Halberstadt l Das Rätselraten um vergessene Adresspunkte und Hausanschlüsse beim geförderten Breitbandausbau im Harzkreis geht weiter und gestaltet sich augenscheinlich komplizierter als bislang angenommen. Theo Struhkamp, seines Zeichens Verantwortlicher für den geförderten Breitbandausbau im Landes-Wirtschaftsministerium, rechnet nun frühestens Ende Januar 2020 mit Klarheit. Nun würden auch die Einwohnermeldeämter der Harzer Kommunen kontaktiert, um für den nötigen Datenabgleich Adressdaten zu liefern.

Das Problem, so Struhkamp, bestehe darin, dass der Breitbandausbau auch im Harzkreis in den vergangenen Jahren auf höchst unterschiedliche Weise vorangebracht worden sei. Mal auf Eigeninitiative der jeweiligen Netzbetreiber. Mal mit staatlicher Förderung und damit mit gewisser behördlicher Begleitung. Einerseits diese unterschiedliche Verfahrensweise und andererseits die Tatsache, dass neben der Telekom noch andere Netz- und Kabelbetreiber agieren, habe zu verschiedenen Datenpoolen und Bestandslisten geführt. Der Knackpunkt sei nun, diese unterschiedlichen Listen zusammenzuführen und alsdann im Abgleich zu entschlüsseln, ob und wo in unversorgten Bereichen Hausanschlüsse vergessen worden sind – Stichwort: weiße Flecken.

Huy-Neinstedt komplett vergessen

Mit letzteren rechnet Struhkamp auch im Harzkreis – allein der konkrete Umfang ist bis zum Abschluss des angeschobenen Datenabgleichs noch offen. Bislang ist im aktuellen Ausbauprogramm nur ein besonders krasser Fall bekannt geworden: Huy-Neinstedt – ein Ortsteil der Gemeinde Huy mit rund 60 Haushalten – wurde schlichtweg vergessen.

Die Gemeinde bleibt im aktuell laufenden Ausbauprogramm zunächst außen vor – unter anderem, weil es am Markt keine Ausbaukapazitäten gibt und die vorhandenen Firmen auf Monate ausgebucht sind. Die im Huy mit dem Breitbandausbau beauftragte Deutsche Telekom strebt aber an, nach dem Abschluss des jetzigen Programms Huy-Neinstedt breitbandseitig auszubauen. Allerdings sind konkrete Zeitfenster aktuell noch offen.

Als unterversorgt gilt bei der Breitbandanbindung, wer auf Downloadraten von unter 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) zugreifen kann. Dort, wo die Netzbetreiber aus wirtschaftlichen Gründen nicht eigenverantwortlich ausbauen, greifen Förderprogramme. Der Ausbau selbst läuft schleppend. Ursprünglich hatte sich die große Koalition in Berlin vorgenommen, bis Ende 2018 alle deutschen Haushalte mit mindestens 50 Mbit/s zu versorgen.

Ausbau nicht vor Ende 2020 beendet

Im Harzkreis, wo die Deutsche Telekom und die Magdeburger Firma MDDSL ausbauen, wird dieses Ziel flächendeckend frühestens Ende 2020 erreichen. Davon gehen zumindest die für den Breitbandausbau Verantwortlichen in der Kreisverwaltung aufgrund der Signale seitens der beiden gebundenen Unternehmen aus. Allerdings bleiben auch an diesem Zeitplan Zweifel, weil noch immer unklar ist, in welchen Größenordnungen Ortsteile und Anschlusspunkte beim geförderten Ausbauprogramm übersehen wurden.