„Die Buchstaben wurden kopiert, der Ersatz aus Edelstahl herausgeschnitten und vergoldet. Ein Unterschied zu den alten Buchstaben ist nicht festzustellen. Doch, sie glänzen nun kräftiger in der Sonne.

4000 Euro hat die Aktion gekostet. Das Geld stammt aus der Stadtkasse Halberstadts. Finanziert wurde das Vorhaben aus dem Topf für Ausgleichsbeiträge. Die zahlen Hauseigentümer, deren Immobilien im 91 Hektar umfassenden Sanierungsgebiet der Altstadt liegen, an die Kommune. Wofür?

60 Millionen Euro Fördermittel sind über einen Zeitraum von 25 Jahren in das Areal geflossen. Grundstücke und Immobilien haben damit eine Wertsteigerung erfahren. Dafür ist einmalig ein Beitrag abzuführen. Erfolgt das vorfristig und freiwillig, behält die Stadt Halberstadt das Geld für Neuinvestitionen im Sanierungsgebiet. Geschieht es per Bescheid, müssen zwei Drittel an den Bund und das Land abgeführt werden, erläuterte Stefanie Rudel von der Stadtverwaltung. In den zurückliegenden drei Jahren haben viele Eigentümer von der vorfristigen Zahlung Gebrauch gemacht. „Bislang sind 600.000 Euro zusammengekommen. Weitere zwei Millionen Euro erwarten wir noch“, berichtete Stefanie Rudel.

Zahlreiche kleine und größere Vorhaben im Sanierungsgebiet Altstadt konnten bislang mit dem Geld ermöglicht werden. „Die Erneuerung des Museums­schriftzuges wäre ohne dieses Geld nicht möglich gewesen“, betonte sie. Weitere Projekte waren zum Beispiel die Instandsetzung der Peters­treppe, die Erstellung eines Verkehrsgutachtens für die Kreisstadt und die geplante Sanierung des Breiten Weges im Stadtzentrum. Finanziell unterstützt wurden auch die Aktionen der Platzwächter zur Durchsetzung von Ordnung und Sauberkeit in Halberstadt.