Huy-Neinstedt l Aufmerksame Besucher, die auf die Gletschertöpfe südlich von Huy Neinstedt treffen, können sich ab sofort auf einer neuen Informationstafel über die Entstehung dieser geologischen Formation informieren. (siehe Infokasten). Die Gletschertöpfe sind als sogenannte Geopunkte ein Teil des „Unesco Global Geoparks Harz-Braunschweiger Land-Ostfahlen“ und gehören zu weltweit 120 Geoparks in 33 Ländern.

Dach war in desolatem Zustand

Die Verantwortung für solche geologischen Besonderheiten wird in Sachsen-Anhalt im Naturschutzgesetz geregelt und liegt daher bei den Naturschutzbehörden. „Es war höchste Zeit, dass hier gehandelt wurde“, betont Guido Harnau vom Landkreis Harz. Besonders das Dach sei in einem sehr schlechten Zustand und daher dringend reparaturbedürftig gewesen.

In den 1990er Jahren war das Dach in einem Stück mit dem Hubschrauber eingeflogen worden. Einige der Anwesenden erinnern sich noch gut an das Spektakel. Dieses Dach hatte allerdings eine Kuppel aus Kupfer, die mittlerweile das Ziel von Dieben und Vandalen geworden sind. Daher sei nun Dachpappe mit verzinkten Kanten verwendet worden.

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Kupferdach fiel Dieben zum Opfer

Den Auftrag hat die Handwerker Union Halberstadt ausgeführt. Geschäftsführer Thomas Kowalski erklärt, dass seine Firma gern noch mehr gemacht hätte, als „nur“ auszubessern. Schon der Gerüstbau sei spannend gewesen. „Drei unserer Kollegen waren drei Tage lang mit dem Ausbessern der Dachkonstruktion beschäftigt, immer noch zusätzlich durch ihre persönliche Schutz-ausrüstung gesichert.“

Fachlich begleitet wird die Arbeit des Regionalverbandes durch Konrad Schuberth vom Landesamt für Geologie und Bergwesen in Halle. Der Dezernent hebt die nationale Bedeutung des Geoparks hervor und hat alte Fotos mitgebracht, auf denen die Gletschertöpfe, die vor etwa 110 Jahren im Kalkssteinbruch entdeckt worden sind, noch in ihrem Originalzustand zu sehen sind. Denn in den 1990er Jahren, als die geologische Formation ihr Schutzdach erhalten hat, wurde die Form der Töpfe zum Teil mit Beton ausgegossen.

Daher sei es sinnvoll, die erdgeschichtlichen Informationen auf der neue Tafel noch durch zwei Fotos zu ergänzen, sind sich die Verantwortlichen einig. So könnten die Besucher die „menschgemachten“ Veränderungen besser erkennen.

Schuberth lobt das Engagement des Fördervereins „Zwischen Huy und Bruch“, der mit der Konzipierung und Beschilderung von zwei geologischen Rundwanderwegen solche seltenen geologischen Formationen in den Focus rückt.

Weitere Pflegearbeiten sind geplant

„Mit dem neuen Dach und der Infotafel sind die geplanten Arbeiten an den Gleschertöpfen noch nicht abgeschlossen“, verrät Isabel Reuter vom Regionalverband Harz, der als Träger des „Unesco-Global-Projektes“ die Umsetzung der Arbeiten im Harz koordiniert. Geplant sei auch die rasche Beseitigung von Sträuchern und Gehölzen, die direkt auf dem Naturdenkmal wachsen und die drohende Verwitterung beschleunigen. Diese Arbeiten sollen mit Hilfe von Fördermitteln des Landes ermöglicht werden. Damit werden die Gletschertöpfe entsprechend ihrer Bedeutung wieder hergerichtet.

Insgesamt 16 dieser geologischen Geopunkte gehören zum Geopark 14, darunter das Kloster Huysburg, das als weithin sichtbarer Geländepunkt dem Geopark seinen Namen gibt. Weitere Punkte auf dem Territorium der Gemeinde Huy sind die Daneilshöhle, Rogenstein und Stromatolithe am Herrenberg von Wilhelmshall, der Kiebitzdamm von Dedeleben, die Burg Schlanstedt und die Westerburg bei Dedeleben.

Nach und nach werden an allen Geländepunkten Informationstafeln über die geologischen und historischen Besonderheiten auch in einer englischsprachigen Zusammenfassung berichten. „Die zweite Sprache ist eine Auflage der Unesco“, erklärt Isabel Reuter und betont, dass es sich bei dem Projekt nicht um einen Geologiepark, sondern einen Geopark handelt, dessen Informationen sich ausdrücklich an Laien richte. „Unesco steht für Kultur und Bildung“. Dabei helfen auch die drei Millionen Faltblätter, die alle Geopunke erläutern. „Wir wollen die Menschen sensibilisieren, welche Besonderheiten sich in ihrer unmittelbaren Umgebung befinden“, beschreibt Guido Harnau das Ziel der Arbeiten.