Halberstadt/Sargstedt l Der Dorfteich in Sargstedt hat sich in eine Baustelle verwandelt. Die Idylle am parkähnlichen Platz mitten im Ort weicht für etwa zwei Wochen einer großangelegten Putzaktion. Es riecht faulig. Das hat einen guten Grund. Mithilfe moderner Technik wird das ­ verschlammte Gewässer im Auftrag der Stadtverwaltung Halberstadt gründlich gesäubert.

„Die Arbeiten sind dringend notwendig, um den Teich zu retten. Etwa einen Meter Schlamm bedeckt den Grund, sodass der Wasserstand nur noch 80 bis 90 Zentimeter betrug“, informiert ­Roswitha Hutfilz von der Abteilung Grünanlagen der Stadt. Damit drohte die Biologie umzukippen. Außerdem besitzt der Teich keine erkennbare Frischwasserzufuhr, also einen Bach oder eine Quelle. Nur Regen füllt ihn wieder auf. Es bestand die Gefahr, dass der Teich nach zwei Dürre-Jahren austrocknet. In den Sommermonaten trieben bereits tote Fische im Wasser. Daher sei höchste Eile geboten gewesen.

Ursache Laub

„Die Arbeiten sind dringend notwendig, um den Teich zu retten. Etwa ein Meter Schlamm bedeckt den Grund, sodass der Wasserstand nur noch 80 bis 90 Zentimeter betrug.“

Die Fachfrau kennt die ­Ursache für das Verschlammen. Das Laub der am Teich stehenden Bäume fällt seit ­vielen Jahren ins Wasser. Dort verrottet es und bleibt als Kompost, beziehungsweise Schlamm, am Boden liegen. Viele kommunale Teiche sind zu DDR-Zeiten oder Anfang der 1990er Jahre letztmals entschlammt worden. Seit 2017 kümmert sich die Stadt Halberstadt Schritt für Schritt um das Problem und stellt jährlich 50.000 Euro für Säuberungsaktionen zur Verfügung. So ist 2017 bereits der Schwanenteich in Halberstadt und 2018 der Dorfteich in Athenstedt gesäubert worden. 46.000 Euro investiert die Kreisstadt für die Arbeiten zur Renaturierung in Sargstedt.

Putzaktion

Um den Teich gründlich zu putzen, entschied sich die Stadt erstmals für ein sehr umweltschonendes Verfahren. Erst fährt ein Schwimmgerät den Teich ab und zieht wie ein ­Rechen Äste und Müll aus dem Wasser. Anschließend kommt ein Spezialboot zum Einsatz, dass mit einem Metallarm ausgerüstet ist, an dessen Ende eine ­Förderschnecke sitzt. Ein Mitarbeiter, der mit den Arbeiten beauftragten Firma, steuert das Gerät durch die Dreckschicht. Der Schlamm wird schonend abgetragen ohne den Untergrund des ­Teiches zu zerstören. Anschließend wird das Wasser-Schlamm-Gemisch über ein Schlauchsystem abgesaugt. Über ein Förderband gelangt der Schlamm zu einem ­Container. Dort entzieht man dem Matsch mithilfe eines Trocknungs­verfahren bis zu 80 Prozent der Feuchtigkeit. Nur noch erdfeucht kann er dann entsorgt werden.

Bislang ließ die Stadt Halberstadt Teiche herkömmlich entschlammen. Das geschieht normalerweise, indem bildlich gesprochen, der ­Stöpsel des Teiches gezogen und das Wasser einfach abgelassen wird. So wie es unter anderem bei der ­Sanierung des Schwanen­teiches in Halberstadt geschehen ist. „Das ist aber sehr zeitraubend und arbeitsintensiv, weil das Gewässer vorher abgefischt werden muss“, so ­Roswitha Hutfilz.

Teure Entsorgung

„Leider gestaltet sich die Schlamm-Entsorgung in Sargstedt komplizierter als geplant“, berichtet Roswitha Hutfilz. Grund dafür ist, dass im Zuge der Labor-Untersuchung festgestellt wurde, dass der Schlamm belastet ist und nicht als Dünger auf Feldern oder Grünflächen unbedenklich ausgebracht werden kann. Er muss teuer auf einer Deponie entsorgt werden. Der Grund: Einzelne Inhaltsstoffe verbieten eine Nutzung auf diesen Flächen.

„Über Jahrzehnte floss das Regenwasser von der benachbarten ­Straße in den Teich. Das Nass spülte den Reifenabrieb der Kraftfahrzeuge in das Gewässer.“

Schadstoffe

Die Masse aus dem Sarg­stedter Dorfteich enthält unter anderem PCB (organische ­Chloridverbindungen) und PAK (aromatische ­Kohlenwasserstoffe). Beide kommen bei sogenannten Weichmachern zum Einsatz, die zum Beispiel bei der Reifenherstellung verwendet werden. Roswitha Hutfilz muss nicht lange rätseln, warum der Schlamm mit diesen gesundheitsschädlichen chemischen Verbindungen kontaminiert ist. Die Lösung liegt praktisch auf der Straße. „Über Jahrzehnte floss das ­Regenwasser von der benachbarten Straße ungehindert in den Teich. Das Nass spülte den ­auf der Straße liegenden Reifenabrieb der ­Kraftfahrzeuge in das Gewässer.“ Die Verschmutzungsquelle ist bislang nicht vom Teich abgekoppelt. „Das müssen wir abstellen.“

Als nächstes sollen die ­Teiche im Schachdorf Ströbeck, in Emersleben und ein kleinerer Tümpel in Mahndorf entschlammt werden.