Etingens Kita-Leiterin Helga Vogel erklärt in der Sitzung des Ortschaftsrates:

"Ohne Schließzeiten würden wir gar nicht zurechtkommen"

Von Anett Roisch

Warum die Etinger Kindertagesstätte dringend Schließzeiten braucht, erklärte Helga Vogel, Leiterin der Etinger Kita "Mühlenstrolche", bei der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates in Etingen bis ins Detail.

Etingen. Zum wiederholten Mal waren die Schließzeiten der Etinger Kindertagesstätte im Ortschaftsrat Thema. Rückblick: Bei ihrer Sitzung im Juni hatten die Ortschaftsräte kritisiert, dass es laut Entwurf der Satzung über die Benutzung der Kitas in Trägerschaft der Stadt in drei Orten der Stadt Oebisfelde-Weferlingen – in Wassensdorf, in Breitenrode und in Etingen – im Sommer Schließzeiten gibt. Damals forderten die Räte, dass die Mitglieder des Sozialausschusses der Stadt sich über eine Jahresurlaubsplanung Gedanken machen sollen, damit es genügend Personal in allen Kitas und keine Schließzeiten gibt.

"Grundsätzlich war diese Schließzeit eine Forderung der Kommunalaufsicht, um die Qualitätssicherung in Kleinsteinrichtungen zu ermöglichen", informierte die Kita-Leiterin und erklärte: "Wir und die Gemeinde Etingen haben damals unser Konzept beim Jugendamt durchgeboxt. Mit diesem sehr aufwendigen Konzept hatten wir die Grundlage für den Weiterbestand der Einrichtung geschaffen. Daraufhin gab es die Auflage der Schließzeiten, die wir aber damals schon hatten."

Inzwischen sieht es so aus, dass in der Kita vier Erzieherinnen und eine technische Kraft arbeiten. Acht Kinder unter drei Jahre und 12 Kinder über drei Jahre werden in der Kita betreut. "Ab dem 1. Oktober sind nur noch drei Erzieherinnen da. Eine Kollegin wird auf Grund der veränderten Altersstruktur der Kinder, in dessen Folge wir einen geringeren Stundenanspruch haben, in eine andere Einrichtung umgesetzt", erläuterte die Kita-Leiterin.

Die hohen Personalkrankenausfälle würden die Situation erschweren. Eine sehr hohe Überstundenanzahl, die kaum abzubauen ist, wäre trotz Schließzeiten übers Jahr entstanden. "Wir haben zwei Erzieherinnen, die selbst Mütter von insgesamt fünf Kleinkindern sind. Dass es da Ausfälle gibt, ist logisch", beschrieb Helga Vogel und betonte: "Priorität hat für uns als Einrichtung an erster Stelle die Sicherheit der Kinder. Das Zweite ist, dass wir unsere Bildungsangebote absichern können. Ohne Schließzeiten würden wir als Kleinsteinrichtung gar nicht zurechtkommen."

Die Kita-Leiterin wies außerdem auf die besonderen Projekte und Aktivitäten der Einrichtung wie das Reiten, die Naturerlebnistage im Drömling, die Arbeit mit den Senioren und die Mundartpflege hin sowie die Patenschaften, die gepflegt werden.

"Wir können doch unser gesamtes Konzept nicht einfach zusammen falten und weg legen", meinte Helga Vogel und betonte: "Wir können doch nicht bei allem, was uns eigentlich auszeichnet, Abstriche machen."

"Wir, die Gemeinde, sind ja nicht mehr Träger der Einrichtung, sondern die Stadt. Wir sollten uns einmal mit den Verantwortlichen des Sozialausschusses zusammensetzen und fragen, woran es liegt und wie es mit den Öffnungszeiten, Überstunden und kostenlosen Angeboten wie dem Reiten, weitergeht", schlug Ortschaftsrat Ralf Schulz vor. "Wenn es um die Einheitsgemeinde geht, heißt es, es soll überall gleich sein – auch mit der Bezahlung. In diesem Moment haben wir auch das Recht auf Gleichheit. Die Stadt soll eine Lösung anbieten", sagte Ratsmitglied Harald Bock.

"Die Durchsetzung unseres pädagogischen Konzeptes kann nicht in die Verantwortung des Sozialausschusses gegeben werden, denn wir wollen ja nicht gleiche Einrichtungen mit gleichen Leistungen, sondern differenzierte Angebote", ergänzte Helga Vogel.

Ortsrat Hendrik Scharf fasste zusammen: "Wir haben damals – als wir die Satzung vor uns hatten – gesagt: Wenn alles einheitlich ist, dann müssen wir auch die gleiche Leistung erhalten. Auch die Etinger Eltern sollten sich nicht nach Schließzeiten richten und danach ihren Urlaub nehmen müssen. Die Kita-Argumente sind, dass sie die ganzen Sonderprojekte, die die anderen Einrichtungen nicht anbieten, haben."

Ratsmitglied Fritz Riecke machte den Vorschlag, eine der nächsten Sitzungen des Sozialausschusses in die Kindereinrichtung zu holen, um vor Ort die Probleme zu klären. Scharf wies darauf hin, dass die Zeit drängt, denn die Kita-Satzung steht bald im Stadtrat zum Beschluss.