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Neue Chance für desolates Fachwerkhaus

Das Fachwerkhaus Kapellenstraße 5 in der Osterwiecker Altstadt darf nicht abgerissen werden. Stattdessen wird es nun notgesichert.

Von Mario Heinicke

Osterwieck l Osterwiecks Bau-Fachbereichsleiter Detlef Schönfeld war am Mittwoch in Halle im Landesverwaltungsamt, um für die Notsicherung einen Zuwendungsbescheid über 50 000 Euro in Empfang zu nehmen. Das Vorhaben soll 120 000 Euro kosten. Der verbleibende Betrag von 70 000 Euro soll über das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz finanziert werden, aus dem die Osterwiecker Altstadtsanierung seit 1991 gefördert wird.

Die Zeit drängt. Bereits bis Ende Februar soll die Sicherung abgeschlossen sein. Der Stadtrat wird daher zu einer zusätzlichen Sitzung am 19. Dezember einberufen, auf der ein Beschluss getroffen werden soll, dass die Bürgermeisterin trotz der großen Auftragssumme ohne neuerlichen Beschluss des Rates die Auftragsvergabe vornehmen darf.

Das Fachwerkgebäude Kapellenstraße 5 ist seit vielen Jahren ein Sorgenkind in der Altstadt. Die Stadt als Eigentümerin wollte es schon mal abreißen lassen, dann fand sich aber jemand, der das desolate Haus retten wollte, was aber nicht gelang. Die Stadt hat es schließlich in ihr Eigentum zurückgeholt. Schönfeld betonte, dass es in den Fällen der Mittelstraße 8 und Kapellenstraße 9 zwei gute Bespiele gab, bei denen die Stadt Häuser für einen Euro erwarb und danach an Investoren weiterreichte, die diese Gebäude erfolgreich sanierten. Für die Kapellenstraße 5 sei das nicht gelungen, ein Interessent sei abgesprungen.

Bereits vor einem Jahr hatte der Stadtrat einen Abrissbeschluss gefasst. Zuvor hatten sich sowohl Bauausschuss als auch Ortschaftsrat vom schlechten, ja gefährlichen Zustand überzeugt. Sogar das sanierte Nachbarhaus drohte schon in Mitleidenschaft gezogen zu werden.

Voraussetzung zum Abriss wäre allerdings eine Genehmigung des Landesverwaltungsamtes gewesen. Dafür musste die Stadt eine aufwändige und teure Dokumention erstellen, in die auch Ergebnisse von Gutachtern einflossen. Holzschutzgutachter und Statiker plädierten für den Abriss, wurde im Mai im Bauausschuss bekannt.

Letztendlich wurde der Antrag von der Landesbehörde abgewiesen. Begründet vor allem mit dem hohen denkmalpflegerischen Wert des Gebäudes. Es stammt immerhin aus dem 16. Jahrhundert und hätte im Fall des Abrisses eine bereits vorhandene Baulücke noch größer werden lassen. Auch in Osterwieck selbst, so in den Reihen des Kulturlandvereins, gab es Zweifler am Abrissvorhaben.

Nun also bekommt das Fachwerkhaus eine neue Chance. Beispiele von Notsicherungen gibt es aus der Vergangenheit. Die an Inschriften reiche Alte Post in der Nikolaistraße ist auf diese Weise gerettet worden, wartet aber bis heute noch auf einen Investoren. Auch der Bunte Hof war einst von der Stadt notgesichert worden. Hier gelang später dank eines Modellprojektes eine Modernisierung durch die Stadt selbst. Gegenwärtig, so informierte Detlef Schönfeld, werde das Grundstück Kapellenstraße 5, zunächst beräumt.