Halberstadt l Der Termin steht: 8. Januar 2020. Bis zu diesem Tag muss die Magdeburger Telekommunikationsfirma MDDSL liefern. Den vertraglich mit der Kreisverwaltung Harz vereinbarten und mit Fördermitteln unterstützten Ausbau des Breitbandnetzes im mehreren Städten sowie Gewebegebieten. Nach der Vertragsunterzeichnung am 8. Januar 2018 hat MDDSL nach Angaben aus der Kreisverwaltung exakt 24 Monate Zeit zur Realisierung. Kurz vor Halbzeit des Ausbauzeitraums werden in immer mehr Kommunen die kritischen Stimmen lauter.

Da bislang in Sachen Netzausbau vielerorts nahezu nichts geschehen sei, gibt es die Befürchtung, dass die Magdeburger den gesteckten Zieltermin womöglich nicht halten. Und damit stehen Kommunen wie Harzgerode, Ballenstedt oder Blankenburg nicht allein. Auch in der Kreisverwaltung ist mit Blick auf die Entwicklung der vergangenen Monate die Skepsis unverkennbar. Allein: Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Verantwortlichen in der Defensive, können nichts unternehmen.

„Wir haben einen Ausbauvertrag mit festen zeitlichen Vorgaben. Die beiden gebundenen Unternehmen sind in der Anzeigepflicht, wenn sie den Zieltermin absehbar nicht einhalten. Uns ist bislang nicht angezeigt worden, dass es damit Probleme gibt. Folglich gehen wir davon aus, dass der vereinbarte Termin steht“, skizziert Dirk Michelmann vom Leitungsbereich im Landratsamt.

Harsche Kritik aus Harzgerode

Worte, die die Kommunalpolitiker vor Ort mit steigendem Frust registrieren. „In den vergangenen zehn Monaten ist seitens MDDSL nichts passiert“, so Harzgerodes Bürgermeister Marcus Weise (CDU). Bis November habe man nicht mal Kontakt zu den Verantwortlichen aufnehmen können.

Erst dann gab es auf Druck der ahnungslosen Kommunalpolitiker und Behördenvertreter eine Tour mit MDDSL-Bauleitern durch die acht Orte, in denen das Unternehmen zuständig ist. Waren danach die offenen Fragen beantwortet und die bestehenden Probleme geklärt? Nein, heißt es unisono aus Harzgerode, Ballenstedt oder Osterwieck. Noch immer sei vieles unklar.

Auch in Osterwieck ist MDDSL für den Ausbau verantwortlich. Was passiert sei, fragt Peter Eisemann von der Wirtschaftsförderung rhetorisch: „gar nichts“. Selbst beim großen Straßenausbau in Hessen habe es Probleme gegeben. „Wir bauen dort die Landesstraße 89 aus. Wenn man dann nicht gleich die Leerrohre für die Glasfaserleitungen mit verlegt, würde das kein Mensch verstehen. Es gestaltete sich mit dieser Firma ziemlich schwierig“, so Eisemann. „Mittlerweile ziehen die so ein bisschen mit.“

Kein Galsfaserkabel bis zum Endkunden

Und nicht nur hier Ernüchterung: „Anfänglich war sogar davon die Rede, Glasfaser bis zu den Endkunden zu verlegen, davon ist jetzt nicht mehr in die Rede.“ Eisemann kennt es auch anders: „Als 2011 die Telekom bei uns ausgebaut hat, was es deutlich besser. Jetzt gestaltet sich das zäh.“

Schon der Versuch, die Verantwortlichen bei MDDSL telefonisch zu erreichen, sei extrem schwierig. Was Eisemann Probleme bereitet. „Die Erwartungshaltung ist groß – bei Unternehmern, Bürgern, Stadträten, Ortsbürgermeistern. Alle wollen Klarheit. Doch wie sollen wir deren Fragen beantworten, wenn selbst welche haben?“

Ein Schicksal, das nachvollziehbar ist. Auch die Volksstimme beißt immer wieder auf Granit. Schon im Februar war es schwierig, mit MDDSL-Geschäftsführer Andreas Rieder irgendwie in Kontakt zu kommen. Über die MDDSL-Rufnummer in Magdeburg war und ist es unmöglich. Damals nach zig Anläufen sehr konkret formulierte Anfragen per Mail, darauf allgemeine Antworten, die im Kern neue Fragen aufwarfen. Die Bitte um ein Telefonat blieb im Februar unerfüllt.

MDDSL blockt Anfragen ab

So auch diesmal: Mehrere Anläufe mit der Bitte um eine direkte Kontaktaufnahme über Dirk Michelmann als Vermittler. Sie bleiben erfolglos, alle konkreten Fragen der Volksstimme – unter anderem zum Ausbauplan – damit unbeantwortet. Dafür eine Pressemitteilung des MDDSL-Vertriebschefs zum aktuellen Ausbaustand.

Inhalt: In Osterwieck, der Gemeinde Nordharz und in Quedlinburg könnten bis Ende des ersten Quartals 2019 die Verteilerschränke installiert werden. In Ballenstedt seien noch Präzisierungen nötig, in den anderen Kommunen fehlten noch Zuarbeiten und Genehmigungen. Parallel würden die Trassenplanungen präzisiert. Der Tiefbau soll im zweiten Quartal in Osterwieck beginnen und von Nord nach Süd fortgesetzt werden. Parallel soll es Infoveranstaltungen geben. Letztere hatte MDDSL-Chef Riedel im Februar schon für den Sommer 2018 angekündigt – stattgefunden haben sie nicht.

Deshalb sind die betroffenen Bürgermeister derart frustriert. „Der Ausbau? Dort, wo die Telekom zuständig ist, perfekt, bei MDDSL eine Katastrophe. Jetzt leere Verteilerkästen aufzustellen, ist Symbolpolitik“, so Bürgermeister Weise. Erinnert sehen sich Kommunalpolitiker an potemkinsche Dörfer.

MDDSL muss bis Januar 2020 liefern

Ähnlich Weises Ballenstedter Amtskollege Michael Knoppik (CDU): „Mit Blick auf den jetzigen Stand kann ich nur sagen: Der Zuschlag für MDDSL war das Schlimmste, was uns passieren konnte.“ Im Landratsamt kennt man die Sicht der Bürgermeister. Allein: Man ist zum jetzigen Zeitpunkt machtlos. MDDSL müsse zum 8. Januar 2020 liefern. Erst dann, oder wenn die Firma vorher die Hände hebt, könne man tätig werden.

Auch die Telekom, so Dirk Michelmann, habe beim Ausbau im Harz noch anspruchsvolle Ziele. Aber: In die Telekom gebe es nach vielen erfolgreich und termingerecht realisierten Ausbauprojekten in den vergangenen Jahren eben ein gewisses Grundvertrauen.