Halberstadt l Den Umgang mit Pferden ist Marco Tullner sichtlich nicht gewöhnt. Aber dann wendet Maxima den Kopf zu ihm und der Christdemokrat traut sich, auch den Kopf seines „Patenkindes“ zu streicheln. Seit 2017 ist der Bildungsminister des Landes Sachsen-Anhalt Pate für die junge Haflinger-Stute.

Doch auch wenn er bei Maxima vorbeischaute, war sie nicht der Anlass für seinen Besuch in der Halberstädter Europaschule „Am Gröpertor“. Anlass war der Innotruck, eine mobile Ausstellung des Bundesforschungsministeriums, der auf dem Schulhof Station machte. „Wir haben als Land keinen Anteil daran, aber ich will mit diesem Besuch meine Wertschätzung ausdrücken für ein Kollegium, das seine Schüler nicht nur zum Abschluss führt, sondern mithilft, dass sie diese Abschlüsse mit einer klaren Perspektive ablegen “, sagte Tullner.

Einblick in die Forschung

Dass die Gröpertorschule Europa in den Blick nimmt und nach vielfältigen Angeboten bei der Berufsorientierung sucht, lobte Tullner ausdrücklich. Er war gestern nicht der einzige beeindruckte Gast in dem großen Truck, der auf zwei Etagen Einblick in aktuelle Forschung gibt und in diesem Jahr den Schwerpunkt auf die Arbeitswelt der Zukunft legt, wie Dr. Andreas Jungbluth informierte. Im kommenden Jahr werde der Schwerpunkt Künstliche Intelligenz sein, und wie sie sich auf die Arbeitswelt auswirkt. „Das Thema schließt sich also direkt an das aktuelle an“, so Jungbluth. Was Schulleiter Björn Ahlsleben spontan dazu veranlasste, gleich einen weiteren Besuchstermin für das kommende Jahr zu erbitten.

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Während sich die neunten Klassen der Sekundarschule 90 Minuten lang bei geführten Rundgängen und an den Experientiermöglichkeiten einen Eindruck von der Vielfalt der Forschungsthemen und deren Einfluss auf die Arbeitswelt verschafften, nutzten die Achtklässler das Angebot für je eine Schulstunde.

Vier Lehrer fehlen

Die Schulstunden abzudecken, ist zurzeit keine leichte Aufgabe. Fehlen in der Gröpertorschule doch vier Lehrer. „Damit fallen jede Woche 100 Unterrichtsstunden weg. Da können wir keine Kraft für Pferdesport oder anderes aufbringen, da sind erstmal Deutsch und Mathe gefragt“, sagte Jörg Wenske. Der Techniklehrer ist zugleich Vorsitzender des Pferdesport- und Zuchtvereins, der an der Schule existiert, und kämpft zurzeit an vielen Fronten. Am Donnerstag laufen vom Jobcenter geförderte Beschäftigungen aus, vier Mitarbeiter sind dann nicht mehr verfügbar, die morgens die Pferde gefüttert und gestriegelt haben und so das immer dienstags und mittwochs stattfindende therapeutische Reiten vorbereitet hatten. Mit dem November endet eine zweite vom Jobcenter finanzierte Beschäftigung, „dann ist gar keiner mehr da“, so Wenske. Zum Glück finden sich immer wieder Ehrenamtliche wie Uta Wegner, die gerade ihren Urlaub nutzt, um dem Verein zu helfen. Auch einst übers Jobcenter bezahlte Mitarbeiter kommen ab und zu ohne jegliches Entgelt, um zu helfen. „Sie machen ihre Arbeit mit Herzblut, das ist unbezahlbar“, sagte Lehrerin Kerstin Barkowski, die sich ebenfalls im Verein engagiert.

„Wir brauchen solche Menschen, die sich einbringen, die mit den Tieren umgehen können“, betonte Wenske. Schließlich müssen die Tiere 365 Tage im Jahr betreut werden – das kann keine Schul-Arbeitsgemeinschaft leisten. „Und wir machen hier keinen Schicki-Micki-Reitsport. Unser Angebot richtet sich an alle Kinder. Für den symbolischen Mitgliedsbeitrag von vier Euro im Monat können so auch Kinder aus sozial nicht so gut gestellten Familien den Umgang mit den Tieren kennenlernen, sich im Reiten ausprobieren“, sagte Wenske.

Dauerhafte Förderung

Marco Tullner, der nicht zum ersten Mal mit den Sorgen des Vereins konfrontiert wurde, hat die Idee einer institutionellen Förderung des Vereins durch das Land aufgegriffen. Man müsse sich beeilen, weil die Haushaltsberatungen im November beginnen, aber er sehe gute Chancen, so eine sichere finanzielle Basis für den Verein zu schaffen. „Wir bräuchten für 2,5 Stellen 60.000 Euro im Jahr“, sagte Wenske. Wenn die Personalkosten gesichert seien, könne man besser Projektgelder einwerben, weil die erforderlichen Eigenanteile besser aufzubringen seien.

Bis spätestens zum neuen Schuljahr, so Tullner, soll eine dauerhafte Lösung gefunden sein. Tullner: „Das Ziel ist klar: Wir dürfen ein so einzigartiges Angebot, das weit über die Region hinaus ausstrahlt, nicht einfach sterben lassen.“