Halberstadt l Sie sind da, das ist manchmal schon ausreichend. Sie erinnern, ermutigen, beruhigen. Vom Schulweg bis zur Hortbetreuung, von der Einschulung bis zur Ausbildung sind Schulbegleiter als stille Helden dabei, wenn Kinder trotz unterschiedlichster Einschränkungen am normalen Schulalltag teilhaben. Integrationshelfer ermöglichen Inklusion, weil sie den Kindern und Jugendlichen Rückhalt geben.

„Empathie, das ist das Wichtigste, was Integrationshelfer mitbringen müssen“, sagt Eileen Jung. Sie ist Teamleiterin der Schulbegleiter im Harz und koordiniert deren Einsatz, sie unterstützt aber auch ab und zu Eltern auf dem Weg durch den Antragsdschungel. Schulbegleitung ist eine Unterstützung, die beantragt werden muss.

Die Arbeit finanziert die Sozialagentur Sachsen-Anhalt, berichtete die 37-Jährige, die auch mit Sozial- und Jugendamt des Harzkreises zusammenarbeitet, mit Schulbehörden und Arbeitsagentur oder Arbeitsamt. Je nachdem, warum eine Begleitung für das Kind erforderlich ist und wie alt der zu Begleitende ist. Neben körperlichen oder geistigen Behinderungen können auch Autismus, ADS/ADHS oder seelisch-emotionale Störungen den Einsatz von Inte- grationshelfern sinnvoll werden lassen. Die Aufträge für eine Begleiting werden meist für die Dauer eines Schuljahres erteilt, das heißt auch, dass die Integrationshelfer immer für dieses Jahr befristet angestellt werden. Die Bezahlung orientiert sich am Mindestlohn, wobei der Stundenplan des Schülers Grundlage ist.

Begleitung auf Schulweg und am Nachmittag

„Auch wenn das Kind mal krank wird, zahlen wir den vollen Stundensatz, das ist mit der Sozialagentur so abgestimmt“, sagt Eileen Jung. Manche der derzeit 75 Schulbegleiter sind schon auf dem Schulweg der Kinder dabei, andere begleiten auch am Nachmittag. „Das Angebot ist bewusst gewählt, über Unterricht und Hausaufgabenbetreuung hinaus, damit die Kinder ihre stillen Helden auch im Hort bei sich haben. Da sind ja nur wenige Erzieher für viele Kinder zuständig, die wären mit den Anforderungen der zu begleitenden Kinder überfordert“, sagt Jung. Auch zu Wandertagen und Klassenfahrten sind, wenn die Eltern keine Zeit oder wie bei Heimkindern nicht verfügbar sind, Integrationshelfer dabei.

Seit gut zehn Jahren gibt es dieses Angebot im Harzkreis, begonnen hatte alles mit einem Kind. Inzwischen sind es 75 Kinder, für die Anträge auf Begleitung gestellt sind, damit sind 75 Helfer im Einsatz.

Zweimal im Jahr Weiterbildung

Zweimal im Jahr bietet die AWZ GmbH, bei der die Integrationshelfer angesiedelt sind, Weiterbildungen an. Dazu kommen andere Möglichkeiten des Austausches wie Weihnachtsfeier oder Sommerfest. „So mancher Helfer ist allein an einer Schule im Einsatz, da ist der Austausch wichtig“, sagt Eileen Jung, nicht immer wird die Anwesenheit eines Erwachsenen im Unterricht unproblematisch akzeptiert. Wobei die Akzeptanz in Förderschulen am größten sei, berichtet Jung. Im Einsatz sind die Helfer aber an allen Schulformen von der Grundschule bis zum Gymnasium und zur Berufsschulphase. Jedes Jahr müssen Eltern einen Folgenantrag stellen, die Schulen dazu Stellung nehmen, „es ist viel Bürokratie“, gibt Eileen Jung zu.

Schulbegleiter sind Männer und Frauen gleichermaßen, die Altersspanne reicht von Mitte 20 bis zum Rentenalter. Die Helfer übernehmen keine pflegerischen oder erzieherische Aufgaben, sie erinnern die Kinder aber, Aufforderungen der Lehrer nachzukommen, wirken beruhigend auf sie ein, begleiten beim Toilettengang, wenn es erforderlich ist. „Weshalb wir immer versuchen, dass die Begleiter gleichen Geschlechts wie die Kinder sind“, so Jung, die sich zur Absicherung von Vertretungen über weitere interessierte Helfer freuen würde – vorzugsweise im Rentenalter, weil diese als Springer einfacher einzusetzen seien, sagt die Mutter zweier Kinder.