Osterwieck l Die Cabrio-Fahrer Helmer Abel aus Osterwieck und Dr. Hans-Dieter Wolf aus Blankenburg sahen gelassen zum dunklen Himmel. Das Verdeck hochzuklappen, „dauert 20 Sekunden“, berichtete Wolf. Regentouren haben die Wartburgs schon absolviert. Garantiert auch im früheren Leben. Denn ihre Fahrzeuge sind Baujahr 1958 und 1959, restauriert 2013 und 2014. Aus dieser arbeitsreichen Zeit kennen sich die beiden Wartburg-Freunde auch.

Auf den ersten Blick sehen die Modelle, von der Farbe natürlich abgesehen, wie Zwillinge aus. Auf den zweiten Blick erkennt man am blauen Wartburg aus Blankenburg zum Beispiel Zierleisten, die am roten Osterwiecker fehlen. „Unser Wartburg wurde exportiert, um Devisen zu erbingen“, berichtete Hans-Dieter Wolf. Sogar in die USA ging das Fahrzeug, das in Eisenach produziert wurde.

Ehrenrunde der "Opel-Ratten"

Es war ein Kommen und Fahren auf dem alten Druckerei-Hof, auf dem die Oldtimer ausgestellt wurden. So drehte ein ganzer Tross „Opel-Ratten“, das sind rostfarbene Opel, eine Ehrenrunde über den Hof. Der Simson-Club aus Wasserleben schaute vorbei. Das Bild der Ausstellung änderte sich also häufig.

Bilder

Auf einem ungewöhnlichen Zweirad drehte der Osterwiecker Jürgen Herbst eine Runde. Ein schon 15 Jahre alter Eigenbau, angelehnt an den legendären „Werner“-Film. Zwei Motoren über einen Zahnriemen miteinander verbunden, sogar ein „Wurstblinker“ integriert, wenn auch ohne echte Würstchen. Das Gefährt hatte Herbst vor Jahren schon bei diversen Veranstaltungen vom Lausitzring bis Essen gezeigt. Ab und zu nimmt er es mit zur Osterwiecker Schau.

35 Mitglieder

Jürgen Herbst gehört zur Osterwiecker Interessengemeinschaft für historische Fahrzeuge. Die 35 Mitglieder organisieren seit Jahr und Tag diese Oldtimerschau. Allerdings: „Nachwuchs ist nicht viel da“, bedauert Vorsitzender Rolf Mickler. Die Vereinsmitglieder freuen sich, dass sie nach wie vor das Druckereigelände nutzen dürfen. Wobei dessen Eigentümer Henning Borek selbst ein Oldtimerfreund ist und er seinen Trabant „Kübel“, ein Fahrzeug der DDR-Grenztruppen, auf der Schau zeigte. Überhaupt kann sich die Interessengemeinschaft auf Unterstützung aus der Stadt stützen. Alle Sitzgarnituren zum Beispiel kamen aus dem Autohaus. „Wir selber haben ja nichts“, sagte Rolf Mickler.

Es sind übrigens nicht nur Fahrzeuge, die auf der Osterwiecker Ausstellung gezeigt werden, sondern auch Stationärmotore. Zum Beispiel der Dieselmotor, den Michael Stech auf einem Anhänger mitgebracht hat. Eine Sechs-Zylinder-Maschine aus Schönebeck, die in der DDR unterschiedlich genutzt wurde. Im Traktor der Modelle ZT 300 und 304, in Feldhäckslern, in Fischkuttern und Schiffen der Weißen Flotte sowie zur Stromerzeugung in Krankenhäusern, Pflegeheimen und anderen Einrichtungen. Für die Stromerzeugung hat auch Michael Stech den Motor hergerichtet. Es ist vor allem die Technik, die den Malermeister fasziniert. „Ich habe mich ausführlich mit den Schönebecker Dieselmotoren beschäftigt.“ Praktischer Nebeneffekt: Während einer halbstündigen Stromsperre konnte er damit die Energieversorgung in seinem Haus aufrechterhalten.