Sargstedt l Die Eigentümer der Bockwindmühle am Ortsrand von Sargstedt starten jetzt so richtig durch. Frank Martin aus Halberstadt und Ralf Borchert aus der Nähe von Schwerin wollen das unter Denkmalschutz stehende Bauwerk so sanieren und instandsetzen, dass die Mühle wieder voll funktionsfähig ist.

Vor drei Jahren erwarben die Freunde die 148 Jahre alte Bockwindmühle. Sie befand sich damals in einem traurigen Zustand. Seitdem ist jedoch bereits einiges von den neuen Eigentümern auf den Weg gebracht worden, um das Denkmal in die Zukunft zu retten. Ein Förderverein hilft den beiden dabei nicht, sie stemmen das Projekt aus eigenen Kräften beziehungsweise mit Unterstützung des Leader-Fördermittelprogramms des Landes Sachsen-Anhalt und der Europäischen Union.

Land und EU fördern umfangreiche Arbeiten

„Wir stellten einen Antrag und hatten Glück. Für die umfangreichen Arbeiten erhalten wir eine 50-prozentige Förderung“, freut sich Frank Martin. Konkret bedeutet das, bei der geplanten Investitionssumme in Höhe von insgesamt 100.000 Euro bezuschussen das Land und die EU das Vorhaben mit stolzen 50.000 Euro.

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Anfang dieser Woche haben die Arbeiten begonnen. Der komplette Unterbau der Mühle wird derzeit abgerissen. „Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Mühle künftig wieder in den Wind gedreht werden kann“, erklärt Frank Martin. Die Vorbesitzer hatten den hölzernen Fuß, auf dem die etwa 50 Tonnen schwere Bockwindmühle ruht, ummauert, um dort zusätzliche Aufenthaltsräume zu schaffen. Seitdem kann die Mühle nicht mehr gedreht werden. Die Windmühlenflügel müssen jedoch unbedingt wieder zum Drehen gebracht werden, sonst faulen die hölzernen Flügel weg, so Frank Martin. Der Grund würde auf der Hand liegen. In den Flügeln sammelt sich Niederschlagswasser. Bewegen sie sich nicht regelmäßig, gammelt das Holz.

Risse im Bock

Außerdem müssen die vom Zahn der Zeit angegriffenen Köpfe der mächtigen Holzkonstruktion, die als Bock bezeichnet wird, erneuert werden. Tiefe und breite Risse zeigen, das Handlungsbedarf besteht. „Man gut, dass der Bock aus massivem Eichenholz besteht, sonst wären die Schäden wahrscheinlich viel größer“, sagt Frank Martin.

Bereits in der kommenden Woche rückt schwere Technik an der Bockwindmühle an. Ein Spezialkran ist erforderlich, der den Wellenbalken samt Windflügel anhebt und herausnimmt. Der Balken samt Auflagen muss erneuert werden, informiert der Halberstädter. Der Wellbalken der Bockwindmühle benötigt außerdem dringend ein neues Lager. Das besteht bei dem technischen Denkmal nicht etwa aus einem modernen Kugellager. Sogenannte Katzensteine kommen zum Einsatz. „Die schmieren sich selbst“, erklärt Frank Martin. Mit den Arbeiten beauftragten die Eigentümer einen Fachmann, einen Mühlenbauer aus Bismark in der Altmark.

Sanierungsende soll 2021 sein

Die nächsten Schritte zur Sanierung der Bockwindmühle stehen ebenfalls schon fest. „Das Kammrad, das die Drehbewegung der Flügelachse weiterleitet, und die Bremse müssen wir reparieren lassen“, informiert Frank Martin. Das Kammrad ist ein Zahnrad, dessen Zähne kammartig herausstehen. Die Mühle wird ebenfalls mit zwei nagelneuen Mühlsteinen ausgestattet. Mit all diesen Arbeiten kann der Mühlgang wieder hergestellt werden. Außerdem erhält die Mühle eine neue Außenhaut aus widerstandsfähigem Lärchenholz.

„Unser Ziel ist, dass wir künftig zu Schauzwecken wieder Getreide schroten können“, betont der Halberstädter. Frank Martin rechnet damit, dass die umfangreiche Sanierung der Mühle bis 2021 dauert. „Wir hoffen, dass die Coronapandemie dann Geschichte ist und wir zum Deutschen Mühlentag, der traditionell am Pfingstmontag stattfindet, unsere funktionstüchtige Bockwindmühle einem interessierten Publikum präsentieren können.“

Vor drei Jahren Liebe zum Bauwerk entdeckt

Die beiden Elektroingenieure Frank Martin und Ralf Borchert, die sich seit dem gemeinsamen Studium kennen, entdeckten vor etwa drei Jahren ihre Liebe zu Windmühlen. Doch wie kommt man zu einer? „Ganz einfach. Ich bin immer wieder an der Sarg­stedter Mühle vorbeigefahren. Hab gesehen, dass unbedingt etwas geschehen muss, um sie zu erhalten, und dass das bald geschehen muss“, erinnerte sich Frank Martin in einem Volksstimme-Gespräch 2018.

Begeistert waren beide außerdem von der Lage des Bauwerks aus dem Jahr 1842, das sich bis in die 1960er Jahre in Betrieb befand. Auf der einen Seite der Blick auf den Brocken und zum Huy auf der anderen. Die frischgebackenen ­Mühlenbesitzer wussten damals worauf sie sich einlassen, kauften nicht die ­Katze im Sack. Das Bauwerk ist lange Zeit verwaist gewesen, es gab Vandalismusschäden, Unbekannte zerstörten Fensterscheiben, das Grundstück war zugewuchert, die Mühle verfiel.

Nach der Beräumung des Grundstücks rückte die Mühle ins Zentrum der Aktivitäten. In einem ersten Schritt ließen die Eigentümer bereits 2018 den in Auflösung begriffenen Aufgang und den Podest vor der Mühle sowie den Stert erneuern. Ein mehrere Meter langes ­hölzernes Bauteil, mit dessen Hilfe die Mühle in den Wind gedreht wird. Das Holz war völlig vermodert. Vor Jahren versuchte der Altbesitzer, die Faulstellen mit Beton auszugießen, um so den Fäulnisprozess zu stoppen und das Ganze zu stabilisieren. Das hat den Zersetzungsprozess allerdings nicht aufgehalten. Eine ­Fachfirma aus dem Harz baute aus widerstandsfähigem Eichenholz einen neuen Stert.