Halberstadt l „Der eine verweist auf den anderen. Die Leidtragenden sind die Kinder“, sagt Björn Ahlsleben, Schulleiter der Europaschule „Am Gröpertor“ in Halberstadt. Er spricht auf den Hickhack an, den sich Kreis und Stadt um die Sanierung des Schulsportplatzes liefern. Denn wer dafür zuständig ist, darüber herrscht Uneinigkeit. Geschuldet ist dies dem Umstand, dass sich die Gröpertor-Schule wie alle Sekundarschulen Halberstadts in Trägerschaft des Landkreises Harz befindet – allerdings ist die Liegenschaft Eigentum der Stadt. Diese Aufteilung existiert seit 2011.

Bei der gesetzlich vorgegebenen Übertragung der Sekundarschulen an die Landkreise wurde damals für die Übergabe ein Nutzungsvertrag zwischen Stadt und Harzkreis geschlossen. Ein Vertragsentwurf inklusive der Sportanlage wurde laut Stadtverwaltung aber vom Landkreis abgelehnt, „obwohl die Nutzung der Sportanlage bis heute erforderlicher Teil des Unterrichts- und Schulbetriebes ist“, wie Ute Huch für das Rathaus betont.

Oberbürgermeister Andreas Henke (Die Linke) informierte bereits in der jüngsten Stadtratssitzung, dass mehrmals vom Landesrechnungshof in Prüfungen der Stadt Halberstadt festgesetzt wurde, dass es notwendig ist, Eigentum an Gebäuden sowie Grund und Boden zusammenzuführen. „Da der Landkreis bereits über viele Jahre Nutzer ist, waren unsere Bestrebungen in Gesprächen mit dem Landkreis stets dahingehend ausgerichtet, den Landkreis dazu zu bewegen, auch Grund und Boden mit zu übernehmen und die Gebäude ebenfalls“, so der Oberbürgermeister. „Leider hat sich der Landkreis bis heute nicht zu einer Einigung mit uns gemeinsam durchringen können, sodass wir jetzt angeboten haben, das Innenministerium und die Obere Kommunalaufsicht in die Lösungsfindung mit einzubeziehen und wir hoffen, dass dies bald gelingt.“

Harzkreis will nicht handeln

Die Reaktion des Landkreises auf Nachfrage der Volksstimme fällt schwammig und allgemein aus. „Der Zustand der Außenanlagen ist dem Landkreis bekannt“, teilt die Pressesprecherin Franziska Banse mit. Für große Investitionen fehle derzeit der rechtliche Rahmen. Doch diesen zu schaffen, das verhindert der Kreis mit seiner derzeitigen Ablehnung der Übernahme.

Unter den aktuellen Umständen, so informiert Banse weiter, sei nur möglich, „wert­erhaltend tätig zu werden und dies nur in dem begrenzten Rahmen, in welchem finanzielle Mittel zur Verfügung stehen“. Hierzu existiere ein Pflegevertrag mit der Stadt. „Die Sportfreiflächen benötigen allerdings dringend eine grundhafte Erneuerung“, räumt der Kreis ein. Zwar gebe es Gespräche, doch die „haben bisher noch zu keinem abschließenden Ergebnis geführt.“

Und während Stadt und Kreis keine Einigung finden, wird der Zustand des Sportplatzes zusehends schlechter. Im Sand der Weitsprunganlage wuchert zentimeterhoch das Gras. „Erinnert an den Ostseestrand“, kommentiert Schulleiter Björn Ahlsleben. Schon seit geraumer Zeit lasse er hier keine Schüler mehr Weitsprünge absolvieren. Denn der Sand ist fast das geringste Problem. Er deutet auf die drei Anlauf-Bahnen. Sie sind uneben, teils gerissen, Pfützen bilden sich in ihnen. Lediglich bei der Bahn in der Mitte lassen sich noch verwitterte Reste eines Absprungbrettes erkennen.

Sportunterricht nur selten möglich

„Die Weitsprunganlage ist nur beispielgebend für den Zustand des gesamten Platzes“, sagt Ahlsleben, der auch Sportlehrer ist. „Eigentlich können wir ihn nur nutzen, wenn es eine Woche lang nicht geregnet hat – und auch dann nur eingeschränkt.“ Oft hapert es an Kleinigkeiten: nicht vorhandene Markierungen, fehlende Netze, die Bälle daran hindern, in der benachbarten Holtemme zu landen, das improvisierte Eingangstor zum Sportplatz, das aus einer Europalette besteht.

Doch es gibt weitaus größere Probleme. So verdient die Rasenfläche ihren Namen nicht mehr. Statt Gras wachsen Moos und Löwenzahn. Erdhügel und Löcher im Erdreich werden zu Stolperfallen. Die Laufbahn ist ausgetreten und uneben.

Den aktuellen Zustand empfindet nicht nur die Schulleitung als unhaltbar, auch die gut 420 Schüler fordern eine baldige Sanierung. „Wir akzeptieren es nicht mehr, ständig Abstriche im Sportunterricht hinnehmen zu müssen“ – mit diesen deutlichen Worten hat sich Schülersprecher Chris-Luca Fischer an den Halberstädter Stadtrat gewendet. „Es ist uns nicht möglich, nach einem Regenschauer die Sportanlage zu betreten oder gar zu benutzen“, kritisierte der Schülersprecher. Schon im trockenem Zustand bestehe Verletzungsgefahr.

Keine Noten für Leichtathetlik

Obwohl die Lehrer bemüht seien und Alternativen suchten, sei die Unterrichtsqualität „massiv eingeschränkt“. Es sei nicht möglich, den Lehrplan einzuhalten, bestimmte Übungen müssen ausfallen. Die Folge: Teilnoten, zum Beispiel im Leichtathletik-Bereich, können nicht vergeben werden.

Obwohl dem Schüler für seine Kritik von den Stadtratsmitgliedern Verständnis entgegengebracht wurde, wird sich der Zustand der Sportstätte nicht verbessern, solange Kreis und Stadt nicht von ihren Standpunkten abweichen.

Zum Unverständnis des Schulleiters. „In anderen Städten funktioniert das doch offensichtlich auch.“ Wie er betont, verfüge das Sportgelände der Gröpertorschule über viel Potenzial. „Es ist wunderschön gelegen und man könnte so viel machen – auch über den Sportunterricht hinaus.“