Schachdorf   Ströbeck l Ziel des geförderten Projektes "Kurierschach" ist die Ausstattung des Lebendschachensembles Ströbeck mit neuen Kostümen und einer variablen Schachplane für öffentliche Aufführungen. Ortsbürgermeister Jens Müller (SPD) lud in dieser Woche alle Interessierten zu einer ­Anlaufberatung ins Bürgerhaus ein, um wichtige Weichen zu stellen.

Die Zielvorgabe ist eindeutig: Premiere soll anlässlich des Schachfestes 2020 sein. "Das Kurierschach wollen wir als Teil der Traditionspflege wieder zum Leben erwecken", betonte Jens Müller. Bis es soweit ist, liegt vor den Ströbeckern noch immens viel Arbeit. Fünf Arbeitsgruppen (Schachplane, Kostüme, Didaktik, Holz und Technik), die am Mittwochabend ins Leben gerufen wurden, kümmern sich da­rum. "Wir sind auf helfende Hände und natürlich auch gute Ideen angewiesen. Wer sich nicht scheut, mit anzupacken, ist herzlich willkommen, aber auch Bürgerinnen und Bürger, die sich für unsere Aktivitäten interessieren und sich über das Projekt informieren wollen, sind gerne gesehen."

Allerdings ist mit ehrenamtlichem Engagement nicht alles zu leisten. Daher war die Freude im Schachdorf riesig, als das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Unterstützung zusagte. Im November erhielt der Verein einen Zuwendungsbescheid über 29 000 Euro Fördermittel.

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Das Geld wird vor allem für die neuen Kostüme des Lebendschachensembles, für eine neue variable Schachplane für öffentliche Auftritte und eine neue Beschallungsanlage benötigt. Der Mehraufwand sei notwendig, weil das Kurierschachbrett mit 96 Feldern größer ist als das bekannte Schachbrett und wird daher von 48 Figuren, statt 32 bespielt.

Die Ausschreibung für die neuen Kostüme sei nicht so prickelnd verlaufen, sagte Jens Müller. Sechs Angebote habe es gegeben, von denen ein ernst gemeintes übrig geblieben sei. Den Zuschlag erhielt Designerin Carmen Wilke. Sie stellte bereits zur Anlaufberatung ihre Entwürfe für die Kostüme vor und alle waren sich einig: "Die sehen toll aus."

In den kommenden Wochen soll in Ströbeck die Schneiderwerkstatt eingerichtet werden. Sie zieht in die ehemaligen Räume der Volksbank am Schachplatz ein. "Bis dort die Arbeit beginnen kann, ­müssen die Räume erst einmal vernünftig hergerichtet werden", stellte der Ortsbürgermeister fest. Die Stadtverwaltung Halberstadt habe zugesagt, den Schachverein dabei tatkräftig zu unterstützen.

Aufwendige Forschungen liegen vor den Mitgliedern der Arbeitsgruppe "Didaktik". Die Spielregeln des Kurierschachs müssen recherchiert werden. Am Ende soll ein Konzept stehen, damit sowohl Regelwerk, Beispielpartien und Unterrichtsmethoden entstehen können. Jens Müller führte bereits erste Gespräche mit dem Städtischen Museums Halberstadt und dem Schachmuseum im Dorf und bat um Unterstützung. "Ein professionelles Konzept ist das Ziel", so der Ortsbürgermeister.

Weiter auf der Agenda stehen die Beschaffung von Muster­brettern und Figuren, damit das Kurierschach verbreitet werden kann. Es soll Teil der Traditionspflege im Schachdorf Ströbeck werden.

Anerkennung hat das Engagement der Ströbecker bereits im Dezember 2016 gefunden. Das Schachdorf ist mit seiner über 1000-jährigen Schachtradi­tion auf die bundesweite Liste des Immateriellen Kulturerbes gesetzt worden. Damit besteht die Chance, eines Tages von Deutschland für die Unesco-Liste des ­Immateriellen Kulturerbes ­vorgeschlagen zu werden, was das erklärte Ziel der Ströbecker ist.