Stadtsanierung

Neubau in Halberstadts Altstadt wird saniert

Seit Wochen ist das Eckhaus Gröperstraße 38/39 in Halberstadt eine Baustelle. Das Haus war 1988 gebaut wurden, ist also fast noch ein Neubau in der Altstadt.

Von Sabine Scholz 06.08.2021, 13:41
Vor dem HaWoGe-Sanierungsobjekt in Halberstadts Altstadt  diskutieren Erik Brahmann, Beate Grebe, Gabriele Keidel und Tristan Unverricht (von links) das Farbkonzept.
Vor dem HaWoGe-Sanierungsobjekt in Halberstadts Altstadt diskutieren Erik Brahmann, Beate Grebe, Gabriele Keidel und Tristan Unverricht (von links) das Farbkonzept. Foto: Sabine Scholz

Halberstadt - Die großen Metallklemmen sind schon montiert, dazu die zu schmalen Türen mutierten Fenster zeigen, hier sollen Balkons angebaut werden. Hin zu dem Platz mit der alten Linde, der die Gröperstraße mit dem Straßenzug Bei den Spritzen verbindet, sowie zur Hofseite werden die Wohnungen in dem markanten Gebäude künftig einen „Außensitz“ haben.

Zehn der 15 Wohnungen in dem 1988 errichteten Haus werden Balkone mit einem besonderen Schiebeelement erhalten. So, wie man sie in der Spiegelstraße 59-62 finde. „Dieses Element bietet Schutz vor Sonne und Wind“, berichtet Beate Grebe. Als Geschäftsführerin der Halberstädter Wohnungsgesellschaft HaWoGe ist sie die Bauherrin für dieses Sanierungsprojekt eines „Neubaus“ in der Altstadt.

Während die Balkons erst für Ende September, Anfang Oktober geplant sind, laufen die Arbeiten im Inneren des Gebäudes auf Hochtouren. Seit dem Frühjahr wird hier in der Gröperstraße 38/39 gewirbelt. „Im Grund ist es wie eine Entkernung“, sagt Gabriele Keidel, die gemeinsam mit ihrer Chefin sowie mit Erik Brahmann und Tristan Unverricht auf Baustellenbesichtigung ist. „Wir haben innen faktisch alles rausgerissen“, so Keidel.

Warmwasserversorgung

Nur keine Mauern, denn die Zuschnitte der Wohnungen passen auch für heutige Ansprüche, wie Beate Grebe erläutert. Nicht mehr passend hingegen war die technische Ausstattung. „Die Wohnungen verfügten bislang nicht über eine zentrale Warmwasserversorgung. In jeder Wohnung hing eine Gastherme.“

Die Thermen wurden nun ebenso ausgebaut wie die alten Heizkörper. Während im Keller eine neue, zentrale Warmwasseraufbereitung eingebaut wird, bleibt das eigentliche Heizmedium unverändert – die Häuserzeile ist ans Fernwärmenetz der Stadt angeschlossen.

Die schmalen Gräben auf den Gehwegen vor dem Gebäude sind also nicht der Wärmeversorgung des Hauses geschuldet, sondern den Balkons. „Wir müssen einige der Leitungen – vom Elektrokabel über Trinkwasser und Abwasserleitungen – umverlegen. Grund dafür sind die Fundamente für die Balkonständer“, erklärt Beate Grebe die zahlreichen Absperrbaken rund ums Haus.

Corona-Auswirkungen

Während die Wohnungen schon mit neuen Fenstern ausgestattet sind, muss in den Bädern noch einiges passieren. „Vieles läuft gerade parallel“, sagt Grebe. Das ist der Tatsache geschuldet, dass sich die Corona-Pandemie auch auf dieses Projekt des Halberstädter Wohnungsunternehmens auswirkt.

„Wir haben mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen, es gibt Materialmangel.“ Das wirkt sich auf die Bau-Abläufe ebenso aus wie auf die geplante Bauzeit. Und natürlich auf die ursprünglich eingeplanten Kosten.

„Angesichts der großen Unsicherheiten wird es immer schwieriger, vernünftig zu planen“, sagt Grebe. Die HaWoGe verfüge zwar über eine mittelfristige Unternehmensplanung, aber was für das eingeplante Geld im kommenden Jahr tatsächlich an Sanierung und Modernisierung geschehen kann, sei schwer abzuschätzen.

Einzug im Herbst

Das gelte auch für den noch zu errichtenden dritten Teil der Lindenhofterrassen. Bei Teil zwei kommen die Bauleute derzeit gut voran. Dieses Neubauvorhaben im Stadtzentrum bindet viel Kraft und Kapital bei HaWoGe. „Aber wir setzen trotzdem auch Modernisierungen in unserem Bestand um, so wie hier in der Gröperstraße“, betont die Geschäftsführerin. Das gelte auch für Instandhaltungen.

Im Herbst, so die Schätzungen, könnten die ersten Mieter in die komplett erneuerten Wohnungen in der Gröperstraße einziehen. Es werden nicht jene sein, die vorher in dem Objekt zuhause waren.

In dem Haus nahm Jahr für Jahr der Leerstand zu, berichtet Gabriele Keidel. Nicht die Lage, sondern der DDR-Charme der Ausstattung machte Neuvermietungen schwer. Also fiel der Entschluss, umfassend zu sanieren. Den wenigen noch verbliebenen Mietern bot man andere Wohnungen an und erst, als für alle eine gute Alternative gefunden war, ging es ans Bauen.

Farbe am anderen Ende

Die zwölf Zwei-Raum- und drei Vier-Raum-Wohnungen bekommen moderne Fußbodenbeläge, Fliesen und Bäder. Wie das Innere modern wird, soll auch die Fassade in modernem Design, mit kräftigen Farbkontrasten gestaltet werden.

Übrigens nicht nur dieses Eckgebäude, sondern auch das am gegenüberliegenden Ende der Gröperstraße. Die ersten Gerüste stehen an den Häusern 62 und 63. In dem Eckhaus sollen jedoch nur die Fassade neu gestrichen und die Treppenhäuser renoviert werden.