Halberstadt l Einen großen Bogen soll ab November 2019 der Durchgangsverkehr um Halberstadt und Harsleben machen – so der Wunsch von Verkehrsminister Thomas Webel (CDU). Im Juli 2017 hat er den Startschuss für den Bau der dafür erforderlichen Ortsumgehung Halberstadt/Harsleben gegeben. Bereits Ende diesen Jahres soll der erste Bauabschnitt des insgesamt 7,3 Kilometer langen Bypasses für die Kreisstadt und Harsleben fertiggestellt sein, informiert Stefan Hörold, Regionalbereichsleiter Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt.

„Schwerpunkt ist derzeit der Bau von sechs Brücken im Bereich zwischen der B 79 Abzweig Westerhausen und der Stelle, an der sich alte und neue B 79 zwischen Halberstadt und Harsleben kreuzen“, berichtet Stefan Hörold. Davon sind vier im Rohbau fertig, bei einer weiteren steht die Betonierung an, sagt Stefan Matschaß, Fachgruppenleiter Brücken- und Ingenieurbau der Landesstraßen­baubehörde. An dieser Brücke erfolgt die Montage einer vier Meter hohen sogenannten Irritationswand. Sie sei das Ergebnis einer einjähriges Artenschutzuntersuchung. Die habe an dieser Stelle eine Fledermaus-Population nachgewiesen. „Die Tiere orten im Flug diese Wand, überfliegen sie und kollidieren somit nicht mit dem Verkehr“, erklärt ­Stefan Matschaß. Eine weitere Irritationswand für Fledermäuse wird an einem Bauwerk am Sauteich im zweiten Bauabschnitt der Ortsumgehung errichtet.

Bis Juni sind die ersten sechs Brücken fertiggestellt, damit der Straßenbau beginnen kann, erklärt der Regional­bereichsleiter. „Ab Oktober können Markierungsarbeiten, Beschilderung und die Montage von Schutzeinrichtungen beginnen. Der Verkehr soll ab Dezember auf dem ersten Strecken­abschnitt rollen.“ Das sei von Anfang an das Ziel gewesen, um das hohe Verkehrsaufkommen aus Harsleben schnell herauszubekommen. Hörold sagt, dass Prognosen davon ausgehen, dass künftig täglich etwa 16.000 Fahrzeuge die Ortsumgehung nutzen. „Wir sind auf Kurs“, so Stefan Hörold. Das treffe auch auf die Investitionskosten zu. „Den gesetzten Rahmen von 37,5 Millionen Euro halten wir nach derzeitigem Erkenntnisstand.“

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Entlang der gesamten Verkehrstrasse entstehen insgesamt elf Brücken. Die kleinste ist eine Fußgänger­brücke über den Goldbach bei Harsleben, die größte die neue Eisenbahnbrücke über die Bahnlinie Halberstadt-Halle. Dafür haben bereits 2017 die Vorarbeiten mit der Aufschüttung von zwei 12 Meter hohen Dämmen rechts und links der Bahnstrecke begonnen. 135.000 Kubikmeter Material ist dort aufgeschüttet worden. „Das musste mehrere Monate ruhen, weil Senkungen in den Dämmen erfolgen. In der ersten Zeit waren das in einem Monat mehrere Zentimeter. Jetzt kehrt langsam Ruhe ein“, informiert Brückenfachmann Stefan Matschaß. In dieser Woche ist ein Widerlager der neuen Eisenbahn­brücke gegossen worden, am 28. April folgt das zweite. Schwere Technik rückt am 12./13. Mai an, um die Brückenträger zu legen. Dafür muss die Bahnlinie Halberstadt/Halle voll gesperrt werden.

Im Verlauf des kommenden Jahres konzentriert sich das Baugeschehen auf den zweiten Abschnitt bis zum Anschluss der neuen B 79 an die B 81 zwischen Halberstadt und Emersleben. Eine Sperrung der vielbefahrenen Bundestraße für die Zeit der Arbeiten sei nicht erforderlich, so Stefan Hörold. Über eine Baustraße, ähnlich wie derzeit zwischen Halberstadt und Harsleben, wird der Verkehr dann geführt.

Bereits in diesem Jahr wird der Bau der zweiten Ortsumgehung für Halberstadt zum Thema. Für die sogenannte Helmvariante, eine nördliche Umgehung zwischen der B 81 ab Höhe des Abzweigs Groß Quenstedt bis zur B 81 bei Wilhelmshöhe, beginnt im August das Vergabeverfahren der Ingenieurleistungen für die Planung. Mit dem Abschluss wird im Mai 2019 gerechnet, sagt Stefan Hörold. Allerdings würden im Schnitt zehn bis zwölf Jahre vom Beginn der Planung bis zur Fertigstellung der Straße vergehen.