Halberstadt l „Wenn es nach uns geht, kann es losgehen“, sagt ein Bauarbeiter in sein Headset. Der Kollege neben ihm nickt zustimmend. Beide wirken absolut entspannt – dabei schwebt ein 56 Tonnen schwerer Koloss über ihren Köpfen. Der Kranfahrer reagiert sofort auf Signal, vorsichtig und scheinbar mühelos bewegt er das Bauteil, das am Haken seines Fahrzeugs hängt. Die Feinarbeit übernehmen die Arbeiter selbst: Per Hand sowie mithilfe von Holzkeilen und Seilen dirigieren die beiden Männer den Riesen Millimeter genau an seinen Bestimmungsort. Er ist einer von vier Trägern, die zu der neuen Brücke über die Bahnstrecke Halle-Halberstadt-Vienenburg gehören.

Diese Brücke – von den Planern als Bauwerk 08A bezeichnet – ist ein Bestandteil der neuen Ortsumgehung Halberstadt-Harsleben. Insgesamt wird dieser Abschnitt der B 79 nach der Fertigstellung elf Brückenbauwerke aufweisen. Doch dieses, das gerade in der Entstehung ist, ist von besonderer Bedeutung. „Es ist die größte Brücke des Streckenabschnitts“, erläutert Stefan Hörold, Regionalbereichsleiter der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt, während er den Arbeitern am Sonnabend beim Bau zusieht. „Sie liegen gut in der Zeit“, stellt er zufrieden fest.

Zwei Fahrspuren

„Zwischen einer halben und einer Stunde dauert es, bis einer der Träger versetzt ist“, ergänzt Stefan Matschaß. Er ist der Fachgruppenleiter Brücken- und Ingenieurbau der Landesstraßenbaubehörde und kennt die Details des Bauwerks genau. Das Bauwerk wird eine Stützweite von 34 Metern haben, die Fahrbahn zwischen den Geländern wird 11,6 Meter breit sein. Es wird zwei Fahrspuren geben.

„Die Stahlteile für die Träger wurden in Magdeburg gefertigt und wurden von dort als Schwerlasttransport nach Erfurt gebracht“, informiert Matschaß. Dort kam Beton auf die Bauteile, die mittels unzähliger Stahlösen miteinander verbunden werden.

16.000 Fahrzeuge

Sie werden nach der Fertigstellung der Ortsumgehung eine große Last zu tragen haben. „Wir gehen davon aus, dass künftig täglich etwa 16.000 Fahrzeuge die Umgehung nutzen werden“, sagt Stefan Hörold. Rund 40 Millionen Euro kostet der Neubau der 7,3 Kilometer langen Strecke.

Die Brücke über die Bahnstrecke schlägt mit zwei Millionen Euro zu Buche. Ihre Errichtung ist ein planerisches Meisterstück gewesen– ihre pünktliche Fertigsstellung umso wichtiger. „Damit die Träger errichtet werden können, muss die Bahnstrecke gesperrt werden“, erläutert Stefan Matschaß. 40 Stunden dauert die Sperrung an. Die Terminabstimmung mit der Deutschen Bahn erfordere viel Vorlauf – seit 2016 seien die Planer deshalb mit der Bahn im Gespräch. Hätten die Arbeiter die Verlegung der Träger nicht am Sonnabend geschafft, hätte ein neuer Termin gefunden werden müssen. Und Bahnkunden hätten zu einem neuen Zeitpunkt eine Sperrung der Strecke in Kauf nehmen müssen.

Gesamtlänge: 7,3 Kilometer

Autofahrer sollen die neue Brücke ab November 2019 nutzen können, um einen großen Bogen um Halberstadt und Harsleben machen zu können. Begonnen wurde mit der Ortsumfahrung, die eine Gesamtlänge von 7,3 Kilometern haben wird, im Juni 2017. Der Bund investiert voraussichtlich insgesamt knapp 40 Millionen Euro in den Bau der Umfahrung zwischen der B 81 nordöstlich von Halberstadt und der B 79 am Abzweig Westerhausen hinter Harsleben. Über vier Knotenpunkte wird die neue B 79 an das umliegende Straßennetz angebunden.

Vor Baustart mussten Versorgungsleitungen umgelegt werden. Zudem fanden archäologische Grabungen statt, bei denen jungsteinzeitliche Bestattungen und ein Steinpackungsgrab der frühen Bronzezeit entdeckt wurden.