Halberstadt l Vor über 40 Jahren errichtet, muss das Haus „Waldblick“ dringend saniert werden. Dafür gab Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) den offiziellen Startschuss. Laut Fahrplan soll die Sanierung im November 2020 abgeschlossen sein.

„Wir können nicht nur Geld für neue Straßen, Wege und Plätze ausgeben. Genauso wichtig ist es Geld in die ­Zukunft der Stadt, die Kinder, zu investieren“, betonte ­Andreas Henke. Im Fall des „Waldblicks“ langt die Kommune so richtig zu. Immerhin liegt der Kostenrahmen für die grundhafte Sanierung bei stolzen 1,643 Millionen Euro. Warum soviel Geld?

Energieverbrauch

Das Gebäude ist quasi ein ­Dinosaurier. Es stammt aus einer Zeit, als Energieeinsparung und Klimaschutz praktisch nur in Fremdwörter­büchern zu finden waren. Vor über vier Jahrzehnten zählte nur der Bau einer dringend benötigten Betreuungseinrichtung für die Jüngsten, Energieverbrauch spielte damals absolut keine Rolle. Das hat sich gründlich verändert. Die vom Stadtrat Halberstadt abgesegnete grundhafte Sanierung des Gebäudekomplexes an der Wester­häuser Straße steht heute ganz im Zeichen eines nachhaltigen und sparsamen Energieverbrauchs.

Bilder

Ein Aspekt, der nicht nur den CO2-Ausstoß bei der Bewirtschaftung des Gebäudes künftig reduziert. Er ermöglichte überhaupt erst das teure Bauvorhaben. Das Projekt wäre schon im Ansatz steckengeblieben, wenn die Stadt die Kosten zu 100 Prozent selbst stemmen müsste. Die Ausrichtung auf den Klimaschutz erschloss Fördermittel. Im Rahmen des Programms ,,STARK III plus EFRE‘‘ stellt die Investitionsbank Sachsen-Anhalt 1,035 Millionen Euro zur Verfügung und senkt damit den Eigenanteil der Kommune auf etwa 600.000 Euro.

Eigenes Kraftwerk

„In diesem Jahr erfolgt die Neueindeckung des immerhin 1360 Quadratmeter umfassenden Daches, die Dämmung der Außenwände und die Erneuerung der Fenster, die dann eine Drei-Scheiben-Verglasung besitzen“, informiert die projektbegleitende Architektin Ursula Hülsdell vom Halberstädter Büro Hülsdell und Hallegger. Schritte, die den Energieverbrauch des Gebäudes senken sollen. Die Kita erhält sogar ein eigenes Kraftwerk zur Erzeugung von grünem Strom. „Auf dem Dach wird eine Photo­voltaik-Anlage errichtet, die den Stromverbrauch des Hauses weitgehend abdecken soll“, berichtet Jörg Wolansky, Baufachmann der Stadtverwaltung.

Im kommenden Jahr verlagern sich die Bauarbeiten dann ins Innere des Hauses. Die vorhandene Erdgasheizung wird aufs Altenteil geschickt und durch eine nagelneue Holzpellet-Heizung ersetzt. „Wir haben uns dafür entschieden, weil diese Heizung den größten Einspareffekt beim CO2 Ausstoß garantiert“, betont Jörg Wolansky. Außerdem erhält die Kellerdecke eine Dämmung, die Beleuchtung wird auf energiesparende LED-Technik umgerüstet. Das geschieht alles bei laufendem Betrieb – bedeutet die 100 Kindergarten- und 70 Krippenkinder ziehen für die Dauer der Bauarbeiten nicht aus. „Kinder und Eltern freuen sich, dass das Haus endlich saniert wird und sind damit einverstanden“, betonen Kindergartenleiterin Doreen Otto und Krippenleiterin Cynthia Urban.

Beschluss bei ausgeglichenem Etat

Auf die Frage, warum für die Kita-Sanierung Geld da ist und die geplante energetische Sanierung der Grundschule „Freiherr Spiegel“ aufgrund der schlechten Haushaltslage gescheitert ist, sagt Andreas Henke: „Das Kita-Projekt ist zu einer Zeit beschlossen worden, als die Stadt noch einen ­ausgeglichen Etat besaß. Das war bei der Schule leider nicht mehr der Fall.“