Wulferstedt l Der Name ist Programm. Die Vereinigung „Umwelt und Naturschutz Großes Bruch“ hat sich der Erhaltung genau dieses Lebensraums verschrieben und sich vorgenommen, fast verschwundene Arten der Fauna und Flora wieder ansiedeln. Der Verein hat seinen Sitz in Wulferstedt und auch Mitglieder aus verschiedenen Orten, die zur Gemeinde Huy gehören, wie Schlanstedt, Pabstorf und Dedeleben.

Besonderes Augenmerk setzen die Naturschützer auf die Wiederansiedelung des Steinkauzes. Dieser höchstens 27 Zentimeter große Winzling der Gattung der Kleineulen steht mittlerweile auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Brutvögel. Als einer der Gründe gelten fehlende Nistplätze.

Daher haben Naturschützer 2009 begonnen, künstlich angelegte Nistplätze anzubieten. Gestartet ist das Projekt zunächst im nördlichen Harzvorland, und bereits vor Jahren auf das Große Bruch ausgeweitet worden. Vereinsmitglied Herbert Theulecke hatte erklärt, dass die Landschaft im Großen Bruch mit ihren Kopfweiden und Pappeln ideale Bedingungen für den Steinkauz biete.

Nistkästen in offenem Gelände

Heute befinden sich rund um das Große Bruch eine Reihe von Nistkästen, die das durch den Steinkauz als Lebensraum bevorzugte offenes und reich strukturiertes Gelände ergänzen. Die Kästen werden von den Naturschützern genau beobachtet.

Und offensichtlich ist der Plan aufgegangen. „Nach 2016 und 2017 hat nun in diesem Jahr ein frei lebendes Steinkauzpaar zum dritten Mal in Folge am Ortsrand von Wulferstedt erfolgreich gebrütet. In diesem Jahr wurden sogar sechs Jungvögel erfolgreich aufgezogen“, teilt der Verein in seinem Bericht diesen schönen Erfolg.

Daneben gebe es im Raum Wulferstedt noch zwei weitere Reviere frei lebender Steinkäuze. Zudem wurde bei einer Nistkasten-Kontrolle am Langenberg (östlich von Quedlinburg) im Juni ein Weibchen mit einem Jungvogel festgestellt. Anhand der Ringnummer konnte dieses Weibchen als ein Jungvogel aus der erfolgreichen Brut 2017 in Wulferstedt identifiziert werden. „Diesen Steinkauz so weit entfernt als Brutvogel wiederzufinden, übertrifft unsere kühnsten Erwartungen“, teilen die Naturschützer aus dem Bruch mit.

Sieben Käuze in Volieren aufgezogen

Neben den freilebenden Steinkäuzen versorgen die Vereinsmitglieder Zuchtpaare in Volieren. Und auch hier gibt es Erfolge zu vermelden. „2018 wurden von zwei Zuchtpaaren einmal drei und einmal vier Jungvögel aufgezogen.“ Bei der Auswilderung solcher in der Voliere geborenen Jungtiere hatte es allerdings in den Vorjahren immer wieder schmerzliche Verluste gegeben. Daher ist die Freude über die in freier Brut geborenen Steinkäuze besonders groß, weil diese Jungtiere offensichtlich besser zurechtkommen.

Im März erhielten die Naturschützer des Vereins einen besonderen Pflegling. „Zu uns kam ein Waldkauz, der sehr geschwächt war. Wir konnten ihn erfolgreich aufpäppeln und nach knapp drei Wochen bereits wieder in die Freiheit entlassen“, berichtet Herbert Theulecke.

Die Mitglieder des Vereins freuen sich über jeden Mitstreiter und Unterstützer. Mit ihrer traditionellen Bruchwanderung, zu der jährlich eingeladen wird, öffnen sich die Naturschützer der interessierten Öffentlichkeit und geben die Möglichkeit, sich über ihre Arbeit zu informieren. 2019 wird wieder zur Bruchwanderung eingeladen. Der Termin steht bereits fest. „Wir laden alle Interessierten für Sonntag, 12. Mai, zur diesjährigen Bruchwanderung ein“, so Herbert Theulecke. Treffpunkt ist um 9.30 Uhr die Lange Straße 30 in Wulferstedt. Nach der Wanderung wird es Gelegenheit für Gespräche und Informationen geben.

Naturlehrpfad im Großen Bruch

Im Großen Bruch haben die Vereinsmitglieder einen Naturlehrpfad angelegt und Lehrtafeln aufgestellt, auf denen sich interessierte Besucher nun jederzeit über die Geschichte, Fauna, Flora und vor allem über die vielfältige Vogelwelt im Großen Bruch informieren können.

Somit ist eine Strecke entstanden, die sich bestens für eine Ausflug von Familien Gruppen oder Schulklassen eignet. 2018 wurde der Lehrpfad mit zwei Insektenhotels ergänzt, mit denen auf das vieldiskutierte Insektensterben aufmerksam gemacht wird.