Thale l Er sammelt Totenköpfe seit seiner Jugend. Keine aus Wachs oder Plastik. Echte. „Ich hatte schon immer andere Interessen als andere“, sagt Helmut Lautner achselzuckend. Viele Schädel besitze er nicht, sie seien selten zu bekommen. Wie gelangt man überhaupt daran? „Einen Totenkopf hat mit mein Onkel geschenkt, als ich 14 war. Er hat bei der Sanierung einer Kirche mitgeholfen und dabei einen gefunden.“

Die morbiden Sammlungsstücke gibt es nicht nur zu Hause bei dem 58-Jährigen zu sehen. Er hat das „Obscurum – Museum der Hexerei und der dunklen Mächte“ in Thale eröffnet. Wer denkt, er bekommt in der Ausstellung Figuren aus Märchen und Sagen zu Gesicht, ist auf dem Holzweg. „Verklärt“ – mit diesem Wort beschreibt der Diplompsychologe die heute weitverbreiteten Darstellungen von Hexen.

Seine Aussprache lässt unschwer erkennen, dass er aus Oberfranken stammt. Er wohnt in Presseck, einem 1900-Seelen-Ort im Landkreis Kulmbach – rund 300 Kilometer von Thale entfernt. Als er vor ein paar Jahren mit dem Gedanken spielte, ein Museum zum Thema Hexerei zu eröffnen, erschien ihm der Harz als idealer Standort. „Ich war vorher noch nie hier, aber trotzdem habe ich die Region sofort mit Hexen verbunden.“

Walpurgis in Schierke

Schiere (ru) l Rund 4500 Besucher haben ausgelassen Walpurgis in Schierke gefeiert.

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

    Walpurgis in Schierke. Foto: Ivonne Sielaff

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Matthias Bein

    Walpurgis in Schierke. Foto: Matthias Bein

  • Mittelalterliche Klänge in Schierke von Corvus Corax. Foto: Matthias Bein

    Mittelalterliche Klänge in Schierke von Corvus Corax. Foto: Matthias Bein

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Matthias Bein

    Walpurgis in Schierke. Foto: Matthias Bein

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Matthias Bein

    Walpurgis in Schierke. Foto: Matthias Bein

  • Walpurgisempfang im Rathaus Schierke. Foto: Regina Urbat

    Walpurgisempfang im Rathaus Schierke. Foto: Regina Urbat

  • Gewitterhexen aus Ottweiler im Saarland. Foto: Regina Urbat

    Gewitterhexen aus Ottweiler im Saarland. Foto: Regina Urbat

  • Hexen stürmen das Rathaus Schierke. Foto: Regina Urbat

    Hexen stürmen das Rathaus Schierke. Foto: Regina Urbat

  • Bürgermeisterin Christiane Hopstock mit dem Schierker Hexennachwuchs. Foto: Regina Urbat

    Bürgermeisterin Christiane Hopstock mit dem Schierker Hexennachwuchs. Foto: Regina Urbat

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Regina Urbat

    Walpurgis in Schierke. Foto: Regina Urbat

  • Walpurgis in Schierke. Foto: Regina Urbat

    Walpurgis in Schierke. Foto: Regina Urbat

Auf der Hexenwaage Platz nehmen

In dem Museum im Bahnhofsgebäude möchte Lautner gestützt mit historischen Fakten die „echten Hexen“ zeigen, ihre Geschichten erzählen. Und die hatten mit Magie nichts zu tun – vielmehr mit Missgunst, Aberglauben und Machtbedürfnissen. Im „Obscurum“ werden die Schicksale auf Schautafeln erläutert. „Dass es nur Frauen waren, ist falsch. Männer und sogar Kinder wurden der Hexerei bezichtigt“, informiert der Museumschef. Er berichtet ebenfalls von den Verfolgern der vermeintlichen Hexen, deren fragwürdige Befragungsmethoden und schließlich den Bestrafungen, die tödlich endeten.

Ergänzt werden die Informationen mit Ausstellungsstücken. Ein Scheiterhaufen wurde in den Museumsräumen rekonstruiert. Wer mag, kann ausprobieren, wie sich Daumenschrauben anfühlen und sich auf der Hexenwaage wiegen. „Zunächst wurde das Gewicht der Verdächtigen geschätzt“, erläutert Lautner die Funktionsweise. Stellte sich dann heraus, dass die angeklagte Person leichter war, als angenommen wurde, ließ das nur einen Schluss zu: Hexe. „Die Begründung war, dass nur leichte Wesen fliegen können.“ War die Person schwerer, galt dies nicht automatisch als Beweis für ihre Unschuld. So wurde nicht selten behauptet, die Person habe die Waage verhext. „Es ist unfassbar, was sich Menschen gegenseitig antun können.“

Gerade im Mittelalter haben die Menschen nicht selten aus Aberglauben und Unwissenheit gehandelt. „Die Menschen konnten sich Dinge nicht erklären. Sie suchten nach den Ursachen und fanden sie im Teufel, in Hexen und Ähnlichem“, sagt der 58-Jährige.

Erklärung für Vampire und Co.

In dem 400 Quadratmeter großen Museum widmet er sich der Erklärung vom Mystischen. Er veranschaulicht, wie es zum Glauben an Untote, Geister, Werwölfe und Vampire kommen konnte und welche natürlichen, wissenschaftlich belegbaren Ursachen es für solche Phänomene gibt.

Besuchern, die denken, dass Aberglaube und Folter Dinge sind, die nach dem Mittelalter verschwunden sind, belehrt Helmut Lautner eines Besseren. So wird von einer Frau berichtet, die im Jahr 2005 während einer Teufelsaustreibung starb. „Sie litt an Epilepsie.“ Er – bekennender Atheist, der evangelisch erzogen wurde – glaube nicht an Übersinnliches. Aber in seiner Arbeit als Diplompsychologe habe er durchaus Patienten gehabt, die Geisterscheinungen erlebt haben wollen. Und: „Der menschliche Geist ist zu Unglaublichem in der Lage. So werden unter Hypnose Kaiserschnitte ohne Betäubung gemacht, und die Patientinnen haben tatsächlich keine Schmerzen.“

Idee für Museen aus Urlaub mitgebracht

Die Exponate wie Knochen, Särge, Folterinstrumente, Talismänner, Fotografien und Ouija-Bretter – eine Methode, um mit Seelen aus dem Jenseits Kontakt aufzunehmen – hat Lautner aus der ganzen Welt zusammengetragen. „Es sind Originale oder originale Rekonstruktionen“, sagt er.

Auch die Idee, ein Museum zu eröffnen, ergab sich auf Reisen. Beim Besuch des „Museo della Tortura“ (Foltermuseum) im italienischen Siena habe er gesehen, wie sehr das Thema fasziniert. „Was mich an solchen Museen aber störte, war, dass es nur um die Folterinstrumente, nicht um die Geschichten dahinter ging.“ Deshalb richtete Helmut Lautner vor fünf Jahren ein „Scharfrichtermuseum“ in Pottenstein (Bayern) ein, später gestaltete er die Sonderausstellung „Hexen, Werwölfe und Untote“ auf der Plassenburg in Kulmbach, beMit menschlichen Abgründen kennt sich Psychologevor er schließlich das „Obscurum“ in Thale eröffnete – nach seinen Angaben das größte seiner Art in Deutschland.