Halberstadt l „Ich bin in große Fußstapfen getreten“, sagt Claudia Stein. Seit dem 1. Januar ist die 32-Jährige Geschäftsführerin der Halberstädter Verkehrsgesellschaft HVG. Sie folgt Axel Wöhlbier, der 27 Jahre lang das Gesicht der HVG prägte.

Nun also eine junge Frau, Wunschkandidatin Wöhlbiers. Denn er war es, der die in Halberstadt aufgewachsene Claudia Stein ins Unternehmen holte, als Abteilungsleiterin Verkehr. „Im November 2016 hatten sie mich soweit“, sagt Stein lachend. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete sie als Bereichsleiterin Markt und Tarife beim Harz-Elbe-Express, kümmerte sich um das Vertriebs- und Erlösmanagement und war viel „in der Verbundlandschaft der Region unterwegs“, wie die Diplom-Verkehrswirtschaftlerin sagt.

Kontakt aus Studienzeiten

Der erste Kontakt zur HVG datiert schon aus Studienzeiten. Für ihre Diplomarbeit suchte sie Praxispartner und fragte auch bei der HVG an. „So bin ich mit Axel Wöhlbier in Kontakt gekommen, auch wenn ich letztlich die Daten aus Halberstadt doch nicht mit verarbeiten konnte.“

Dass sie wieder nach Halberstadt zurückgekehrt ist, bereut die Mutter einer zehnjährigen Tochter und eines dreijährigen Sohns in keiner Weise. Sie liebt die Gemütlichkeit der kleinen Stadt, dass man schnell in der Natur ist. „Es gibt viele tolle Ziele im Harz, man kann super Skifahren und rodeln im Winter oder wandern gehen, da bekommt man den Kopf frei“, sagt die begeisterte Sportlerin, die in ihrer Freizeit Tennis und Handball spielt. Letzteres allerdings nicht beim HT 1861, sondern in Wernigerode. „Das hat sich nach meiner Rückkehr durch persönliche Kontakte so ergeben. Als Jugendliche war ich beim HT aktiv. Und Tennis spiele ich in Halberstadt, in der Damenmannschaft des TC Rot-Weiß.“

Die Arbeit ist vielfältiger

Geboren wurde Claudia Stein im sächsischen Großenhain, in der Nähe Dresdens. Die Eltern zogen in den 1990er Jahren nach Halberstadt, Claudia wurde an der Grundschule an der Plantage, heute „Miriam Lundner“, eingeschult, legte ihr Abitur am Käthe-Kollwitz-Gymnasium ab. Schon da interessierte sie sich für Mathematik und Wirtschaft. Nach einem Besuch an der Technischen Universität Dresden stand fest, sie will Verkehrswirtschaft studieren. Da brauchte sie Mathe, hatte mit Wirtschaft und Logistik zu tun.

Ihren Abschluss hatte sie sechs Jahre später in der Tasche. Zwischenzeitlich hatte sie ihren Mann kennengelernt und ihre Tochter zur Welt gebracht. Gemeinsam mit ihrem Mann nutzte sie das europäische Austauschprogramm Erasmus, ein Jahr lang lebte die kleine Familie in Stockholm. Mit dem Diplomabschluss folgte der Einstieg ins Berufsleben. Erste Erfahrungen sammelte sie in einer Beratungsfirma für den öffentlichen Personennahverkehr, arbeitete quer durch die Republik mit unterschiedlichen Verkehrsbetrieben und Aufgabenträgern zusammen. „Ich habe speziell Vertriebs- und Tarifthemen bearbeitet“, sagt Claudia Stein.

Durch Zufall stieß sie auf die Stellenausschreibung beim HEX in Halberstadt, bewarb sich und bekam den Job. Also zog die Familie nach Halberstadt, ihr Mann arbeitet in Braunschweig.

Wechsel fiel nicht schwer

Der Wechsel von einem großen Verkehrskonzern in einen kleinen Betrieb sei ihr nicht schwer gefallen. „Es macht mehr Spaß, die Arbeit ist vielfältiger“, sagt die Geschäftsführerin. Hier sei es wichtig, alles im Blick zu haben – von der Frage, ob bestimmte Entscheidungen betrieblich sinnvoll sind, über die Frage, wie es den Mitarbeitern dabei ergeht bis hin zu den Überlegungen, wie die Außenwirkung des Unternehmens ist. Diese Dinge miteinander ins Lot zu bringen, sei eine spannende Herausforderung. Dazu komme, dass man es mit kurzen Dienstwegen zu tun habe. „Das macht einfach Spaß. Wenn ein Kunde sich beschwert oder ein Fehler auftaucht, dann dauert es eben keine zwei Wochen, bis man eine Antwort geben kann. „Dass man oft auch gleich antworten kann, kommt bei den Kunden gut an“, sagt die Frau mit dem sympathischen Lächeln, die die familiäre Atmosphäre in der HVG schätzt. „Es macht einfach Spaß, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die sich als Teil des Betriebs fühlen, die sich Verantwortung zuschreiben für das Unternehmen.“

Das ist eine Haltung, die wichtig bleiben wird bei den anstehenden Herausforderungen. Der Fahrplanwechsel am 15. April zum Beispiel, für den man ja bereits im Dezember alles vorbereitet hatte. Oder das neue Tarifsystem, das für die Kunden sehr viel besser sein wird, weil man eben schon im Stadtbus sein Ticket bis Wernigerode lösen kann. Die gegenseitige Anerkennung der Einzelfahrscheine ist für die Passagiere ein Segen. Für das Betriebsergebnis wird es das wohl eher nicht sein, sagt Stein. Aber da müsse man dann sehen, wie man das abfedern könne.

Eine weitere Herausforderung ist der Abschluss des öffentlichen Dienstleistungsauftrages mit Stadt und Landkreis. Dazu laufen die Verhandlungen. Die Auftraggeber legen in diesem Vertrag fest, welche Standards sie erfüllt sehen wollen bei Pünktlichkeit, Sauberkeit und ähnlichem. „Aber zum Glück ist die Ausschreibung der Leistungen durch und es gab keine weiteren Bewerber für den Betrieb der Stadtbusse und Straßenbahn.“