Deersheim l Schaut man auf den Vorstand, so ist aus der vierköpfigen Startformation mit Arnd Müller nur noch ein Mitglied dabei. Zuletzt hat Elke Selke aufgehört, die als Agenda-21-Koordinatorin beim Landkreis die Deersheimer von der Idee an begleitet hat und den Dorfladen auch weiterhin unterstützen wird, wie sie betonte.

Für Selke nun ist Ortsbürgermeister Wolfgang Englert (Wählergemeinschaft Deersheim) in den Vorstand nachgerückt, zunächst bis zur Bestätigung auf der nächsten Mitgliederversammlung. Außerdem gehört Franziska Brandt zum jetzt drei Mitglieder zählenden Vorstand.

Englert war bisher Aufsichtsratsvorsitzender. Dieses siebenköpfige Gremium leitet nun Rüdiger Brandt. Dessen Stellvertreter ist Hans-Jürgen Müller geworden.

Aufwand ist geblieben

War schon der Weg von der Idee im Jahr 2012 bis zur Eröffnung am 18. November 2016 ein Kraftakt, so wurde der Aufwand danach nicht weniger. „Wir mussten Erfahrungen sammeln, haben auch Fehler gemacht“, sagte Hans-Jürgen Müller. Dazu gehören betriebswirtschaftliche Fehler, die die Genossenschaft in die roten Zahlen führten. Ebenso wie unerwartet hohe Nachzahlungen für Energiekosten.

Jetzt ist das Gröbste überstanden. Dazu trugen auch die Einnahmen aus dem Herbstmarkt bei. Die Akteure an der Spitze der Genossenschaft hoffen, dass bis zum Jahresende die Verluste abgebaut sind. Die Zahlen der letzten Monate lassen das für möglich erscheinen, sagte Rüdiger Brandt.

140 Mitglieder

Rund 140 Mitglieder hat die Deersheimer Genossenschaft, deren Gremien ausschließlich ehrenamtlich arbeiten. Mit mindestens 50 Euro ist man dabei. „Es wäre schön, wenn Mitglieder ihre Einlagen erhöhen“, sagte Müller, um ein größeres Finanzpolster zu haben.

Ein Marktleiter vom Fach wird benötigt

Auf der Mitgliederversammlung vor zwei Monaten waren die zwischenzeitlichen Finanzsorgen angesprochen worden. „Das Engagement der Ehrenamtlichen ist danach noch größer geworden“, freute sich der Aufsichtsrats-Vize. „Dafür sind wir sehr, sehr dankbar.“

Ein Problem, das von Anfang an bestand, aber ist geblieben: „Uns fehlt eine Fachkraft als Marktleiter“, stellte Hans-Jürgen Müller fest. „Wir suchen dafür dringend eine ausgebildete Verkäuferin.“ Derzeit sind drei Teilzeitbeschäftigte hauptamtlich im Dorfladen tätig.

Sortiment ergänzt

Die Genossenschaft sucht also weiter ihren Weg, um in ein gesichert ruhiges Fahrwasser zu kommen. Dazu gehört ab dieser Woche die Hereinnahme von Tiefkühl-Backwaren ins Sortiment. „Handwerksprodukte“, wie Müller unterstrich. Damit sollen die Waren eines Bäckers aus der Region ergänzt werden, der montags und bei Urlaub nicht beliefern kann.

Umgebaut wird derzeit der bisherige Büroraum des Ladens. Hier wird ein Herd installiert, der es ermöglicht, die Frühstücks- und Mittagsversorgung zu erweitern. Den Herd selbst hat die Genossenschaft von einer Deersheimer Familie gesponsert bekommen.

Herd kann nur eine Übergangslösung sein

Der Herd in dem kleinen Raum kann jedoch nur eine Übergangslösung sein. In einer „Baureserve“ unter dem selben Gebäudedach soll eine richtige Küche installiert werden. Kostenpunkt 100 000 Euro. Die Verantwortlichen halten die Küche für die Sicherung des Dorfladens für unentbehrlich, um weitere dringend benötigte Einnahmen zu erzielen.

Förderer gesucht

Die Genossenschafter sind seit Langem dran, dafür eine Förderquelle aufzupüren, hatten mehrere Landespolitiker bis zum Minister hier. Noch ohne Erfolg. „Bisher gab es nur gute Worte“, beschrieb Müller die Unterstützung durch Landespolitik. Die seinerzeitige große Förderung von 150 000 Euro für den Bau des Ladens war vom Bund gekommen.

Eine neue Idee ist schließlich auch das Regal, das jetzt im Café steht. Darüber können Erzeuger aus der Region Waren direkt anbieten. Zunächst sollen dort Honig- und Bastelprodukte eingestellt werden. Das Regal soll ebenso ausgebaut werden wie der Bestellservice. Auch hier läuft nichts ohne die Ehrenamtlichen. Sie liefern nicht nur aus, sondern sie kaufen Ware ein, bestücken die Verkaufsregale, reinigen den Dorfladen. 45 Leute, die sich jede Woche auf unterschiedliche Weise engagieren. Müller: „Weil es ihr Laden ist.“