Halberstadt l In Verzug ist das ehrgeizige und millionenschwere Projekt zur Sanierung der verwaisten Badeanstalt an der Bödcherstraße in Halberstadt geraten. Eigentlich sollte das Gebäude bereits 2019 wieder in altem Glanz erstrahlen und als Haus der Diakonie genutzt werden. Die Bauarbeiten lassen jedoch auf sich warten. Die Bauherren hat dieser Fakt jedoch nicht wirklich überrascht. Sie rechneten mit Problemen und machten darauf von Anfang an aufmerksam, dass es eventuell länger dauern könnte, um alle Hürden aus den Weg zu räumen, wie Architekt Jörg Gardzella mehrmals betonte.

Als vor etwa drei Jahren eine Investorengemeinschaft sich zur Rettung des altehrwürdigen Baus bekannte, war das ein Paukenschlag. Über Jahre versuchte die Stadt Halberstadt vergebens einen Investor zu finden, der sich des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes annimmt. Doch dann bestimmten langwierige und schwierige Antragsverfahren und Genehmigungen den Zeitplan und sorgten für die Verzögerung des Baubeginns. Jörg Gardzella ist jedoch optimistisch, dass es nun endlich in einigen Wochen vor Ort losgehen kann.

„Der Kostenanerkennungsbescheid vom Landesverwaltungsamt für den Umbau und die Sanierung der ehemaligen Städtischen Badeanstalt in das Haus der Diakonie liegt vor. Wir werden mit dem Bauvorhaben voraussichtlich Anfang September 2020 beginnen“, informiert auf Nachfrage Jörg Gardzella. Wobei das Rettungsvorhaben erst einmal mit einem Abriss startet. Der Teil des Gebäudes, in dem sich das desolate Schwimmbecken befindet, wird abgerissen. Auf der einen Seite sei eine Sanierung des Trakts aus Investorensicht zu teuer, auf der anderen Seite benötigt der künftige Nutzer des eindrucksvollen Vorderhauses das Hallenbad nicht.

Fokus auf Erhalt der Fassade

Der Schwerpunkt der Sanierung liegt auf dem Erhalt des 120 Jahre alten Gebäudes direkt an der Bödcherstraße und des dazugehörigen Putzbaus aus den 1950er Jahren. Die imposante Fassade ist stadtbildprägend und soll in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Das Diakonische Werk des Kirchenkreises Halberstadt zieht nach Fertigstellung als Nutzer ein. Die soziale Einrichtung möchte den sanierten Altbau als Verwaltungssitz und für ein vielfältiges Angebot für Jung und Alt nutzen.

Generationen von Halberstädtern haben in der alten Badeanstalt schwimmen gelernt und dort ihre Freizeit verbracht. Nach wie vor genießt das Haus trotz des über 20 Jahre währenden Leerstands einen hohen Stellenwert. So strömten im Mai 2019 über 2000 Bürger auf Einladung der Investoren in die Badeanstalt, um sie vor Beginn der Sanierung noch einmal im ursprünglichen Zustand in Augenschein zu nehmen.

Der Zahn der Zeit hat am unter Denkmalschutz stehenden Vorderhaus bereits deutliche Spuren hinterlassen. Sandsteinelemente bröseln. Vor einigen Jahren musste die Stadt Halberstadt, in deren Besitz sich die Badeanstalt befand, etwa 300 000 Euro (Fördermittel) in ein neues Dach investieren, um das Gebäude zu sichern.