Halberstadt l Jahrzehnte gehörte das Fachwerkhaus Bakenstraße 61 zu den Sorgenkindern in der Altstadt Halberstadts. Der Zahn der Zeit hatte die Struktur des Gebäudes so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man um dessen Erhalt fürchten musste. Ein Fakt, der Axel Schreiber nicht abschreckte. Zumal es für den Investor nicht das erste Fachwerkhaus ist, dem er in Halberstadt wieder eine Zukunft gibt. Einige Schönheiten in der Altstadt sind sein Eigentum. Darunter auch Preisträger des städtischen Fassadenverschönerungswettbewerbs.

Der Halberstädter erwarb die Fast-Ruine Bakenstraße 61 und nahm sich der aufwendigen Sanierung an. Vor etwa zwei Jahren gab er den Startschuss für die Arbeiten am interessanten Fachwerkhaus, das etwa um das Jahr 1650 erbaut wurde.

Vorhaben wurde gefördert

Was bei der Entscheidung, das denkmalgeschützte Haus zu retten, half, war die Förderung des Vorhabens, betont Frank Müller vom gleichnamigen Halberstädter Ingenieur- und Sachverständigenbüro. Bei den heutigen Baupreisen könnte sich kaum noch ein Bauherr erlauben, auf diese Finanzspritzen von Bund und Land Sachsen-Anhalt zu verzichten.

„Das Gebäude hat sich in einem sehr schlechten Zustand befunden“, erinnert sich Bauingenieurin Frederike Müller. Die Fassade sah furchtbar aus. Zertrümmerte Fensterscheiben, die Farbe blätterte ab, Fenster waren mit Holzlatten vernagelt. Allerdings wartete dahinter eine noch viel größere Überraschung. Im Innern suchte man vergebens ­Decken oder eine Treppe. „Und was von der Straße aus nicht zu sehen war, das Haus besaß keine Rückwand mehr – es war entblößt. Von der Hofseite aus konnte man direkt ins Gebäude reinschauen“, so die Fachfrau. Die Rettung der Bakenstraße 61 sei eine Herausforderung, der sie sich gern gestellt habe.

Etwas ganz Besonderes sei der Zuschnitt des Fachwerkhauses. Von der Straße aus vermutet man ein großes Gebäude. Dabei haben die Bauherren vor über 360 Jahren einen Blender in Sachen Größe in die Bakenstraße gesetzt. „Es nimmt nur eine bescheidene Grundfläche von etwa 45 Quadratmetern ein“, berichtet Frederike ­Müller. Wie das kommt? „Straßenseitig misst das Haus 9,70 Meter in der Länge, hinten sind es hingegen nur magere 3,80 Meter“, klärt Frederike Müller auf.

Raumzuschnitt als Herausforderung

Damit würden die Raumzuschnitte im Haus extrem spitz zulaufen. Ein Raumzuschnitt, der eine Herausforderung für die Bewohner ist. Das scheinbar große Haus bietet nämlich auf den drei Etagen nur relativ bescheidene etwas über 100 Quadratmeter Wohnfläche. Aus diesem Grund wird nach der für 2019 geplanten Fertigstellung auch nur eine Familie in die Bakenstraße 61 ziehen.