Quedlinburg l Fünf, Vier, Drei, Zwei, Eins, Los. Dieser Zuruf von Kindern aus dem Zuschauerraum für Kinder auf der Bühne, ist der Startschuss für das diesjährige regionale Schülertheatertreffen in Quedlinburg, nachdem es durch Quedlinburgs Oberbürgermeister Frank Ruch im Beisein von Landrat Martin Skiebe (beide CDU) und der Vorsitzenden der beiden Theaterfördervereine eröffnet wurde.

Mit diesem, dem 20. regionalen Schülertheatertreffen, wird die Reihe bedeutsamer Jubiläen für das Nordharzer Städtebundtheater in diesem Jahr komplettiert. Und ein Grund mehr, den Machern dieses Events Anerkennung zu zollen, einerseits Anja Grasmeier, die als Theaterpädagogin diese Treffen von Anfang an verantwortet. Und andererseits den jungen Spielerinnen und Spielern, ihren Pädagogen, Eltern und weiteren Unterstützern, zum Beispiel beim Transport der Kulissen oder beim Fahrdienst für die Schüler.

Spaß und Spiel

Zwei Tage lang gehört das Große Haus des Nordharzer Städtebundtheaters den Kindern. Selbstbewusst haben sie im Zuschauersaal Platz genommen, agieren auf der Bühne, als hätten sie nie etwas anderes getan. Die Pause zwischen den einzelnen Aufführungen wird zu Spaß und Spiel auf dem Theaterhof genutzt. Die Sportjugend des Harzkreises hat das entsprechende Equipment geliefert und gibt Unterstützung, falls erforderlich.

Der erste Tag des insgesamt zweitägigen Treffens gehört den Theater-AG‘s der Grundschulen. Zu ihnen gehört die Theater AG der Grundschule „Albert Klaus“ aus Badersleben. Noch bevor das Spiel beginnt, haben sie bereits die Aufmerksamkeit der Zuschauer geweckt. Sie sind die ersten auf dem „Spielplan“, sie sind die einzige Theater-AG aus dem Altlandkreis Halberstadt, die am diesjährigen Treffen teilnimmt und drittens haben die zehn Schüler das Stück selbst entwickelt.

Probe

Unter der Leitung der Sozialarbeiterin Anja Müller-Cajar haben die Spieler im Alter von acht bis zehn Jahren seit September eine Stunde in der Theater AG geprobt, ab März dann zweimal wöchentlich für jeweils 90 Minuten. Präsentiert haben die Badersleber das Stück „Totalschaden bei Familie Blank“. Leitmotiv der Handlung ist die Verwirklichung der Partizipation – Kinder agieren als Experten in eigener Sache und beeinflussen aktiv ihren Alltag.

Den fünf Kinder gelingt es, das Schuldenproblem ihrer Mutter zu lösen und durch einen Show-Act 10 000 Euro aufzutreiben. Damit können sie nicht nur die Schulden ihrer Mutter (8000 Euro durch einen Crash mit einem anderen Fahrzeug) begleichen, sondern können das restliche Geld zum Wohle der gesamten Familie einsetzen.

Kein Lampemfieber

Die dramaturgisch geschickte Lösung – der Show-Act -eröffnet den jungen Schauspielern die Möglichkeit, ganz cool zusätzliche Talente zu zeigen – beim Klarinetten oder Klavierspiel, beim Singen und Tanzen. Dieser wie auch den nachfolgenden drei Präsentationen – sämtlich von Quedlinburger Grundschulen – ist trotz unterschiedlich gewählten Themen eines gemeinsam. Natürlich zunächst die große Spielfreude, mit der sich alle Teilnehmer in Szene setzen.

Offenbar kennen die Jungschauspieler auch kein Lampenfieber, und wenn es einmal nicht auf den Punkt genau mit dem Zusammenspiel klappt, wird improvisiert. Und dann der Einsatz der Musik, die die Kinder lieben, wodurch das Spiel einen besonderen Drive bekommt. Und schließlich besteht kaum ein Unterschied zu den professionellen Aufführungen der Erwachsenen im Theater.

Hilfe

Bühnenarbeiter helfen ganz selbstverständlich beim Umbau der Bühne, die Lichttechnik ist auf die Bedürfnisse der Theaterarbeitsgemeinschaften (AG) eingerichtet.

Und Arnold Hofheinz, Koordinator Schauspiel am Nordharzer Städtebundtheater, übermittelt seinen jungen Kollegen wertvolle Hinweise, was ein Schauspieler wissen muss, bevor er auf die Bühne tritt. Dieses kurze Aufwärmprogramm für Körper und Stimme plus beruhigende Übungen gegen Lampenfieber wird mit Begeisterung aufgenommen und jung und alt unter den Zuschauern machen begeistert mit.

Doch Spielen allein macht nicht das Wesen des Schülertheatertreffens aus. Ein wichtiger Bestandteil ist ebenso die „Manöverkritik“, die im Anschluss im Gespräch mit Arnold Hofheinz und den Theaterpädagoginnen stattfindet.

Applaus

Mehrfach wurde von Seiten des Städtebundtheaters (Verwaltungsdirektor Jörg Heyne, Theaterpädagogin Anja Grasmeier) betont, dass das Brot des Künstlers der Applaus ist. Fazit des ersten Tages des regionalen Schülertheatertreffens: Keiner der jungen Künstler muss hungrig ins Bett gehen.

Der Applaus ist für alle Beteiligten langanhaltend und begeistert.