Halberstadt (je) l Das Gerücht, dass der Aldi-Markt an der Rudolf-Diesel-Straße in Halberstadt schließt, ist keines. Auf Nachfrage bestätigt Aldi Unternehmenssprecher Axel vom Schemm, dass sich der Handelskonzern vom Standort Rudolf-Diesel-Straße zurückzieht. Bei den Bewohnern des südlichen Teils der Kreisstadt stößt das auf Kritik.

„Das ist unmöglich. Uns Rentnern nimmt man damit die Möglichkeit, auf kurzem Weg und preiswert einzukaufen“, kritisiert Hannelore Festerling. Im Halberstädter Rathaus ist man überrascht von der Entscheidung des Aldi-Konzerns. „Wir wurden über diesen Schritt bislang nicht informiert. Das ärgert uns“, sagt Rathaussprecherin Ute Huch. Es gehöre sich einfach nicht, die Stadtverwaltung über so einen Schritt nicht in Kenntnis zu setzen.

Mitarbeiter werden nicht in arbeitslos

In den zurückliegenden ­Jahren haben Handelsunternehmen immer wieder Standorte in der Kreisstadt geschlossen, um dann wenig später in einem anderem Stadtteil einen ­neuen Markt zu eröffnen. Ergebnis war, dass in Halberstadt zahlreiche Immobilien verwaist waren, wenn die Karawane weiter zog. Dem schob die Stadt vor einigen Jahren mit einem Einzelhandelskonzept einen Riegel vor. Das verbietet großflächigen und zentrumsbelastenden Einzelhandel außerhalb der festgelegten zentralen Versorgungsgebiete.

Der Aldi-Konzern schließt den Standort Rudolf-Diesel-Straße nicht, um an einer anderen Stelle einen neuen zu eröffnen. „Wir schließen den Markt zum 23. Mai 2019 im Zuge der Modernisierung des Markts an der Magdeburger Straße in Halberstadt“, informiert Axel vom Schemm. Die Kollegen müssten sich keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen. „Die Mitarbeiter des Marktes an der Rudolf-Diesel-Straße beschäftigen wir in umliegenden Filialen weiter“, so der Unternehmenssprecher.

Stadt vesagt Neubau-Projekt

Warum der Konzern sein Marktnetz in Halberstadt von drei auf zwei Standorte ausdünnt, begründet Axel vom Schemm so: „Aldi Nord arbeitet fortlaufend an der Optimierung seines Filialnetzes, sodass die Schließung der Filiale eine Entscheidung unserer Standortplanung war.“ Ob der Markt nicht mehr wirtschaftlich arbeitet, lässt er unbeantwortet. Ebenfalls offen bleibt die Frage, ob die Schließung eine Retour­kutsche dafür ist, dass ein Neubau-Vorhaben am Standort Rudolf-Diesel-Straße von der Kommune nicht genehmigt wurde.

Die etwa 800 Quadratmeter Verkaufsfläche des vorhandenen Aldi-Marktes genügten dem Einzelhandelskonzern nicht mehr. Vor drei Jahren trat man daher an die Stadt Halberstadt mit einem Neubau-Vorhaben heran. Entstehen sollte ein neuer Markt mit etwa 1200 Quadratmetern Fläche direkt vor der Haustür des derzeitigen Marktes.

Unmissverständlich war damals die Botschaft des Stadtentwicklungsausschusses. Einhellig stimmten die Stadträte gegen einen Antrag auf Schaffung von Baurecht.

Eine Vergrößerung sei nicht abgedeckt vom Einzelhandelskonzept der Kreisstadt, das großflächigen Einzelhandel von über 800 Quadratmetern außerhalb der festgelegten zentralen Versorgungsgebiete untersagt.

Der Stadtrat hätte den gültigen Bebauungsplan ändern und dort ein Sondergebiet ausweisen müssen, um den Neubau zu ermöglichen. Die Folge wäre, dass das Einzelhandelskonzept weiter ausgehebelt wird.