Halberstadt l Leicht sei ihm die Entscheidung nicht gefallen, sagt Ortswehrleiter Martin Schulz. Immerhin ist es seit 20, 25 Jahren Tradition, dass sich die Kameraden beim Osterfeuer der Stadt Halberstadt engagieren: Fackelumzüge für die Kinder, Grill- und Getränkestände. Darauf werden die gut 2000 Besucher der Veranstaltung in diesem Jahr verzichten müssen. Es fehlt das Personal, um den hohen Organisationsaufwand stemmen zu können, erläutert der 53-Jährige.

Besorgte Nachfragen

Bürger reagierten auf diese Nachricht mit Besorgnis. „Ist es denn so schlecht um unsere Wehr bestellt?“, fragten Leser am Volksstimme-Telefon. Wenn auch ungeplant, kommt den Feuerwehrleuten dieses öffentliche Echo entgegen. „Es ist ungewollt Thema geworden. Aber Fakt ist, dass wir an Grenzen angekommen sind und jederzeit neue Mitglieder willkommen sind“, sagt Schulz.

Mit dieser Problematik stehen die Floriansjünger aus Halberstadt nicht allein da. So hat die freiwillige Feuerwehr aus Wernigerode unlängst einen Imagefilm präsentiert, um auf den Personalmangel aufmerksam zu machen und für neue Mitglieder zu werben.

Junge Mannschaft

„So schlimm ist es um uns nicht bestellt“, gibt Schulz Entwarnung. „Die Einsatzbereitschaft ist jederzeit gewährleistet.“ Die Mitgliederzahl sei stabil, 39 Aktive gibt es derzeit. Rund 75 Prozent von ihnen sind zwischen 18 und 35 Jahren alt, nur etwa 15 Prozent älter als 40. Ein erfreulicher Durchschnitt, wie der Wehrleiter sagt. Jedoch seien die Mitglieder auch stark gefordert. 76 bis 79 Mal im Jahr rückt die freiwillige Wehr der Stadt aus – obwohl es eine hauptamtliche Wehr mit 32 Mitgliedern gibt.

Oft im Einsatz

Die Ehrenamtler treffen sich zudem wöchentlich zu Übungsabenden, sie nehmen an Weiterbildungen teil, kümmern sich um die Nachwuchsarbeit und Öffentlichkeitsarbeit. Kurz: Sie opfern für die Feuerwehr viel Zeit ihres Privatlebens. Deshalb könne der Wehrleiter verstehen, dass sich dieses Jahr nicht genug Freiwillige für das Osterfeuer gemeldet haben. Etwa 20 Personen werden benötigt, um die Veranstaltung im gewohnten Umfang organisieren zu können. Doch in diesem Jahr haben sich schlicht zu wenige gemeldet. „Dafür gibt es unterschiedliche Gründe. Manche wollen die freien Tage einfach nutzen, um mit ihren Familien etwas zu unternehmen oder wegzufahren“, sagt der Wehrleiter.

„Man darf nicht vergessen, dass es nicht nur um den Abend selbst geht“, ergänzt Sven Leistner. „Veranstaltungen müssen vor- und nachbereitet werden. Das nimmt viel Zeit und Personal in Anspruch.“ Der 42-jährige Ortsjugendwart weiß, wovon er spricht. Er führte jahrelang die Regie bei der Osterfeuer-Organisation.

Schausteller sind vor Ort

Die Kameraden bedauern, dass sie in diesem Jahr beim Osterfeuer nur in Erscheinung treten, um es abzusichern. Schulz relativiert die Situation jedoch auch: „Wir prägen nicht das kulturelle Leben der Stadt.“ Da die Kameraden nicht die Organisatoren sind – das ist die Stadt – falle das Osterfeuer nicht aus. Professionelle Schausteller werden auf der Jahnwiese für die Bewirtung und Unterhaltung sorgen.

Da sich die Kameraden jedoch bewusst seien, dass es für ihre Nachwuchsarbeit wichtig ist, öffentlich in Erscheinung zu treten, veranstalten sie im Juni anlässlich des Kindertages einen Tag der offenen Tür – quasi als Ersatz für das Osterfeuer.

Jeder ist willkommen

Wer Interesse an der Arbeit der Feuerwehr hat – Kinder wie Erwachsene – sei auch zu den regelmäßige Treffen der Wehr in der Feuer- und Umweltwache willkommen: Die Kinderfeuerwehr kommt alle 14 Tage zusammen. Die Leitung der Sechs- bis Zehnjährigen hat Anne Hoffmeister inne. Sie lädt zum nächsten Training für Sonnabend, 17. März, ein. Die Jugendwehr (10 bis 17 Jahre) übt jeden Freitag zwischen 16 und 18 Uhr.

Die Erwachsenen treffen sich immer dienstags um 19 Uhr. „Da kann jeder dazukommen, Neuanfänger und gerne auch die, die bereits Erfahrung haben“, sagt Martin Schulz. Er selbst stammt zum Beispiel aus Wegeleben. Nach seinem Umzug nach Halberstadt ist er in die hiesige Wehr gewechselt.