Osteröder Bodenordnungsverfahren ermöglicht hohe Förderung für Hochwasserschutz

Schlammlawinen sollen Geschichte sein

Von Mario Heinicke

Osterode soll 2013 einen effektiven Hochwasserschutz bekommen. Dabei geht es um den Schutz vor Schlammmassen vom Fallstein. Gestern wurde eine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet.

Osterode l Das Problem ist alt. Schon im Mai 1912 beschrieb die in Osterwieck erscheinende "Ilse-Zeitung", wie bei einem Gewitterregen Wasser, Schlamm und Steine von den Hängen des Fallstein ins Dorf strömten. Extrem war die Lage zuletzt im August 2011, als gleich zwei Schlammlawinen das Dorf unpassierbar machten.

Das soll nun bald der Geschichte angehören. Gestern unterzeichneten Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko), Friedrich Neuhaus als Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft des Bodenordnungsverfahrens Osterode und Bernd Weber vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten den Finanzierungsvertrag für den Bau der Hochwasserschutzanlagen.

Extrem starkes Gefälle zum Dorf hin

Die Überschwemmungen haben ihre Ursache in der Topografie Osterodes. Die Geländeausformung führt das Regenwasser ungebremst in die Ortslage, Schlamm und Wasser lagern sich dort im Bereich der Landesstraße ab. "Immerhin beträgt hier der Höhenunterschied, den das Wasser zurücklegt, auf einer Strecke von rund 1,4 Kilometer über 120 Höhenmeter. Das Problem wird verstärkt, da auch die Wasserführungen im Großen Bruch infolge der Grenzsituation nachhaltig verändert worden sind", erklärte Bernd Weber.

Zur Lösung dieses Hochwasserproblems ist eine Planung aus DDR-Zeiten aufgegriffen worden. Grundlagen der Berechnungen waren die Niederschlagsereignisse vom August 2011.

"Der beste Hochwasserschutz für die Ortslage ist, wenn das Wasser das Dorf gar nicht erst erreicht", sagte Friedrich Neuhaus, der auch Ortsbürgermeister ist. Zu diesem Zweck soll als erstes Vorhaben ein Großteil des Wassers bereits auf dem Fallstein gesammelt und über vorhandene Bodensenken zum Steinkreuz östlich des Dorfes an die Landesstraße geführt werden. Ein besonderes Problem ist hierbei die Querung des Wasserlaufs mit dem Weg auf der Rhode. Hier ist ein besonders großer Höhenunterschied zu überbrücken. Die Fließgeschwindigkeit und damit die Zerstörungskraft des Wassers soll durch Einbau von Sohlschwellen erheblich vermindert werden. Zwischen der Landesstraße und dem kleinen Graben im Großen Bruch muss eine vorhandene Rohrleitung, die nicht mehr funktionsfähig ist, geöffnet werden. Zur Vorbereitung dieser Maßnahme hat der Unterhaltungsverband Ilse-Holtemme bereits Pflegearbeiten am vorhandenen Gewässernetz vorgenommen.

Regenrückhaltebecken fängt Wasser von Fallsteinstraße auf

Dass soviel Wasser über die Fallsteinstraße hinab ins Dorf strömte, hatte seine Ursache auch darin, dass der Straßengraben vor dem Dorf plötzlich endete. Künftig soll das Oberflächenwasser vor dem Dorf in einem Regenrückhaltebecken auf der Südseite des Weges auf der Rhode gesammelt werden. Von dort fließt es gedrosselt per Rohrleitung auf die andere Seite des Dorfes in den Schleppergraben. In diesem Zusammenhang ist auch ein Durchlass in Höhe des Klärwerks umzugestalten.

"Das Regenrückhaltebecken kann natürlich nicht verhindern, dass bei Starkregen unter bestimmten Voraussetzungen Mutterboden von den Ackerflächen abgeschwemmt wird", betonte Bernd Weber. Die Stadt, die das Regenrückhaltebecken unterhalten wird, ist dann gehalten, den Mutterboden aus dem Becken herauszunehmen und wieder auf die Ackerflächen aufzubringen.

Im kommenden Frühjahr soll das Vorhaben starten. Die Kosten sind mit rund 140 000 Euro kalkuliert worden. Die Eigenleistung der Stadt Osterwieck wird etwa 13 Prozent betragen. Dafür wurden im Haushaltsplan 20 000 Euro eingestellt. Die Fördermittel kommen von der Europäischen Union, dem Bund und dem Land Sachsen-Anhalt.

In der Perspektive weitere Vorhaben möglich

Mit der gestrigen Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung kann nunmehr über die Teilnehmergemeinschaft, die Trägerin der Bauvorhaben ist, ein Ingenieurbüro mit der Feinplanung und der Vorbereitung der Ausschreibung beauftragt werden.

In weiterer Perspektive ist an der Westseite des Ortes noch ein weiteres Regenrückhaltebecken vorgesehen, welches das aus dem Bereich Westerhai kommende Oberflächenwasser abfangen und über eine Rohrleitung an der Westseite des Dorfes vorbeiführen soll.