Thale l Die Katastrophenschützer im Harzkreis sind künftig fachlich breiter und personell größer aufgestellt. Georg Türke, zuständiger Amtsleiter in der Kreisverwaltung, hat vor wenigen Tagen eine Verfügung unterzeichnet, mit der der Fachdienst „Bergrettung“ ganz offiziell aus der Taufe gehoben wurde.

Drei spezielle Teams gebildet

Mit diesem Federstrich werden eine Zugtruppe, quasi das Führungsteam, sowie zwei Bergrettungsgruppen mit insgesamt 22 Mitgliedern gebildet. Da diese drei Gruppen ganz offiziell dem Katastrophenschutz unterstellt werden, müssen sie hinsichtlich der personellen Aufstellung bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Unter anderem können sie künftig bei Bedarf auch zu Einsätzen außerhalb des Kreises entsandt werden.

Diesem „Geben“ für die Allgemeinheit auf der einen Seite steht ein „Nehmen“ auf der anderen gegenüber. Mit dem Aufstieg zur Fachdienstgruppe ist die Möglichkeit verbunden, von Investitionsmitteln des Landes zu profitieren. Und diese sollen erstmals noch in diesem Jahr fließen, kündigt Lutz-Georg Berkling vom Innenministerium an. „Wir gehen davon aus, dass wir im Rahmen unser 80-prozentigen Förderung 142.000 Euro bereitstellen“, kündigt der oberste Katastrophenschützer im Innenministerium an.

Fuhrpark wird modernisiert

Davon sollen zwei geländegängige Fahrzeuge für die beiden Rettungsteams beschafft werden. In den kommenden Jahren soll die Erneuerung des betagten Fuhrparks fortgesetzt werden – 2018 mit voraussichtlich rund 100.000 Euro. Den 20-prozentigen Eigenanteil stellt jeweils das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als Träger der Bergwacht bereit. Erklärtes Ziel ist es, den Fachdienst Bergrettung schnellstmöglich als perfekt funktionierendes Modul ins Gesamtsystem Katastrophenschutz zu integrieren.

Ohne Klinikeinweisung kein Geld

Mit diesem Schritt zeichnet sich bei einem der ganz großen Probleme der Bergretter endlich eine Lösung ab. Die chronische finanzielle Unterversorgung sorgt bei den Rettern vom Berg bislang an vielen Stellen für Defizite und Verärgerung. So fahren die Thalenser mit zwei antiquierten Fahrzeugen aus den Baujahren 1992 und 2006 zu Einsätzen.

Verursacht wurden die Sorgen in der Vergangenheit mit unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen. Diese mündeten mit schöner Regelmäßigkeit in fast schon skurrile Situationen. So im März 2015, als eine Touristin der Meinung war, mit ihrer sechs Jahre alten Tochter mal eben vom Thalenser Hexentanzplatz querfeldein ins Bodetal abzusteigen. Der Versuch ging gründlich schief, die Bergretter wurden einmal mehr zu den Engeln in allergrößter Not.

Bergretter gingen oft leer aus

Da die beiden Touristen zum Glück unbeschadet ins Tal kamen und sich keine medizinische Behandlung anschloss, gingen die Bergretter leer aus. „Das ist grundsätzlich erstmal auch kein Problem, weil wir unsere Hilfe als Ehrenamtler ja freiwillig anbieten“, so der Thalenser Bergwacht-Sprecher Uwe George. Allerdings müssten die Retter irgendwie aber doch zu Einnahmen kommen, um ihre Kosten für Rettungstechnik – darunter teure und verschleißintensive Seile – zu decken.

Innenminister verspricht Lösung

Nachdem die Volksstimme anhand des Thalenser Einsatzes die finanziellen Sorgen der Bergwacht publik gemacht hatte, zog sich Innenminister Holger Stahlknecht das Thema auf den Tisch. Mit dem klaren Versprechen, eine Lösung zu finden. Wenngleich dies letztlich länger gedauert habe, als erwartet, so der CDU-Politiker, brachte er die Sache voran. Im Herbst 2016 besuchte Stahlknecht die Bergwacht, um sich persönlich ein Bild zu machen.

Zu jenem Zeitpunkt war die erste Säule der Finanzierung bereits fertig gemauert. Die Krankenkassen, die bis dahin – wenn überhaupt – nur fallbezogen gezahlt hatten, erklärten sich nach Verhandlungen mit dem Innenministerium bereit, pro Jahr pauschal 20.000 Euro bereitzustellen, um laufende Kosten der Bergretter zu decken.

Zwei Standbeine mittlerweile fertig

Finanzierungssäule Nummer zwei ist nun mit der Integration der Bergrettung im Fachdienst des Katastrophenschutzes fertiggestellt. Damit werden die Retter in die Lage versetzt, ihre Technik schrittweise auf modernes Niveau zu bringen.

An Säule Nummer drei werden nach Angaben von Amtsleiter Georg Türke gerade die letzten Steine vermauert. Hierbei sollen Kommunen, in deren Gemarkung in aller Regel Einsätze der Bergwacht stattfinden, zusammen mit dem Kreis jährlich weitere 20.000 Euro aufbringen. Hier sind nach Türkes Worten letzte Details aber noch zu klären.

Letzte Details noch zu klären

Konkret geht es darum, ob sich alle angesprochenen Orte am Solidarparkt beteiligen. Auf Vorschlag des Innenministeriums waren Halberstadt, Wernigerode, Quedlinburg, Blankenburg, Thale sowie die Städte Oberharz/Brocken, Ilsenburg und Ballenstedt mit jährlich je 1000 Euro im Boot. Hinzu kam der Kreis mit 2000 Euro. Die übrigen 10.000 Euro sollten die genannten Partner über eine Pro-Kopf-Pauschale aufbringen Der Kreis ergänzte die Liste um Harzgerode und die Stadt Falkenstein/Harz. Das wiederum sorgt aktuell für einige noch offene letzte Fragen.

So sieht Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU) noch „gewissen Klärungsbedarf. Wir wollen uns nicht grundsätzlich verschließen, die Bergwacht ist eine ganz, ganz wichtige Sache“, betonte er am Montag. Fakt sei aber auch, dass es in den vergangenen 25 Jahren in Harzgerode keine Einsätze gegeben habe.

Sein Parteifreund, der Falkensteiner Bürgermeister Klaus Wycisk, sieht indes keine Probleme: „Man kann nicht immer nur zum Harz hinzugehören wollen – ich denke, es ist kein Problem, hier mitzuziehen.“

Blankenburg will breiten Solidarpakt

Anders Heiko Breithaupt (CDU) in Blankenburg. Er sieht seine Feuerwehr zu 99 Prozent in der Lage, nötige Einsätze zu realisieren. „Wir hatten in den letzten zehn Jahren einen Einsatz der Bergwacht bei uns.“ Zudem macht Breithaupt generelle Probleme geltend: „Bei einem Solidarpakt sollten alle Harzer Kommunen mit im Boot sein.“

Das aber müsste auf freiwilliger Basis erfolgen, macht Lutz-Georg Berkling deutlich. Nur Kommunen, die auch Rettung am Berg absichern müssten, könnten hinzugezogen werden. Das ist auch Georg Türke klar. Der Amtsleiter ist jedoch optimistisch, dass der Vertrag in den nächsten fünf Wochen unterzeichnet wird. „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie.“